Gefährliche Tierseuche Afrikanische Schweinepest breitet sich weiter aus

Die Afrikanische Schweinepest nimmt weiter zu - vor allem in Osteuropa. Damit wächst die Gefahr, dass das Virus unbemerkt nach Deutschland gelangt. Experten warnen: "Der Mensch ist das zentrale Problem."

Wildschweinjagd in Mecklenburg-Vorpommern
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Wildschweinjagd in Mecklenburg-Vorpommern


Es kann sehr schnell gehen: Die Schweine bekommen hohes Fieber, Durchfall, rote Augen. Sie fressen nichts mehr, wirken teilnahmslos - und sterben am Ende fast immer. Der Auslöser für solche Symptome ist die Afrikanische Schweinepest (ASP), ein gefürchtetes Virus.

Experten warnen weiter vor der Ausbreitung der Krankheit - offenbar gelingt es Europa nicht, die Seuche einzudämmen. Bis Ende August sind mit mehr als 4800 Seuchenfällen bei Wildschweinen und in Hauschweinbeständen bereits rund 700 mehr als im gesamten Vorjahr gemeldet worden. Als besonders kritisch wird die Lage in Rumänien eingeschätzt, wo die Afrikanische Schweinepest vor allem im Donaudelta in einer Vielzahl von Kleinhaltungen aufgetreten ist und sich dort nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auch stark ausbreitet.

Mit der Zunahme der Nachweise in Osteuropa wächst auch die Gefahr für Deutschland. "In Europa hat sich die Zahl der betroffenen Länder und in diesen Ländern auch die Zahl der betroffenen Regionen erhöht", sagte der Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Professor Franz Conraths, auf der Insel Riems. "Wir erleben das Gegenteil einer Entspannung." Die Gefahr, dass der Erreger nach Deutschland eingeschleppt wird, sei weiter gestiegen.

Der Mensch gilt als größter Risikofaktor, wenn er kontaminierte Lebensmittel einführt und beispielsweise auf Parkplätzen Speisereste entsorgt. Das Virus stellt nur für Schweine eine tödliche Gefahr dar. Für den Menschen hingegen ist der Erreger ungefährlich, sie können kontaminiertes Fleisch gefahrlos essen.

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"Satellitenausbrüche wie in Tschechien, um Warschau oder in der Region Kaliningrad und den südlich an sie grenzenden Gebieten in Polen lassen vermuten, dass der Erreger nicht über Wildschweine, sondern durch menschliches Handeln verschleppt wurde", erklärte Conraths.

Betroffen von der ASP sind inzwischen acht osteuropäische Staaten sowie Russland. Die Seuchenfälle aus Russland gehen nicht in die europäische Statistik ein. Im August wurden zudem erste Ausbrüche in Schweinehaltungen in China gemeldet. Aufgrund von Virusvergleichen gehen die Forscher davon aus, dass der Erreger von Russland aus nach China eingeschleppt wurde, wahrscheinlich über Tiertransporte.

Da es keinen Impfstoff gegen die Seuche gebe, müssten die klassischen Bekämpfungsmethoden wie die Einrichtung von Sperrgebieten, die Tötung infizierter Bestände sowie die gezielte Jagd auf Wildschweine greifen, sagte Conraths. Gerade in Rumänien mit seiner Kultur der Gastfreundschaft in den Dörfern und dem dort üblichen Verschenken von Wurst und Fleisch nach Hausschlachtungen an Familienmitglieder oder Freunde sei die Bekämpfung schwierig. Entgegen der EU-Regularien würden dort zudem offenbar Speisereste, die kontaminiert sein könnten, an Schweine verfüttert.

