Meeresmüllkonferenz in Berlin: Altmaier lehnt Plastiktüten-Zwangsabgabe ab

Umweltschützer und Umweltminister: Kampf gegen den Plastikmüll Zur Großansicht
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Umweltschützer und Umweltminister: Kampf gegen den Plastikmüll

Eine Extra-Steuer auf Plastiktüten? Umweltbundesamt und EU-Kommission plädieren dafür, Erfahrungen aus Irland sprechen für ihre Wirksamkeit. Doch Bundesumweltminister Altmaier hält dagegen: Um die Menge des Plastikmülls in den Meeren zu senken, müsse man stärker auf Recycling setzen.

Berlin - Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben sich auf einer internationalen Konferenz auf Strategien gegen die Vermüllung der europäischen Meere verständigt. "Müllteppiche unvorstellbaren Ausmaßes auf den Ozeanen" seien eine ernste Bedrohung, erklärte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am Freitag. In Berlin diskutierten auf Einladung des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamts und der EU-Kommission rund 200 Experten aus aller Welt Wege zu einem besseren Schutz der Meere. Nach Angaben des Bundesumweltamts landen derzeit jährlich etwa 6,4 Millionen Tonnen Plastikabfälle im Meer.

Zu den Vereinbarungen der dreitägigen Konferenz gehört unter anderem, die Vermüllung der Meere bei der geplanten Überarbeitung der EU-Abfallgesetzgebung zu berücksichtigen. Zudem wollen die Teilnehmer Ziele zur drastischen Reduzierung besonders problematischer Abfälle entwickeln. Hierzu gehören vor allem Plastiktüten und winzige Plastikkügelchen, die zum Beispiel in Peelingprodukten und Duschgels enthalten sind.

Pro und Contra zur Plastiktütenabgabe

Ideen einer Plastiktütensteuer oder sogar eines Verbots der Tüten lehnte Umweltminister Altmaier ab. Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamts (UBA), hatte sich zuvor auf der Konferenz dafür ausgesprochen, dass Plastiktüten künftig nicht mehr gratis abgegeben werden dürfen.

Altmaier hält es dagegen für sinnvoller, die Recyclingquote zu erhöhen. Es müsse auch auf EU-Ebene geschaut werden, was hier getan werden könne. Die EU-Kommission kann sich wie das Umweltbundesamt vorstellen, dass Tüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden dürfen.

In Irland, wo 44 Cent je Tüte erhoben werden, verringerte sich die Anzahl verbrauchter Plastiktüten pro Kopf und Jahr von 328 auf 18. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 71 Beutel, EU-weit im Schnitt 198.

Problem ist in Deutschland kleiner als in anderen Staaten

Im Vergleich zu anderen EU-Staaten ist in Deutschland der Plastikmüll, der über Abwässer und Flüsse in die Meere gelangt, ein kleineres Problem. Hierzulande wird fast alles einem hochwertigen Entsorgungs- und Recyclingsystem zugeführt. Daher sieht Altmaier für andere Länder vor allem die Möglichkeit, die Abfallwirtschaft zu verbessern und so die Menge an Meeresmüll zu reduzieren.

Er will sich im Sommer zudem mit Bürgermeistern der deutschen Inseln treffen, um zu beraten, wie das Müllaufkommen in Nord- und Ostsee gemindert werden kann. Teilnehmen sollen auch Unternehmen, die für das Problem verantwortlich sind.

EU-Umweltkommissar Janez Potocnik betonte, nötig sei zudem, dass die europäische Bevölkerung auf Müllvermeidung achte. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms treiben 13.000 Plastikpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche - durch Strömungen werden diese weltweit verteilt.

wbr/dpa/AFP

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1. Würde mich mal interessieren
EchoRomeo 12.04.2013
wo im Land der Grünen und Gelben Säcke ausgerechnet Plastiktüten ins Meer geworfen werden sollen, die sich dann ausgerechnet im Pazifik ein einem Strudel ballen. Nach der Theorie müsset die Nordsee aus Tüten mit geringen Plastikanteilen bestehen. Warum also etwas Besteuern, was gar nicht zum - angeblich - erkannten Problem beiträgt. Weil Autos Benzin verbrauchen, besteuern wird doch nicht die Kartoffeln mit einem Euro pro Kilo.
2.
no-panic 12.04.2013
Zitat von sysopSIO/ UC San Diego Eine Extra-Steuer auf Plastiktüten? Umweltbundesamt und EU-Kommission plädieren dafür, Erfahrungen aus Irland zeigen deren Wirkung. Doch Bundesumweltminister Altmaier hält dagegen: Um die Menge des Plastikmülls in den Meeren zu senken, müsse man stärker auf Recycling setzen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/altmaier-lehnt-plastiktueten-zwangsabgabe-ab-a-894072.html
Was soll das? Unternehmen, die für das Problem verantwortlich sind! Na also, dann bitteschön denen die Leviten lesen und die Kohle rausrücken lassen, um den Dreck wieder einzusammeln. Wenn der/die Verantwortliche/n doch bekannt sind, wo ist das Problem?
3. Müll
freigeist1964 12.04.2013
Zitat von no-panicWas soll das? Unternehmen, die für das Problem verantwortlich sind! Na also, dann bitteschön denen die Leviten lesen und die Kohle rausrücken lassen, um den Dreck wieder einzusammeln. Wenn der/die Verantwortliche/n doch bekannt sind, wo ist das Problem?
Fahren sie mal nach Indien, China oder nach Afrika! Plastikmüll, Plastikmüll, Plastikmüll, überall finden sie den Dreck und der Deck wird NICHt von der industrie gemacht. Was davon nicht ins Meer geschwemmt wird, landet auf den Äckern oder es wird in offenen Feuern verbrannt. Wohl bekommts... . Ich bin jedenfalls der Meinung, dass nur ein globales Verbot von Plastiktüten und Plastuikverpackungenr etwas erreichen kann. Hier ist die Politik gefragt, die entsprechenden Weichen zu stellen.
4. Plastiktütenabgabe ist Unsinn,...
Onsom2000 12.04.2013
... scließlich können sich dann Niedriglöhner sonst nichts mehr zum Essen kaufen... *Ironie off* Das Beispiel zeigt doch, dass es klappt! "In Irland, wo 44 Cent je Tüte erhoben werden, verringerte sich die Anzahl verbrauchter Plastiktüten pro Kopf und Jahr von 328 auf 18. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 71 Beutel, EU-weit im Schnitt 198."
5.
tanzschule 12.04.2013
Zitat von freigeist1964Fahren sie mal nach Indien, China oder nach Afrika! Plastikmüll, Plastikmüll, Plastikmüll, überall finden sie den Dreck und der Deck wird NICHt von der industrie gemacht. Was davon nicht ins Meer geschwemmt wird, landet auf den Äckern oder es wird in offenen Feuern verbrannt. Wohl bekommts... . Ich bin jedenfalls der Meinung, dass nur ein globales Verbot von Plastiktüten und Plastuikverpackungenr etwas erreichen kann. Hier ist die Politik gefragt, die entsprechenden Weichen zu stellen.
jede plastiktüte weniger ist ein gewinn, und wenn die dinger empfindlich mehr kosten werden sich die leute das schon überlegen ob sie von zu hause ne tasche mitnehmen. noch schlimmer in deutschland sind die einwegverpackungen bei getränken und mcdoof & co , damit wreden ganze strassenzüge zugemüllt.
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