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Alaska: Eisschmelze zwingt Walrosse an Land

Das Eis reicht nicht mehr: Im Nordwesten von Alaska sind Zehntausende Walrosse an Land gegangen. Satellitenmessungen zeigen, dass die Eisflächen der Arktis in diesem Jahr wieder stark geschrumpft sind. Jetzt fürchten Biologen, dass sich die schweren Tiere gegenseitig erdrücken könnten.

Walrosse in der Arktis: Gedränge an Land Fotos
AP

Washington - Ihr Lebensraum ist das Eis. Weil dieses im Laufe des Sommers aber immer mehr geschrumpft ist, sind im Nordwesten Alaskas Zehntausende Walrosse an Land gegangen. Ein solcher Schritt in dieser Größenordnung ist nach Angaben von Regierungswissenschaftlern in den USA ungewöhnlich, er kam aber bereits mindestens zweimal vor: 2007 und 2009. Auch in jenen Jahren war das Eis, wo die Tiere normalerweise leben, so weit zurückgegangen wie kaum jemals zuvor.

Die Walrosse lägen in der Nähe von Point Lay über eine Meile (1,6 Kilometer) oder mehr Schulter an Schulter, erklärte der Biologe Anthony Fischbach vom Geologischen Dienst. Die amerikanische Behörde US Geological Survey schätzt die Zahl der Riesensäuger, die derzeit Strände am Nordpolarmeer und an der Beringstraße bevölkern, auf wenigstens 10.000 bis 20.000.

Zu den Orten, die von der Invasion betroffen sind, gehört das 234-Einwohner-Dorf Point Lay. "Ich lebe jetzt schon 37 Jahre hier. Aber so etwas habe ich noch nicht gesehen", sagte der Chef der örtlichen Feuerwehr, Bill Tracey, der Zeitung "Alaska Dispatch".

Das Pazifische Walross (Odobenus rosmarus divergens) sucht seine Nahrung - Kleintiere wie Muscheln, Schnecken und Krebse - auf dem Meeresboden. Es taucht bis zu 250 Meter tief und nimmt bis zu 50 Kilo am Tag zu sich. Zum Verdauen ruhen sich die Kolosse anschließend auf Eisschollen aus - zumindest taten sie das in der Vergangenheit.

Eisfläche im Sommer immer kleiner

Experten befürchten, dass sich die etwa eine Tonne schweren Tiere an Land gegenseitig erdrücken könnten, sollten sie in Panik geraten. Die US-Wildtierbehörde bemüht sich deshalb um eine Verlegung von Flugrouten, um das Entstehen von Panik zu verhindern.

Wie lange die Walrosse an Land ausharren werden, ist nicht bekannt. Genügend Nahrung für alle dürfte nach Einschätzung Fischbachs vorhanden sein. Mark Serreze, der Direktor des nationalen Datenzentrums für Schnee und Eis in Boulder, Colorado, sagte, das Eis gehe seit langem zurück. Dies hänge mit dem Klimawandel zusammen. "Wir werden vermutlich häufiger solche Sommer erleben. Es gibt kein Zeichen für eine Erholung der Arktis."

Satellitenmessungen zeigen, dass das Meereis rund um den Nordpol bereits im vierten Jahr in Folge stark geschrumpft ist. Die Ausdehnung der Eisfläche wird 2010 eine der geringsten Ausdehnungen seit Beginn der Messungen erreichen. Die Fläche werde im September im Mittel 4,9 Millionen Quadratkilometer groß sein, teilten Experten des KlimaCampus der Universität Hamburg und des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung am Montag mit.

hda/dapd/dpa

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