Alkoholkonsum Auch Tiere lieben Saufgelage und Drogenorgien

Nicht nur der Mensch erträgt die Welt gelegentlich nur mit Alkohol - auch Tiere gönnen sich ab und zu einen gepflegten Rausch. Für einige Primaten gilt: Je härter der Drink, umso besser.

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Es ist ein Klassiker des Tierfilms: Der Streifen "Die lustige Welt der Tiere" des südafrikanischen Regisseurs Jamie Uys zeigt Flora und Fauna aus der Namib-Wüste, dem Okavango-Becken und der Kalahari. Bekannt wurde der Streifen aus den Siebzigerjahren aber vor allem wegen der Marula-Bäume. Die Tiere in dem Film, darunter Elefanten oder Giraffen, fressen die grün-gelblichen Früchte des Baums, einige Zeit später torkeln sie durch die Steppe, als hätten sie an einem Wodka-Wetttrinken teilgenommen.

Die Erklärung in dem Film damals: Die schon gärenden Früchte machen die Tiere betrunken. Doch Biologen zweifelten, ob der so entstandene Alkoholgehalt ausreicht, um einen Elefanten betrunken zu machen. Die massigen Tiere müssten Unmengen von Beeren fressen. Allerdings: Abstinenzler sind Elefanten nicht, wie der Biologe Mario Ludwig erklärt. "Es sind Fälle von Indischen Elefanten bekannt, die probiert haben, an Biervorräte zu kommen."

Dass auch manche Primatenart dem Alkohol nicht abgeneigt ist, zeigt nun eine neue Studie: In Versuchen von US-Forschern wählten Fingertiere und ein Sunda-Plumplori bevorzugt Zuckerlösungen mit höheren Alkoholgehalten. Das berichten Biologen um Samuel Gochman vom Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, im Fachmagazin "Royal Society Open Science".

G. Ohashi

Vom Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang), der in Südostasien lebt, ist bekannt, dass er vergorenen Nektar aus den Blüten einer Palme konsumiert. Der Alkoholgehalt des Nektars kann bis zu 3,8 Volumenprozent betragen, durchschnittlich liegt er allerdings nur bei 0,6 Volumenprozent. Der Nektar macht bei dieser Primatenart rund 40 Prozent der Nahrung aus.

Beim Fingertier (Daubentonia madagascariensis), das auf Madagaskar zu Hause ist, ist zwar nicht gesichert, dass es vergorene Pflanzensäfte verzehrt. Sein Erbgut weist jedoch eine Mutation auf, die es ihm erlaubt, den Alkohol sehr effektiv zu verarbeiten. Als Quelle für Alkohol wird der Baum der Reisenden (Ravenala madagascariensis) vermutet.

Gochman und Kollegen testeten die Vorlieben der Tiere nun an zwei Fingertieren und einem Sunda-Plumplori, die in Gefangenschaft lebten und keine Erfahrung mit Alkohol hatten. Die Fingertiere konnten wählen zwischen Zuckerlösungen mit Alkoholgehalten von einem, drei und fünf Prozent. Die Lösungen beim Sunda-Plumplori enthielten wegen des geringeren Körpergewichts nur ein, zwei und vier Prozent Alkohol.

Es werden noch mehr Drinks benötigt

Die Wissenschaftler zeichneten auf, wie oft die Tiere von den einzelnen Lösungen probierten und wie viel sie tranken. Ergebnis: Beide Primatenarten bevorzugten die Lösungen mit den höheren Alkoholgehalten. Sie tranken fast doppelt so viel von den höherprozentigen Getränken wie von den Lösungen mit maximal einem Prozent Alkoholgehalt. Auch nach Leerung der Schüsseln suchten die Tiere bevorzugt jene auf, in denen sich die höherprozentigen Getränke befunden hatten.

BBC-Doku

Die Forscher räumen ein, dass sie zwar nicht allzu viele Versuchsdurchgänge gemacht hatten - 15 pro Fingertier, fünf beim Plumplori -, allerdings werde dies durch die statistisch sehr deutlichen Resultate wettgemacht. Um allgemeine Aussagen zum Verhältnis von Primaten zu Alkohol zu treffen, seien weitere Untersuchungen notwendig. Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch Primaten, die keine genetische Mutation für die effiziente Verwertung von Alkohol aufweisen, alkoholische Nahrungsmittel mögen.

Dass Affen, die Kontakt zu Menschen haben, Alkohol trinken, war schon länger bekannt. Vor einem Jahr hatten Forscher - ebenfalls im Fachjournal "Royal Society Open Science" berichtet, dass sogar wilde Schimpansen gerne alkoholische Getränke konsumieren - mitunter sogar literweise. Die Affen im Südosten von Guinea tranken bis zu drei Liter vergorenen Palmsaft und nutzten dabei Blätter als Löffelersatz. Anschließend zeigten sie Zeichen eines Rauschs oder legten sich schlafen.

Und was die Marula-Früchte aus dem Film "Die lustige Welt der Tiere" angeht: Einige Forscher vermuten, dass der geringe Alkoholgehalt von nur etwa drei Prozent Elefanten und Giraffen kaum betrunken gemacht haben dürfte. Der Rausch ging wohl eher vom Gift einer in der Baumrinde vorkommenden Käferpuppe aus. "Denn die Elefanten müssten sonst unglaubliche Mengen der Früchte verzehren, um bei ihrer Masse einen Effekt zu spüren", sagt Ludwig. Zudem sei bekannt, dass die Tiere die Rinde der Bäume essen.

Bei kleineren Tieren könnte eine alkoholische Gärung aber eine Rolle spielen. Zudem ist auch aus anderen Bereichen in der Tierwelt Alkoholkonsum bekannt. Bei welchen, sehen Sie hier.

Mit Material von dpa

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