AKW-Katastrophe Fukushima-Spuren erreichen Europa

Die Angst vor radioaktiver Verseuchung wächst - auch in Europa. Kleine Mengen strahlender Partikel aus dem AKW Fukushima werden jetzt über Deutschland und Frankreich erwartet, Lebensmittel aus Japan sollen stärker kontrolliert werden. Experten warnen jedoch vor übertriebener Angst.

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MeteoSchweiz

Paris/Hamburg - Vor zwölf Tagen nahm die Atomkatastrophe in Japan ihren Lauf - inzwischen sind die radioaktiven Partikel aus dem AKW Fukushima-Daiichi um die halbe Welt gereist. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rechnete jetzt damit, dass Luftströme die ersten Teilchen noch am Mittwoch nach Mitteleuropa bringen. Das französische Institut für Schutz vor Radioaktivität und Nukleare Sicherheit (IRSN) zeigt eine Animation über die Ausbreitung der Partikel.

Allerdings erwarten die Experten nur eine sehr niedrige Radioaktivität. "Sie wird um ein Vielfaches geringer sein als die natürliche Strahlung in Deutschland", sagte BfS-Mitarbeiterin Anja Schulte-Lutz. "Es ist keine Gesundheitsgefahr zu befürchten." Die natürliche Radioaktivität kommt durch kosmische Strahlung und Radionuklide im Erdboden zustande. In Deutschland beträgt die jährliche Durchschnittsdosis 2,1 Millisievert. Je nach Region kann sie allerdings zwischen einem und fünf Millisievert pro Jahr schwanken: In Norddeutschland ist die Belastung eher geringer, in Mittelgebirgen meist höher.

Erich Wirth, Leiter der BfS-Messstation Schauinsland, sagte dem MDR, in den vergangenen Tagen sei sowohl in Kalifornien als auch in Island eine erhöhte radioaktive Strahlung gemessen worden. "Und von da ist es nicht mehr weit bis Mitteleuropa." Doch auch Wirth sagte, dass die in Deutschland ankommende Radioaktivität "sehr, sehr niedrig" sein wird. Eine BfS-Sprecherin sagte, Strahlenschutzmaßnahmen seien in Deutschland nicht erforderlich. Auch von der vorsorglichen Einnahme von Jodtabletten wird ausdrücklich abgeraten. "Selbst im schlimmsten Falle wird die Luftbelastung in Deutschland nicht gesundheitsschädlich sein", hieß es.

Die Messgeräte des BfS können selbst kleinste Aktivitäten von Tausendstel Becquerel feststellen. Die Station auf dem Berg Schauinsland bei Freiburg werde zunächst sehr geringe Konzentrationen an Xenon-133 und Jod-131 aus Japan erfassen. Das sei nur möglich, weil das BfS auf dem Schauinsland eine von weltweit 60 Messstationen zur Überwachung des Kernwaffenteststopp-Abkommens betreibe. "Sie sind darauf ausgelegt, selbst geringste Konzentrationen in der Atmosphäre aufzuspüren", so das Bundesamt, das seine aktuellen Messwerte im Internet veröffentlicht.

Behörden ergreifen Schutzmaßnahmen

Trotz allem treffen die Behörden Vorsorge. So kontrolliert das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Waren, die Deutschland auf dem Luft- oder Seeweg erreichen. "Diese Kontrollen wurden seit letzter Woche im gesamten EU-Raum verstärkt", erklärte ein Sprecher des BVL. Die Europäische Kommission hatte den EU-Mitgliedstaaten empfohlen, die radioaktive Belastung von Lebens- und Futtermitteln aus Japan zu untersuchen. Vor allem bei Fisch und Fischerzeugnissen soll die Strahlenbelastung überprüft werden.

Verbraucherministerin Ilse Aigner erklärte, dass "die deutschen Behörden sehr wachsam bleiben, vor allem was mögliche Importe aus der Krisenregion betrifft". Deren Umfang sei jedoch äußerst gering. Japan sei ein Importland, deshalb kämen von dort generell nur sehr wenig Nahrungsmittel nach Deutschland. Nach Angaben aus Aigners Ministerium beträgt der Importanteil von Lebensmitteln aus Japan nur 0,1 Prozent. Zudem sei durch das schwere Erdbeben, den verheerenden Tsunami und die Reaktorkatastrophe der Handel mit Japan praktisch zum Erliegen gekommen, sagte die Ministerin. Angesichts der Notlage werde Japan die heimischen Waren vorrangig an die eigenen Bürger abgeben.

Japans Regierung hat die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus zwei Präfekturen im Umkreis des havarierten Atomkraftwerks bereits untersagt. Ministerpräsident Naoto Kan ordnete einen Lieferstopp für Brokkoli und das Gemüse Komatsuna aus der Region Fukushima sowie für Rohmilch und Petersilie aus der Präfektur Ibaraki an, wie die Nachrichtenagentur Jiji berichtete.

An den deutschen Flughäfen ist die Lage bisher entspannt. Am Frankfurter Airport, dem wichtigsten Drehkreuz für Maschinen aus Japan, hat das hessische Umweltministerium eine Messstelle eingerichtet. Hier können sich ankommende Passagiere freiwillig auf Strahlung testen lassen. Eine übermäßige Sorge der Reisenden zeichne sich allerdings nicht ab. "Die Menge an Leuten, die diese Messung in Anspruch nahmen, war bislang verschwindend gering", sagte Flughafensprecher Thomas Uber. "Und alle Messungen waren negativ."

