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AKW Fukushima: Strahlendes Grundwasser überwindet Barriere

Tanks mit kontaminiertem Wasser am AKW Fukushima: Grundwasserleck besteht weiter Zur Großansicht
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Tanks mit kontaminiertem Wasser am AKW Fukushima: Grundwasserleck besteht weiter

Das havarierte Atomkraftwerk Fukushima bereitet weiterhin massive Probleme: Die Betreiberfirma Tepco bekommt den Austritt von radioaktivem Grundwasser offenbar nicht in den Griff. Zugleich wurde bekannt, dass die ersten modernisierten Reaktoren in Japan bald ans Netz gehen sollen.

Aus dem AKW Fukushima-Daiichi läuft radioaktives Grundwasser ins Meer - das hat Tepco, die Betreiberfirma des im März 2011 havarierten Kernkraftwerks, erst Ende Juli eingeräumt. Nun wird klar, dass die Gegenmaßnahmen offenbar nur begrenzt erfolgreich sind. Tepco hat nach eigenen Angaben "chemische Mauern" ins Erdreich gespritzt, die sich dort zu einer Sperre verhärten sollten. Doch wie das Unternehmen jetzt mitteilte, strömt das Wasser um die Mauer herum ins Meer.

Messungen hatten zuvor eine erhöhte Konzentration der radioaktiven Isotope Cäsium-134 und Cäsium-137 im Grundwasser unweit des Reaktors ergeben. Schuld könnte eine undichte Stelle am Reaktor sein. Im Juni hatte Tepco noch beteuert, das Grundwasser um das Kraftwerk sei durch Stahlböden und das Betonfundament geschützt.

Tepco hatte zuvor angegeben, auf das Grundwasserproblem mit Verzögerung reagiert zu haben, weil die Kühlung der noch immer heißen Reaktoren wichtiger gewesen sei. Welche Gefahr von den Meilern noch immer ausgeht, wurde Mitte Juli deutlich, als sich eine Dampfwolke über Reaktor 3 bildete.

Modernisierte Reaktoren sollen ans Netz gehen

Zugleich teilte eine japanische Behörde mit, dass die ersten modernisierten Reaktoren wieder ans Netz gehen könnten. Nach Überprüfung und Aufrüstung gemäß den neuen Sicherheitsstandards sei mit einem Wiederanfahren der Kraftwerke im Juli 2014 zu rechnen, erklärte Japans Institut für Energiewirtschaft am Dienstag.

Allerdings würden bis zum Frühjahr 2015 wohl nur vier der insgesamt 50 AKW-Blöcke wieder Strom produzieren. Damit bleibt Japan auf lange Zeit weiter vom Import von Kohle und Gas abhängig, um den Strombedarf zu decken.

Derzeit laufen zwei Reaktoren, die aber im September zur Modernisierung abgeschaltet werden, so dass Japan dann bis Juli ohne Atomstrom auskommen muss. Vor der Fukushima-Katastrophe erzeugte das Land ein Drittel seiner Elektrizität mit Atomkraft. Nachdem zunächst ein völliger Verzicht auf die Technik erwogen wurde, hat sich die neue Regierung zur Weiternutzung entschieden.

Parallel zum Wiedereinstieg in die Atomkraft treibt Japan auch den Ausbau von Wind- und vor allem Solarenergie nach einem ähnlichen System wie in Deutschland voran. Analysten erwarten, dass Japan 2013 zum weltgrößten Markt für Solaranlagen wird. Allerdings kann in den nächsten Jahren damit der Ausfall der Atomkraft nicht annähernd ausgeglichen werden.

mbe/AP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 177 Beiträge
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1. Dicht kriegen ...
JaguarCat 06.08.2013
Mit anderen Worten: Auf der einen Seite läuft Grundwasser rein und auf der anderen Seite läuft es mit Cäsium angereichert wieder raus. Und weil die Radioaktivität weiterhin so hoch ist, dass die relevanten Stellen für Menschen komplett unzugänglich sind, kommt man mit den Aufräumarbeiten auch nicht wirklich voran. Und so gilt die alte Erfahrung, dass, wenn das Wasser erstmal einen Weg gefunden hat, sich dieser Weg in Zukunft immer weiter verbreitert.
2. Und wen stört's?
ostap 06.08.2013
Zitat von JaguarCatMit anderen Worten: Auf der einen Seite läuft Grundwasser rein und auf der anderen Seite läuft es mit Cäsium angereichert wieder raus. Und weil die Radioaktivität weiterhin so hoch ist, dass die relevanten Stellen für Menschen komplett unzugänglich sind, kommt man mit den Aufräumarbeiten auch nicht wirklich voran. Und so gilt die alte Erfahrung, dass, wenn das Wasser erstmal einen Weg gefunden hat, sich dieser Weg in Zukunft immer weiter verbreitert.
Es ist doch alles in bester Ordnung. Jetzt kann man wenigstens lernen, wie das beim nächsten Mal aussieht, wenn die Schrottreaktoren ab nächstes Jahr wieder ans Netz gehen.
3. Naja
Hannovergenuss 06.08.2013
Über die weiße Wolke als Beweis der Gefahr kann man folgendes lesen: uly 2013 Progress and Incidents 1) Whitish cloud causes full alert During clean-up work on the unit 3 upper level a contract worker observed a mysterious small whitish cloud at the border of the shiel plug and took a picture showing a small hardly discernible whitish cloud. We remember: .... Quelle: http://www.tec-sim.de
4. Apropos
johnnybongounddie5goblins 06.08.2013
Wo blieb eigentlich die Riesenkatastrophe in Fukushima, von der SpOn berichtet hat? Angeblich ist kein einziger durch Radioaktivität gestorben. Da ist ja ein Durchschnittstag auf deutschen Autobahnen tödlicher als ein "Super-GAU".
5. Warum
Ze4 06.08.2013
Zitat von johnnybongounddie5goblinsWo blieb eigentlich die Riesenkatastrophe in Fukushima, von der SpOn berichtet hat? Angeblich ist kein einziger durch Radioaktivität gestorben. Da ist ja ein Durchschnittstag auf deutschen Autobahnen tödlicher als ein "Super-GAU".
verbreiten sie regelmäßig diese Lüge? Über die Fukushima-Toten können Sie sich mithilfe jeder Suchmaschine informieren. Ansonsten sind Strahlenschäden eine überaus langwierige Angelegenheit, an Fukushima werden in 100 Jahren noch Menschen sterben, genau wie heute noch an Tschernobyl.
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Fukushima: Die Krux mit dem Wasser

Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.


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