Angeboren oder erlernt Wie viel Alphatier steckt im Menschen?

Anführer oder treuer Gefolge - Führungspositionen müssen sich Menschen und Tiere meist hart erkämpfen, zeigt eine Studie. Allerdings haben menschliche Alphatiere am Schluss weniger Macht als ihre tierischen Pendants.

AP

Von


Wer hat das Zeug zum US-Präsidenten? Welcher Bewerber eignet sich als Führungskraft? Und wer bestimmt, in welche Kneipe es am Samstagabend geht? In vielen Situationen trifft eine Person die Entscheidung, löst Konflikte oder gibt einer Gemeinschaft den Weg vor. Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen haben jetzt untersucht, was diese Alphamenschen ausmacht. Hinweise dafür fanden sie im Tierreich.

Die Forscher analysierten die Führungsmuster in acht Säugetiergruppen, unter anderem in Löwenrudeln, Delfinschulen, Elefanten- und Schimpansen-Familien, und verglichen sie mit acht kleinen menschlichen Gemeinschaften. Auf Basis eigener Beobachtungen und älterer Studien dokumentierten die Experten unter anderem, wie viele Mitglieder Führungsaufgaben in einer Gruppe übernehmen und ob sich die Anführer ihre Stellung erarbeiten müssen oder zum Alphatier geboren werden.

"Bisher ist man davon ausgegangen, dass Führerschaft bei Menschen komplexer ist als bei anderen Säugetieren", sagt Biologin Jennifer Smith vom Mills College in Kalifornien. Die Analyse der Forscher im Fachmagazin "Trends in Ecology & Evolution" deutet nun allerdings daraufhin, dass es mehr Ähnlichkeiten zwischen menschlichen und tierischen Anführern gibt als bisher angenommen.

Fürs Chefsein braucht es Erfahrung

Demnach ist Lebenserfahrung eine entscheidende Voraussetzung für eine Führungsrolle - sowohl in der Tierwelt als auch in menschlichen Gruppen. Ausnahmen bilden laut der Auswertung lediglich die Tüpfelhyänen und Angehörige des Nootka-Stammes, der an der kanadischen Pazifikküste lebt. Dort werden Führungspositionen typischerweise vererbt.

Ob angeboren oder erlernt: Menschliche und tierische Anführer zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie in schwierigen Situationen eingreifen und die Gruppe nach außen vertreten, berichten die Forscher. So schlichten sie Querelen innerhalb der Gemeinschaft und im Kontakt mit anderen Gruppen.

Laut Smith deutet die ähnliche Führungsstruktur bei Mensch und Tier daraufhin, dass sich Verhaltensweisen wie Dominanz und Unterordnung in beiden Gruppen evolutionär ähnlich entwickelt haben. Anders formuliert: Merkel und der Oberlöwe folgen offenbar grundlegend ähnlichen Führungsmustern. Im Detail gibt es dann aber doch Unterschiede.

Demnach sind Leitfiguren unter Menschen beispielsweise weniger mächtig als ihre tierischen Gegenparts. Denn Tiere konzentrieren ihre Führungsposition stärker auf sich und übernehmen in mehr Bereichen gleichzeitig die dominante Rolle.

Vergleiche zwischen Mensch und Tier sind schwierig

Forscher, die nicht an der Studie beteiligt waren, loben den Forschungsansatz. Nur selten würden Wissenschaftler so über den Tellerrand des eigenen Bereichs gucken, sagt Damian Farine, Verhaltensbiologe am Max-Planck-Institut für Ornithologie. Ziel der Studie sei es gewesen, Führerschaft aus einer breiten Perspektive zu betrachten. Das sei gelungen.

Gleichzeitig hält es der Forscher aber für schwierig, Verhaltensmuster von Mensch und Tier so direkt zu vergleichen, wie es in der Studie geschehen ist. Man wisse bei Tieren einfach zu wenig über den Kontext, in dem sie Entscheidungen treffen. Einzig Bewegungsmuster könne man direkt gegenüberstellen, so Farine.

