Wunderschöne Gasblasen Eingeschlossen im Eis

Im Eis Alaskas befinden sich Gasblasen. Wissenschaftler untersuchen deren mögliche Folgen für die Klimaerwärmung - der Fotograf Ryota Kajita hingegen will die Schönheit ihrer Muster festhalten.

Ryota Kajita

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Hunderte kleine Blasen verschiedener Größe, wie weiße Farbspitzer auf einer Leinwand: Diese eleganten Kompositionen sind nicht das Werk eines Künstlers, sondern in gefrorenen Seen, Teichen und Flüssen in Alaska zu finden.

Als der Fotograf Ryota Kajita vor acht Jahren mit seiner Frau spazieren ging, entdeckte er solch eine Eisformation und war fasziniert davon: "Sie war so geheimnisvoll, aber auch zart und vergänglich zugleich", sagt er.

Seitdem reist er durch das Land und hält die wundersamen Muster mit der Kamera fest. Der gebürtige Japaner verließ vor vielen Jahren seine Heimat, um in Fairbanks zu studieren - und verliebte sich in die eisigen Welten des riesigen Bundesstaates Alaska.

Jeden Oktober, wenn die Temperaturen sinken, macht er sich nun auf die Suche nach den Blasen, denn nur wenige Wochen im Jahr ist es möglich, sie zu finden: "Der Zeitraum ist sehr kurz: Wenn es zu früh ist, ist das Eis noch zu dünn und ich könnte ins eiskalte Wasser fallen. Wenn jedoch Schnee fällt, bedeckt er alle Eisflächen."

Die Eisformationen sind zwischen 25 und 125 Zentimetern groß, sie treten nicht in allen Gewässern auf, so Kajita. "Bevorzugt bilden sie sich an bestimmten Orten, wie Teichen in der Tundra und in kleinen Flussarmen." Es sei wie eine Schatzsuche für ihn, sie zu finden: "Das Herumwandern erinnert mich an meine Kindheit. Ich bin nach der Schule immer in den Wald gerannt, um meine Nachbarschaft zu erkunden."

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Hunderte Blasen: Kleine Kunstwerke

Eingeschlossene Gasblasen aus Methan oder Kohlendioxid bilden die Muster: Weil die gefrorenen Seeböden, auch Permafrostböden genannt, auftauen, drängen diese Gase nach oben an die Wasseroberfläche - werden aber unter dem Eis eingeschlossen. Sie lassen dann einzigartige geometrische Muster auf der Oberfläche entstehen.

Da Methangas als eine der Ursachen des Treibhauseffekts betrachtet wird, erforschen Wissenschaftler in Alaska die Bedeutung der gefrorenen Blasen in Bezug auf den globalen Klimawandel. Durch das beschleunigte Auftauen des Bodens in den nördlichen Regionen der Erde wird - sobald das Eis an der Oberfläche verschwunden ist - Methan in die Atmosphäre freigesetzt und dadurch die Erde erwärmt. Auf diese fatalen Folgen für die Umwelt geht Kajita nicht ein, ihn interessiert nur die Schönheit dieser Muster - und wie er sie bestmöglich festhalten kann.

Er nutzt eine Mittelformatkamera beim Fotografieren, aber kein Stativ - es würde zu lange Schatten werfen, da die Sonne im Herbst in Alaska recht niedrig steht. Den Apparat hält er mit der Hand vor sich, parallel zum Untergrund, während er versucht, gut auf dem Eis zu stehen. "Sobald ich den Auslöser drücke, bin ich sehr nervös."

Jede gefrorene Blasenbildung sei anders, einzigartig und überrasche ihn, sagt Kajita. "Ich will diese vergänglichen und kleinen Kreationen mit anderen teilen." Die Menschen sollen sich die Zeit nehmen, sie zu beobachten und darin die Schönheit der Natur zu erkennen.

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