Eckdaten zur Afrikanischen Schweinepest
Erreger
Afrikanisches Schweinepest-Virus
Befällt
ausschließlich Haus- und Wildschweine, ungefährlich für Mensch und andere Tiere
Symptome
hohes Fieber, Hautrötungen, Erbrechen, Durchfall, Augenausfluss, unkoordinierte Bewegungen, plötzlicher Tod
Übertragung
Direkter Kontakt zwischen kranken und gesunden Tieren. Indirekt über die Fütterung von Abfällen mit infiziertem Schweinefleisch oder über Lederzecken, die von infizierten Tieren oder von anderen Infektionsträgern auf das Tier übergehen.
Virusquellen
Blut, Gewebe, Sekrete und Exkrete von kranken oder toten Tieren, infizierte Lederzecken, ASP bleibt in Schweinekot für sechs bis zehn Tage, in Schweinefleischprodukten über einige Monate und in gefrorenem Fleisch über Jahre.
Verlauf
Dauer von Infektionszeitpunkt bis zum Ausbruch der Krankheit sind drei bis 15 Tage. Im Falle einer akuten Verlaufsform drei bis vier Tage.
Bekämpfung
Es gibt keine Therapie. Aus diesem Grund sind Maßnahmen der Biosicherheit nötig. Diese umfassen die Vermeidung der Fütterung von Küchenabfällen, fest zugeordnete Kleidung, Quarantänezeiten für neue Tiere sowie die räumliche Trennung von unterschiedlichen Tiergruppen.

In Tschechien wurden seit April 2018 dank einer rigiden Bekämpfung keine neuen Fälle mehr gemeldet. "Tschechien ist bisher die positive Ausnahme in Europa", sagte Conraths. Das Vorgehen dort gelte als "Blaupause für Deutschland", sollte die ASP hier auftreten. Obwohl es seit vier Monaten keine neuen Nachweise gebe, sei es für eine Entwarnung in Tschechien allerdings noch zu früh, erklärte der Tiermediziner. "Der Erreger kann sich sehr lange, das heißt über mehrere Wochen und Monate, in der Umwelt halten." In der Region um Zlin - rund 300 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt - wurde die Seuche im Juni 2017 erstmals bei Wildschweinen nachgewiesen.

Um nach einem möglichen Eintrag eine Ausbreitung in Deutschland zu verhindern, sind die Jäger aufgefordert, Wildschweine verstärkt zu bejagen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) geht davon aus, dass in der letzten Jagdsaison 2017/2018 deutlich mehr Wildschweine zur Strecke gebracht wurden als in der Vorsaison mit etwa 590.000 Abschüssen. "Der Forderung der Politik sind wir nachgekommen", sagte Vizesprecherin Anna Martinsohn. Umweltschützer sehen die Maßnahme allerdings kritisch.

Nach Einschätzung des DJV könnten die Abschussraten noch gesteigert werden, wenn Landwirte in Maisfeldern mehr Bejagungsschneisen anlegen würden. Landwirte beklagen dafür aber einen hohen bürokratischen Aufwand.

"Der Mensch ist das zentrale Problem"

Die Experten des FLI sehen Deutschland inzwischen gut vorbereitet auf einen möglichen Ausbruch. Die Öffentlichkeit sei sensibilisiert, Notfallpläne seien in Zusammenarbeit von Bund und Ländern erstellt, sagte Conraths. Von einem Wildschweinzaun an den Grenzen zu Polen und Tschechien - wie ihn Dänemark zum Schutz vor der Einschleppung an der Grenze zu Deutschland plant - hält der Fachmann nichts. "Der Mensch ist das zentrale Problem."

Bei der Entwicklung eines wirksamen Köderimpfstoffs gegen die Seuche ist bislang kein Durchbruch erkennbar. Das Virus sei sehr komplex und nicht vergleichbar mit dem Erreger der klassischen Schweinepest, die mit Köderimpfungen von Wildschweinen bekämpft wird. "Der derzeitige Stand der Forschung gibt keinen Anlass zur Annahme, dass wir in den nächsten Jahren einen wirksamen Impfstoff haben werden", so Conraths.

