Afrikanische Schweinepest Regierung will Schonzeit für Wildschweine aufheben

Eigentlich gilt für Wildschweine momentan eine Schonzeit. Doch die Bundesregierung will wegen der näher rückenden Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest nun die Jagd ausweiten.

Wildschwein in Brandenburg (Archiv)
DPA

Wildschwein in Brandenburg (Archiv)


Die Bundesregierung verschärft die Vorkehrungen gegen eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland. Dafür soll unter anderem die Schonzeit für das Jagen von Wildschweinen aufgehoben werden.

Das sieht eine vom Kabinett beschlossene Verordnung vor. Bisher ist die Jagd auf Schwarzwild nur von Mitte Juni bis Ende Januar erlaubt - für jüngere Tiere bis zwei Jahre aber schon ganzjährig. Der Deutsche Jagdverband teilte mit, es seien auch in einschlägigen Landesregelungen kaum noch Schonzeiten vorgesehen. Die Tiere gelten als mögliche Überträger des Erregers.

Zudem werden mehrere Vorschriften für den Fall eines Ausbruchs der Tierseuche in nationales Recht umgesetzt, etwa zur Desinfektion von Fahrzeugen. Der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen.

"Effizientes Instrumentarium"

Die Tierseuche, die Haus- und Wildschweine befällt, breitet sich seit einigen Jahren über Russland und das Baltikum Richtung Westeuropa aus. Für Menschen ist das Virus nicht ansteckend. Bei Haus- und Wildschweinen verläuft eine Infektion fast immer tödlich. Einen Impfstoff gibt es nicht.

Eckdaten zur Afrikanischen Schweinepest
Erreger
Afrikanisches Schweinepest-Virus
Befällt
ausschließlich Haus- und Wildschweine, ungefährlich für Mensch und andere Tiere
Symptome
hohes Fieber, Hautrötungen, Erbrechen, Durchfall, Augenausfluss, unkoordinierte Bewegungen, plötzlicher Tod
Übertragung
Direkter Kontakt zwischen kranken und gesunden Tieren. Indirekt über die Fütterung von Abfällen mit infiziertem Schweinefleisch oder über Lederzecken, die von infizierten Tieren oder von anderen Infektionsträgern auf das Tier übergehen.
Virusquellen
Blut, Gewebe, Sekrete und Exkrete von kranken oder toten Tieren, infizierte Lederzecken, ASP bleibt in Schweinekot für sechs bis zehn Tage, in Schweinefleischprodukten über einige Monate und in gefrorenem Fleisch über Jahre.
Verlauf
Dauer von Infektionszeitpunkt bis zum Ausbruch der Krankheit sind drei bis 15 Tage. Im Falle einer akuten Verlaufsform drei bis vier Tage.
Bekämpfung
Es gibt keine Therapie. Aus diesem Grund sind Maßnahmen der Biosicherheit nötig. Diese umfassen die Vermeidung der Fütterung von Küchenabfällen, fest zugeordnete Kleidung, Quarantänezeiten für neue Tiere sowie die räumliche Trennung von unterschiedlichen Tiergruppen.

Beim Befall eines Schweins in einem Betrieb müssten dort alle Tiere getötet werden. Zudem drohen Einschränkungen für den Export von Schweinefleisch, sofern es im Land Infektionsfälle gibt. Die Landwirtschaft fürchtet daher Milliardenschäden und eine Existenzkrise für viele Unternehmen, sollte es die Afrikanische Schweinepest bis nach Deutschland schaffen.

Die Frage ist, ob man ein Einschleppen der Erreger aus Osteuropa überhaupt verhindern kann. Bei den deutschen Behörden herrscht seit längerem erhöhte Wachsamkeit. Mit der Änderung der Verordnung gebe es nun "ein effizientes Instrumentarium, um der Schweinepest wirkungsvoll zu begegnen", sagte der geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) der "Rheinischen Post".

