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Nahrungssuche: Wilde Affen lernen von Videos

Experiment im brasilianischen Dschungel: Lernfähige Weißbüschelaffen Zur Großansicht
DPA/Tina Gunhold

Experiment im brasilianischen Dschungel: Lernfähige Weißbüschelaffen

Es ist eine Premiere für wilde Tiere: Affen im brasilianischen Dschungel haben von Videos gelernt, wie sie an Futter kommen können - obwohl sie die präsentierten Requisiten nicht kannten.

Wilde Affen lernen nicht nur durch direkte Beobachtung ihrer Artgenossen, sondern auch aus Videos. Forscher um Tina Gunhold von der Universität Wien lehrten Weißbüschelaffen im brasilianischen Dschungel durch Filme, wie sie an verstecktes Futter kommen. Das berichten die Wissenschaftler in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Gunhold und ihre Kollegen arbeiteten mit zwölf Gruppen wilder Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus) in einem Waldgebiet im Bundesstaat Pernambuco im Nordosten von Brasilien. Dort zeigten sie einer Hälfte der Gruppen auf einem Bildschirm fünfminütige Kurzfilme. Darin öffneten fremde Artgenossen - ein Männchen und ein Weibchen - jeweils 25-mal einen Schieber an einer künstlichen Frucht, um an das darin versteckte Futter zu gelangen. Die übrigen sechs Gruppen sahen stattdessen nur das Standbild der Artgenossen.

Kniff gelernt

Als die Forscher den Tieren anschließend entsprechende künstliche Früchte auf der Plattform präsentierten, beobachteten sie deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen. In fünf der sechs Gruppen mit Video-Erfahrung wendeten einzelne Affen die gesehenen Methoden an und holten das Futter heraus. In einer Gruppe gelang das zwei Tieren sogar insgesamt 21-mal. In den sechs anderen Gruppen schaffte dies nur ein einziger Affe.

Dies zeige, dass wilde Affen einen Kniff lernen und umsetzen könnten, auch wenn sie ihn vorher nur auf Video gesehen hatten - und sogar dann, wenn Requisiten in ihrer natürlichen Umgebung nicht vorkommen. Reiner Sichtkontakt zu einem Artgenossen reiche bei Weißbüschelaffen für soziales Lernen aus.

In der Studie seien zum ersten Mal bei Wildtieren Videos als Anreiz und Mittel zur Manipulation eingesetzt worden, schreiben die Forscher. Das Ergebnis zeige, dass die Methode neue Möglichkeiten für die Verhaltensforschung außerhalb von Labors und Tiergärten biete.

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boj/dpa

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