joe/dpa

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Jo-achten-van-Haag 29.08.2018
1. Umweltschützer
handeln meist emotional ohne erst einmal nachzudenken und sind selten zu belehren. Zur Ehrenrettung muß gesagt werden sie sind nötig und angebracht. Es sollte aber mit Sachverstand gehandelt und argumentiert werden. Naja wenn dann auch noch das Töten von Tieren ins Spiel kommt drehen viele am Rad. Es ist richtig der Mensch ist das zentrale Problem. Aber deswegen garnichts tun? Wildschweine sind ja so süß anzusehen wie sie den Park verwüsten, morgens in den Vororten bei Rot die Straße überqueren und sich an Nachbars Auto schubbern. Die, die nicht betroffen sind und das ist das gro, schreien am lautesten und sind auf jeden Fall dagegen. Bis es sie dann mal trifft. Dann wird der Paulus wieder zum Saulus. Aber sowas von.
Tevje 29.08.2018
2. Die Bejagung von Wildschweinen
im Zusammenhang mit der ASP-Prävention ist und bleibt Flickwerk. Der verbreitende Faktor ist und bleibt der Mensch, und zwar der Mensch, der im Bereich der modernen Schweinehaltung arbeitet oder mit der Futterherstellung und -lieferung zu tun hat. Alle Tätigkeiten in diesem Zusammenhang sind geeignet, das Virus in fremde Bestände einzuschleppen, auch über große Entfernungen. Dort muss die Lösung gesucht werden und müssen Gefahrenquellen erkannt und abgestellt werden, auch wenn es unbequem ist und Geld kostet. Industrielle Anlagen, die mehr als 100.000 Tiere in einer Anlage halten sind keine bäuerlichen Betriebe mehr, sondern industrielle Fleischerzeugungsanlagen - sie müssen auch industrielle Standards bei der Sicherung ihrer Anlagen anwenden. Der europäische Verbraucher kann das Verlangen und die Landwirtschaftsminister und andere zuständige Ressorts müssen das durchverfolgen. Es ist wenig hilfreich, wenn die Presse immer wieder die Würfe von Nebelkerzen verfolgt und publik macht und dabei die eigentlichen Gefahren nur in Nebensätzen abhandelt - schon das Einstellen von Bildern erlegter Wildschweine (wann und wo erlegt, von wem?) oder Stellungnahmen des DJV lenkt von den Verursachern ab. Bejagungsschneisen in Getreideäckern von Dutzenden Ha Größe sind zu bürokratisch? Eine Bejagungsschneise ist ein Streifen von der Breite einer landwirtschaftlichen Maschine, also wenigen Metern, der eine Anbaufläche durchzieht, oder ein sg. Krähenfuß, ein Punkt von dem aus solche Schneisen in verschiedene Richtungen abgehen. Was, bitte, soll daran bürokratisch sein? Das ist der freie Wille des Landwirts, nichts sonst.
berthold.moeller 29.08.2018
3. Erreger gefahrlos Essen?
Wir sollten keine Panik verbreiten. Aber gefahrlos Essen darf nicht dazu führen, dass wir das Fleisch einfach bedenkenlos essen. Ganz im Gegenteil. Wenn der Erreger muttiert, wird es gefährlich und da das Schwein dem Menschen sehr nahe steht (biologisch und räumlich) ist Vorsicht in jedem Fall richtig und wichtig.
mesel 29.08.2018
4. "Der Mensch ist das zentrale Problem"
Würden wir den Fleischkonsum verringern, würde sich das Problem von selbst erledigen. Kein Schweinefleisch, kein "Füttern" der WIldschweine, somit keine Ausbreitung dieser Pest. Das würde das Leben vieler WIld- und Hausschweine retten.
Simmentaler 29.08.2018
5. @tevje, Beitrag 2
Ihre Forderungen zur Betriebshygiene etc. sind schon lange gängige Praxis (z.B. Hier schön aufgelistet: https://www.google.com/url?q=https://www.ostalbkreis.de/sixcms/media.php/26/Merkblatt-Schweinehaltungshygieneverordnung.pdf&sa=U&ved=0ahUKEwjh5YHBrJLdAhVJBcAKHQmfAwgQFggcMAg&usg=AOvVaw2EW_ViaNCRU6Ki_tID521Z). Das wird seit Jahren überwacht und funktioniert effektiv. Unser Hauptproblem ist der Handelsvertrag mit China: Darin ist von Freiheit Deutschlands bzgl. ASP die Rede und nicht von Freiheit der Hausschweinepopulation. Mit dem ersten befallenen Wildschwein kann China uns die Tür zumachen - und die Chinesen nehmen derzeit vor allem bei uns ungeliebte Stücke wie Füße ab. Derzeit eine win-win -Situation.
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