SPIEGEL TV über Afrikanische Schweinepest - Wildschweinjagd in Polen

SPIEGEL TV

Tierschutzaktivisten warnten zuletzt hingegen vor einer Massenjagd auf Wildschweine - vorrangig seien es Menschen, die die Ausbreitung vorantrieben. Einer Studie des Löffler-Institutes aus dem vergangenen Sommer zufolge hat sich die "Reduzierung der Population durch verstärkte Bejagung" bis dahin als wenig erfolgreich im Kampf gegen die Seuche erwiesen.

brt/dpa/AFP

insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
erzengel1987 21.02.2018
1. Schweinerei
Es ist und bleibt eine riesen Schweinerei... Der Mensch ist bereits mehrfach erwähnt als größter Verbreiter der Seuche in Erscheinung getreten. Bei einem Discounter wird eine Wurst aus dem Osteuropäischen Raum aus rohen Schwein verkauft. Was können da unsere armen Wildschweine dafür, dass sie leben. Ist das auch eine Möglichkeit Seuchen bei Menschen auszubremsen? Keulen wir dann irgendwann Massenhaft Menschen? (Überspitzte Formulierung) Ich glaube man sollte lieber einen Impfstoff gegen die Seuche entwickeln und unseren Wildbestand nicht stärker bejagen.
smartphone 21.02.2018
2. Stadtbejagung
Alles gut und schön - solang aber an Ortsrändern oder mitten in der Stadt keine Sauvertreigung stattfindet. Es kann auch nicht sein, dass die Grundstücksbesitzer auf den Wühlschäden sitzen bleiben ( Stadt muss hohe Bußgelder zahlen !!! ) und man erwartet ,daß jeder in DDR 2.0 Manier per Industriezaun und Selbstschußanlagen wohl gegen die "Schweinepest" aufrüstet . Also . Die Gemeinden müssen Ihre Ortsränder wildschweinsicher verzaunen ...Die Viecher stellen ja auch eine Gefahr für Auto ,Rasen und Kinder etc dar.
ChristianBitburg 21.02.2018
3. Falsche Information zu Schonzeiten im Artikel
Also etwas besser sollte man schon recherchieren! Die Schonzeiten sind länderabhängig geregelt. In den meisten Bundesländern (ich glaube sogar in allen) ist der Abschuss von Frischlingen und Überläufern geschlechtsunabhängig das ganze Jahr über möglich! Lediglich Bachen und Keiler haben hier Schonzeiten. Und die werden wohl jetzt auch aufgehoben. Vermutlich wie beim bisherigen Grundsatz das bei Bachen das nur gilt wenn Sie nicht mehr zum Überleben der Jungtiere notwendig sind.
lobivia 21.02.2018
4.
Zitat von erzengel1987Es ist und bleibt eine riesen Schweinerei... Der Mensch ist bereits mehrfach erwähnt als größter Verbreiter der Seuche in Erscheinung getreten. Bei einem Discounter wird eine Wurst aus dem Osteuropäischen Raum aus rohen Schwein verkauft. Was können da unsere armen Wildschweine dafür, dass sie leben. Ist das auch eine Möglichkeit Seuchen bei Menschen auszubremsen? Keulen wir dann irgendwann Massenhaft Menschen? (Überspitzte Formulierung) Ich glaube man sollte lieber einen Impfstoff gegen die Seuche entwickeln und unseren Wildbestand nicht stärker bejagen.
Wenn Pandemien drohen, hat das für den Menschen Folgen wie Reiseverbote etc. Das ließ sich bei Wildschweinen bislang leider nicht durchsetzen. Die Formulierung ist mehr als überspitzt, sie ist antihumanistisch und lässt vergessen, wo solche Vergleiche ihren historischen Ursprung haben. Daraus ergibt sich eine Geschmacklosigkeit. Abgesehen davon, dass geimpfte Tiere den Erreger weitergeben können.
ratx 21.02.2018
5. falscher Ansatz
eine effektive und verstärkte Bejagung wäre mit technischen Hilfsmitteln möglich. Tierschutz- und waidgerechte Jagd mit Nachtsichtgeräten hilft - ist aber noch verboten. Jagd mit Saufang oder während der Schonzeit ist ethisch nicht vertretbar. Übergreifende, regional organisierte Jagden sind noch zu selten, Fütterung von Schwarzwild noch zu häufig. Die Massenproduktion von Mais zur Energiegewinnung ("Biogas") schafft ein flächig zu großes Angebot an Mastfutter für Wild.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.