Balztanz von Finken Sie trippeln schneller als man gucken kann

Während ihrer Balztänze halten Finken Stöckchen im Schnabel, zwitschern eine Melodie und hüpfen rhythmisch. Die Zeitlupe aber offenbart: In Wirklichkeit trippeln die Vögel - so schnell, dass Menschen es nicht sehen.

Blaukopf-Schmetterlingsfink: Spürbare Reize für den Partner
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Blaukopf-Schmetterlingsfink: Spürbare Reize für den Partner


Afrikanische Prachtfinken tanzen Stepp - und das so schnell, dass es fürs menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist. Erst mit Hochgeschwindigkeitskameras kamen ihnen Forscher nun auf die Schliche.

Bei normaler Betrachtung wirkt es, als hüpften die Blaukopf-Schmetterlingsfinken bei der Balz, berichten die Forscher um Manfred Gahr vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen in den "Scientific Reports". Stattdessen trippeln die Vögel rasend schnell von einem Fuß auf den anderen.

Blaukopf-Schmetterlingsfinken (Uraeginthus cyanocephalus), auch Blaukopfastrilde genannt, sind wegen ihrer hübschen Färbung beliebte Ziervögel. Heimisch ist die Art in Ostafrika.

Die Vögel leben in sozialer Monogamie: Sie ziehen als Paar ihre Küken auf, haben aber mitunter weitere Sexualkontakte. Während der Balztänze halten Männchen und Weibchen Nistmaterial - beispielsweise Stöckchen - im Schnabel, zwitschern eine Melodie und hüpfen rhythmisch.

Das allein klingt schon komplex - umso verblüffender wirken die Zeitlupenaufnahmen der Tänze: Was wie ein einzelner Hüpfer wirkt, ist in Wirklichkeit wildes Getrommel mit beiden Füßchen.

25 bis 50 Steppschritte pro Sekunde

Ein Steppschritt dauere 20 bis 40 Millisekunden, schreiben die Forscher. Je Sekunde könnten sie also 25 bis 50 der Steppschritte schaffen - in der Realität beschränken sie sich auf durchschnittlich gut drei Trippler je Wippbewegung.

Für die Vögel sei das Getrippel anders als für das menschliche Auge wahrscheinlich noch wahrnehmbar. Die Auflösungsschwelle liege bei vielen Vogelarten bei 100 Hertz - also weit über den 25 bis 50 Hertz des Finkenstepps.

Der Balztanz der Finken biete damit mit dem Getrippel nicht nur akustische und optische, sondern - über die Vibrationen im Ast - auch spürbare Reize für den Partner, schreibt das Forschertrio, zu dem auch Masayo Soma und Nao Ota von der Hokkaido University in Sapporo (Japan) gehören.

Die Vögel beginnen demnach intensiver zu steppen, wenn der Partner sich auf die selbe Stange setzt. Die Tanzeinlagen seien zudem offenbar auf den Gesang abgestimmt.

Annett Stein, dpa/boj

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