Afrikanische Affen Softies? Kein Interesse!

Sie lieben die fiesen Raufbolde - und belohnen sie auch noch. Die Damen einer afrikanischen Affenart haben wenig für sanftmütige Männchen übrig.

Südliche Grünmeerkatzen in einem südafrikanischen Reservat
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Südliche Grünmeerkatzen in einem südafrikanischen Reservat


Sie streiten oft, manchmal stundenlang - und meistens geht es ums Futter. Südliche Grünmeerkatzen sind nicht eben friedliche Zeitgenossen. Nun zeigt sich: Manche der Affenweibchen stacheln Männchen sogar zu besonders aggressivem Verhalten an. Sie widmen den rauflustigen Mitgliedern ihrer Gruppe besonders viel Aufmerksamkeit, während sie die friedlicheren Männchen demonstrativ ignorieren.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, für die Wissenschaftler aus der Schweiz und Südafrika zwei Jahre lang mehrere Gruppen der Grünmeerkatzen in einem Reservat beobachtet hatten. Im Mawana Game Reserve in Südafrika hatten die Forscher um Jean Arseneau-Robar von der Universität Zürich insgesamt 236 einzelne Kämpfe ausgewertet, die im Schnitt jeweils 45 Minuten dauerten - aber auch ein insgesamt achtstündiger Schlagabtausch wurde verzeichnet.

Ihre Befunde haben die Forscher nun im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht. Das beobachtete Verhalten der Affenweibchen "scheint ein sozialer Anreiz zu sein, der die Teilnahme der Männchen an Kämpfen zwischen Gruppen antreibt", schreiben die Studienautoren dort. Tapfere Männchen könnten mit offener weiblicher Aufmerksamkeit rechnen - etwa bei der Fellpflege.

Wer verschmäht wird, lässt es danach umso mehr krachen

Männchen, die sich von Kämpfen fernhielten, würden von den Weibchen hingegen oft aggressiv abgewiesen. Verschmähte Männchen strengten sich in späteren Kämpfen dann besonders stark an.

Affen mit Alkoholproblem

Für die Männchen gebe es also einen Anreiz zum Kämpfen, der nach Vermutung der Forscher letztlich sexuell bedingt ist. Die gestiegene Aufmerksamkeit seitens der Weibchen lasse einen kampfbereiten Affen als "besonders wertvollen Partner" erscheinen, was letztlich dessen Paarungserfolg erhöhen dürfte. Demonstrativ von den Weibchen verschmäht zu werden, lasse hingegen den Status in der Gruppe sinken.

Auch für das Verhalten der Weibchen haben die Forscher eine Erklärung: Bei den häufigen Kämpfen zwischen Grünmeerkatzengruppen gehe es in der Regel um Nahrung. Dies sei für die Weibchen, denen die Pflege des Nachwuchses obliege, von besonderem Interesse.

Die Beobachtungen zeigten nach Einschätzung der Studienautoren eine heikle Balance, die bei vielen Gruppenwesen - zu denen auch der Mensch zählt - vorkomme: Auf der einen Seite steht die Beteiligung an Kampf, Jagd oder Verteidigung, die gefährlich sein kann; auf der anderen Seite steht die Versuchung, sich zurückzuhalten und vom Einsatz anderer zu profitieren, was aber zu sozialer Zurückweisung führen kann.



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