Ein Beispiel: Bei Pavianen hat der Forscher beobachtet, dass sie auf Wanderschaft zu demokratischen Entscheidungen neigen. Geht es darum, sich für eine unter zwei möglichen Route zu entscheiden, bevorzugen die Affen unabhängig vom dominanten Alphatier fast immer die Richtung, für die sich die Mehrzahl ihrer Artgenossen entschieden hat. Hier fehlten für einen Vergleich mit dem Menschen aber wiederum weitere Studien zu dessen Verhalten.

Laut Conny Antoni, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), schmälert vor allem die Konzentration des Forscherteams auf einfache menschliche Gesellschaftsstrukturen die Aussagekraft der Analyse: "Die Ergebnisse lassen sich nur begrenzt auf komplexere, stärker organisierte Gesellschaften, wie die deutsche Bevölkerung übertragen".

Ein generelles Problem sei, dass man nicht untersuchen könne, inwiefern Tiere ihr eigenes Handeln reflektieren oder Bedürfnisse von Gruppenmitgliedern erkennen können.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MichaelGoldberg 07.11.2015
1. Anführer oder treuer Gefolge - ?
Was ist denn das für ein Deutsch? Es heißt doch "das Gefolge"
harry362 07.11.2015
2. Was ist ein
Es gibt höchstens ein "treues Gefolge" - aber das bezieht sich nicht auf ein Einzelindidviduum. - Die Verfasserin hat wahrscheinlich ein Genderproblem und möchte den eigentlich erforderlichen Begriff "Gefolgsmann" vermeiden ohne die dafür erforderliche Sprachkompetenz zu besitzen. - Und die SPON Korrektoren auch nicht. - Ausserdem fehlt auch noch das Fragezeichen oder zumindest der Punkt vor dem Gedankenstrich.
taglöhner 07.11.2015
3. Psychoszene
Scheint schwierig zu sein, hier die inkompetente Pauschalkritik von interessierter Seite an der Studie zu hinterfragen...
musca 07.11.2015
4. Der Mensch ist eben auch
Biologisch gesehen, mit einem recht grossen Hirn im Verhältnis zu den Körpermaßen und eines der wenigen Säügetiere welches sich für die meisten Landsäuger recht ungewöhnlich auf zwei Beinen bewegt. Der Vergleich zwischen dem Chef eines Löwenrudels und Angela Merkel in dem Artikel ist etwas amüsant...und auch kurios.. naja..das eine die Wildnis und Natur - das andere die "Zivilisation". Merkel kann abgewählt werden - ein Chef eines Löwenrudels wird brutal entmachtet in der realen Natur. Ein altes Männchen, "ein Chef" eines Löwenrudels bspw. wird von einem jüngeren Konkurrenten manchmal auch von zwei jüngeren Männchen gemeinsam nach harten Kämpfen vertrieben, schwere Verletzungen mit eingeschlossen ( oder auch nicht vertrieben). Die Jungen des alten Männchens werden nach ( erfolgreichen Machtkampf) getötet, auf das die Weibchen bald wieder empfängisbereit werden. So in etwa läuft es bei einem Löwenrudel. Bei den nächsten noch lebenden Verwandten, von Homo Sapiens, den Schimpansen nördlich des Kongos geht es manchmal eher brutal zu - die Männchen dominieren die Weibchen, häufig mit Gewalt. Südlich des Kongo lebt eine andere Schimpansen ( unterart) die Bonobos oder auch "Zwergschimpansen", da dominieren die Weibchen, Gewalt da kaum , Konflikte innerhalb der Gruppen werden häufig mit "Sex" gelöst. Nur kann das alles kaum auf den Menschen selber übertragen werden - jetzt das Verhalten eines Löwenrudels ausmacht oder das Verhalten verschiedener Schimpansenarten...selbst wenn auch Homo Sapiens "nur" ein Säugetier ist - mit recht grossem Gehirn..nur rein anatomisch gesehen. Keine andere Säugetierart hat Zivilisation entwickelt.. auch wenn oft viel danebenläuft.
Ein_denkender_Querulant 07.11.2015
5. Zu eng gedacht
Bei Menschen gibt es ein erheblich facettenreicheres Verhalten als nur diese beiden Gruppen. Wer von falschen Eingangsbedingungen ausgeht, kommt darum auch zu zweifelhaften Ergebnissen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.