Entwarnung auch in Frankreich

Auch in Frankreich verfolgen Behörden und Bürger mit steigender Aufmerksamkeit die Meldungen über die radioaktiven Partikel aus Japan. Im Lauf des Mittwochs, spätestens aber am Donnerstag dürften die ersten Strahlungsspuren den Norden Frankreichs erreichen.

Die Bevölkerung ist seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl sensibilisiert: 1986 hatte die Regierung in Paris lange den Eindruck vermittelt, die strahlenden Wolken hätten vor den Landesgrenzen halt gemacht. Diesmal wird detailliert über das Vorrücken der Radioaktivität berichtet - freilich stets mit dem Hinweis, dass für die Bevölkerung kein Risiko besteht.

Das betont nicht nur die staatliche Behörde für Nukleare Sicherheit (ASN), sondern auch die Unabhängige Forschungs- und Informationskommission über Radioaktivität (CRIIRAD). "Die Gefahr einer Verstrahlung durch verschmutzte Luftmassen wird zu vernachlässigen sein", so die Einschätzung der Fachleute. Auch ASN-Vertreter Michel Bourguignon hält Vorsichtsmaßnahmen nicht für nötig.

Der Grund für den amtlichen Optimismus ist die große Entfernung zwischen Japan und Europa. 15.000 Kilometer müssen die Luftmassen über den Pazifik, Amerika und den Atlantik zurücklegen, ehe sie vom Unglücks-AKW Fukushima bis nach Europa gelangt sind. Doch selbst in den USA, über die die Wolke bereits hinweggezogen ist, sei die Bevölkerung nicht alarmiert worden. Die ASN-Experten sind nicht einmal sicher, ob sich die Partikel in der Luft oder Regen überhaupt mit dem Netz der landesweiten Detektoren werden erfassen lassen.

Frankreichs Überwachungssystem für zivile Atomanlagen, betrieben vom IRSN, gestattet die Messung von erhöhter Strahlung in Echtzeit. Das gilt für Luft und Wasser sowie für Tests von möglicherweise belasteten Lebensmitteln. Angesichts der Messungen des "Téleray"-Netzes, die im Internet verfügbar sind, spricht aber auch das IRSN von keinem wahrnehmbaren Risiko.

In Japan allerdings sieht das gänzlich anders aus. "Die radioaktiven Rückstände sind und werden beachtlich sein", sagt ASN-Präsident André-Claude Lacoste. "Man muss davon ausgehen, dass Japan auf Jahrzehnte mit diesen Verunreinigungen wird umgehen müssen."

Mit Material von AFP, dpa und Reuters

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Berta, 23.03.2011
1. Eine Frage
Zitat von sysopDie Angst vor*radioaktiver Verseuchung wächst*- auch in Europa. Kleine Mengen strahlender Partikel aus dem AKW-Fukushima werden jetzt über Deutschland und Frankreich erwartet,*Lebensmittel aus Japan sollen stärker kontrolliert werden. Experten warnen jedoch vor übertriebener Angst. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,752780,00.html
wie lange wird da aggressive Strahlung abgegeben?
forumgehts? 23.03.2011
2. Berichtigung
Zitat von sysopDie Angst vor*radioaktiver Verseuchung wächst*- auch in Europa. Kleine Mengen strahlender Partikel aus dem AKW-Fukushima werden jetzt über Deutschland und Frankreich erwartet,*Lebensmittel aus Japan sollen stärker kontrolliert werden. Experten warnen jedoch vor übertriebener Angst. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,752780,00.html
In Frankreich auf gar keinen Fall. Das wird Sarko zu verhindern wissen. Und in D erst nach den Wahlen.
gorge11, 23.03.2011
3. Pipeline, und :
Zitat von sysopDie Angst vor*radioaktiver Verseuchung wächst*- auch in Europa. Kleine Mengen strahlender Partikel aus dem AKW-Fukushima werden jetzt über Deutschland und Frankreich erwartet,*Lebensmittel aus Japan sollen stärker kontrolliert werden. Experten warnen jedoch vor übertriebener Angst. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,752780,00.html
Es handelt sich um eine Pipeline. Die Radionukleide sind Tage alt. Mehr sind unterwegs. Per wind. Sie werden nicht nach nur ihrer jeweiligen Stärke hier auftreffen, sondern sie werden sich summieren. Dazu kommt, dass sich in dem Katastrophengebiet Unmengen von Wertstoffen befinden, mit umgebenden Stäuben. Alu,Stahl,Kupfer usw. Wird man sie im Meer vesenken? Oder nach China/Indien verschiffen, wo sie wieder aufbereitet aber nicht gesäubert werden, und dahin gelangen, wo nicht kontrolliert wird. Und die Kontrolle kostet. Fehlt der Glaube, Kostprobe hier: http://weser-ems.business-on.de/funde-von-radioaktiv-kontaminiertem-edelstahl-in-niedersachsen_id984.html
semper fi, 23.03.2011
4. -
Zitat von sysopDie Angst vor*radioaktiver Verseuchung wächst*- auch in Europa. Kleine Mengen strahlender Partikel aus dem AKW-Fukushima werden jetzt über Deutschland und Frankreich erwartet,*Lebensmittel aus Japan sollen stärker kontrolliert werden. Experten warnen jedoch vor übertriebener Angst. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,752780,00.html
Korrekterweise hätte es heissen müssen: Die Angst wächst ... in Deutschland. Ich bin jetzt gespannt, wann die ersten Aufrufe zur Rekaktivierung der alten Atombunker kommen.
mitbürger 23.03.2011
5. Zeit der Beschwichtiger
Herr Röttgen hat uns doch versprochen, dass nichts zu uns rüberkommt, wegen der Westwinde. Weiß er nicht, dass die Erde eine Kugel ist?
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