Natürliche Düngung: Algen und Moose speichern große Mengen Stickstoff

Ihr Aufnahmevermögen ist gigantisch: Etwa 50 Millionen Tonnen Stickstoff binden Algen, Moose, Flechten und Pilze pro Jahr weltweit. Der Stickstoff gelangt als Dünger in den Boden und kurbelt so das Wachstum anderer Pflanzen deutlich an.

Wald: Wachstum wird von Algen, Moosen, Flechten und Pilzen angekurbelt Zur Großansicht
dapd

Wald: Wachstum wird von Algen, Moosen, Flechten und Pilzen angekurbelt

Frankfurt am Main/Mainz - Sie wachsen an Baumrinden, auf abgestorbenen Ästen und auf Stein: Flechten, Algen, Moose und Pilze. Deutsche Wissenschaftler haben nun berechnet, wie viel Kohlendioxid und Stickstoff dieser flächige Bewuchs weltweit speichert. Die Kryptogamen, das sind Arten, deren sexuelle Vermehrung ohne Blüte stattfindet, kommen dabei auf verblüffend große Mengen. Sie nehmen jährlich weltweit rund 50 Millionen Tonnen Stickstoff auf, haben Forscher des Frankfurter Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums, des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie und der Technischen Universität Kaiserslautern berechnet. Das sei die Hälfte des Stickstoffs in der Luft, der an Land gebunden wird.

Hinzu kommen rund 14 Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Die Kohlendioxid-Menge entspreche dem, was pro Jahr weltweit durch Waldbrände und verbrannte Biomasse freigesetzt wird, schreiben die Forscher in der britischen Fachzeitschrift "Nature Geoscience". Den Klimawandel könnten die Kryptogamen auf diese Weise allerdings nicht bremsen, denn der flächige Bewuchs speichere das Treibhausgas Kohlendioxid nur über wenige Jahre hinweg.

Wachstum von Bäumen wird angekurbelt

Indirekt hätten die Organismen trotzdem großen Einfluss auf das Klima, teilte das Frankfurter Forschungszentrum mit. Denn über die Organismen gelange Stickstoff als mineralischer Dünger in den Boden. Dadurch werde das Wachstum von Pflanzen wie Bäumen angekurbelt, die Kohlendioxid langfristig speichern.

Für ihre Arbeit werteten die Wissenschaftler aus Frankfurt, Mainz und Kaiserslautern Daten von mehr als 200 einzelnen Studien zum Vorkommen und Stoffwechsel der Organismen aus.

"Es gibt noch einzelne weiße Flecken, beispielsweise die Steppenlandschaften im Süden Russlands und im nördlichen Kasachstan, die nicht mitberücksichtigt werden konnten", sagte Jörg Steinkamp vom Frankfurter Biodiversität- und Klima-Forschungszentrum. Es sei deshalb möglich, dass die tatsächliche Stickstoff- und Kohlendioxidaufnahme der Kryptogamen sogar noch höher sei.

nik/hda/dpa

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1. Nix neues am botanischen Institut.
scientist-on-hartz4 04.06.2012
Dass Algen inklusive der zu den Prokaryonten gehörenden Cyanophyceen und Pilze Stickstoff und CO2 binden, ist schon seit meinem Biostudium bekannt. Auch was die Mengen betrifft, wurde zumindest an Einzelpopulationen in Klimakammern in Köln rausgefunden. SpON verkauft wieder mal olle Kamellen einer aus vielen Studien erstellten Rechnung genannten Schätzung (sorry ich meinte Statistik :) ) als brandheißen Wissenschaftsdurchbruch. Ist es aber nicht!
2. Rätselhaft
albert schulz 04.06.2012
Vor allem sind Moose wie Flechten und Pilze extrem anspruchslos. Und ihre Masse ist winzig im Vergleich zu Gräsern etwa, ebenso das, was man Wurzeln nennen könnte. Und wenn man Kunstdünger ausbringt, zum großen Teil Nitrate, gehen sie ein. Und die Luft besteht zu annähernd 80% aus Stickstoff. Um den wird es nicht gehen, sondern um Nitrate, und auch die werden in Wäldern kaum benötigt. Ich meine sogar festgestellt zu haben, daß Wälder in der Nähe von stark gedüngten Ackerbauflächen eine besonders karge Bodenvegetation aufweisen.
3. Seit 1000 Jahren
plattsnak 05.06.2012
Es ist für alle, die an Man Made Global Warming zweifeln, irreführend. Schon immer hat die Natur und Ozeane einen natürlichen Kreislauf erhalten. Wir haben es jedoch geschafft, dass natürliche Gleichgewicht zu stören. Wir gehen gegen HF Financing, pol.Willkür, etc. auf die Straße, aber die Gefahr der 3 Grad Erwärmung wird immer noch nicht zur Chefsache. Sofort handeln, oder unsere Kinder müssen Überlebens - und Nahrungskämpfe führen.
4. ohhaaa
ohnefleiߟkeinpreis 05.06.2012
[quote] Sofort handeln, oder unsere Kinder müssen Überlebens - und Nahrungskämpfe führen. [quote end] Ahh, stimmt, man merkt das das die winter weniger werden und die sommer immer länger,früher und heißer. wenn man jetzt raus sieht, sollten wir anfangen das wasser zu rationieren. Bitte Bitte glauben sie nicht alles was die Massenmedien ihnen erzählen sonder setzen sie dich kritisch mit sowas auseinander...
5. Tatsachen
alfredjosef 05.06.2012
"Wir haben es jedoch geschafft, dass natürliche Gleichgewicht zu stören." Hab ich so nicht gelernt. Die Evolution geht immer weiter, es gab nie einen stationären Zustand ("Gleichgewicht"), weder bei Temperaturen, noch bei den Ökosystemen. "Die Gefahr der 3 Grad Erwärmung wird immer noch nicht zur Chefsache. Sofort handeln, oder unsere Kinder müssen Überlebens - und Nahrungskämpfe führen." Heute früh 9 Grad C. Im Juni! Meine Kinder würden jubeln, wenn's 20 wären. 12 Grad statt 9 wären ihnen ziemlich egal. Aber zumindest würde das Getreide besser wachsen, v.a. der Mais. Tatsachen. Sich den Tatsachen stellen. aj
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