Guinea Wilde Schimpansen trinken literweise Palmwein

Bis zu 6,9 Prozent Alkohol enthält der Palmsaft, den die Menschen im Südosten Guineas herstellen. Das Gesöff schmeckt auch wilden Schimpansen. Einige Affen trinken sich regelmäßig in den Rausch.

G. Ohashi

Wilde Schimpansen trinken gern alkoholische Getränke - mitunter literweise. Ein internationales Forscherteam berichtet, dass die Affen im Südosten von Guinea bis zu drei Liter vergorenen Palmsaft konsumieren und dabei Blätter als Trinkgefäß nutzen.

Von 1995 bis 2012 beobachteten Forscher um Kimberley Hockings vom anthropologischen Forschungszentrum CRIA-FCSH/UNL in Lissabon die Tiere im äußersten Südosten von Guinea mit versteckten Kameras. Die Besonderheit in dieser Gegend: Die Bewohner des Ortes Bossou nahe der Grenze zu Liberia und Elfenbeinküste ritzen Raphiapalmen in der Baumkrone an und sammeln deren Saft in Kunststoffbehältern.

Durch Fermentation gärt der Palmsaft und erreicht bis zu 6,9 Prozent Alkohol. Im Durchschnitt sind es etwa 3,1 Prozent. Die Bewohner von Bossou trinken den alkoholischen Saft ohne weitere Verarbeitung - sofern sich nicht vorher Schimpansen daran vergreifen.

Saufgelage im Baum

In der Regel laufen deren Gelage so ab, wie die Forscher im Fachjournal "Royal Society Open Science" berichten: Ein Schimpanse klettert tagsüber zu dem Kunststoffbehälter im Baum. Er faltet und zerknittert im Mund ein Palmblatt, um es als eine Art Schwamm zu benutzen. Dieses Werkzeug steckt der Schimpanse in die schmale Öffnung des Behälters, zieht es vollgesogen heraus und drückt es dann im Mund zwischen Zunge und Gaumen aus.

Im Durchschnitt nimmt ein Affe fast zehn solcher "Gläser" pro Minute zu sich, bei zehn Millilitern pro "Glas". Die Forscher berechnen, dass die Affen durchschnittlich etwa einen Liter "Palmwein" trinken, manche auch erheblich mehr. Oft tranken auch mehrere Affen gemeinsam oder nacheinander aus dem Behälter.

Einige Aufnahmen zeigen, dass manche Schimpansen durch den Wein zumindest angetrunken waren oder direkt nach dem Trinken schlafen gingen.

50 Prozent Abstinenzler

"Schimpansen konsumieren vergorenen Palmensaft in Bossou selten, aber gewohnheitsmäßig", schreiben die Forscher, wobei sich beide Geschlechter und sämtliche Altersgruppen beteiligt hätten. Insgesamt blieb aber die Hälfte der insgesamt 26 ausgewachsenen Tiere abstinent.

Dass Affen in Gefangenschaft Alkohol konsumieren, ist dokumentiert. Hockings und Kollegen verweisen auch auf Beobachtungen auf der Karibikinsel St. Kitts, wo eingeschleppte Westliche Grünmeerkatzen sich Cocktails von Touristen schnappen. Über Alkoholkonsum wilder Affen gebe es bislang jedoch kaum Daten.

Genetische Studien deuten aber darauf hin, dass eine entscheidende Erbgutmutation schon bei gemeinsamen Vorfahren von Menschen und afrikanischen Affen auftrat: Diese Veränderung habe es dem Körper ermöglicht, Alkohol um das 40fache besser zu verwerten. Die Forscher hoffen nun auf Daten über Bonobos und Gorillas, um genauer bestimmen zu können, ob Menschen den Alkoholgenuss auch mit anderen engen Verwandten im Tierreich teilen.

jme/dpa

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