Altsteinzeit Faustkeile schon vor 1,75 Millionen Jahren verbreitet

Spitz geschlagene Steine dienten den Menschen der Altsteinzeit als Allzweckmesser. Schon vor 1,75 Millionen Jahren wurden die Werkzeuge häufig angefertigt, berichten Forscher. Zur selben Zeit erschien der Homo erectus.

Echte Faustkeile: Im Laufe der Zeit immer symmetrischer
PNAS

Echte Faustkeile: Im Laufe der Zeit immer symmetrischer


Addis Abeba/Hamburg - Man nennt sie auch die Schweizer Messer der Steinzeit: Faustkeile dienten den frühen Menschen als vielseitige Werkzeuge. Vor 1,75 Millionen Jahren waren sie weiter verbreitet als bislang gedacht, berichten Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Yonas Beyene vom French Center for Ethiopian Studies und seine Kollegen weisen darauf hin, dass die Acheuléen-Kultur, für die Faustkeile typisch sind, gleichzeitig mit dem Erscheinen des Homo erectus entstanden ist.

Erst kürzlich hatten Archäologen Steinwerkzeuge aus Kenia auf 1,75 Millionen Jahre datiert. Nun fanden sie heraus, dass ähnliche Werkzeuge aus Äthiopien ebenfalls aus dieser Zeit stammen. In einem Punkt unterscheiden sich die bearbeiteten Steine allerdings: Die Faustkeile aus dem Turkana-Becken in Kenia waren auf beiden Seiten gekerbt. Jene aus dem südäthiopischen Konso-Becken, über welche die Forscher nun berichten, waren dagegen nur auf einer Seite bearbeitet. Dennoch ordnen die Wissenschaftler sie den echten Faustkeilen zu.

Echte Faustkeile gelten als Markenzeichen der Acheuléen-Kultur. Diese löste die Oldowan-Kultur mit ihren kaum bearbeiteten Steinwerkzeugen ab. Beide Kulturen existierten Ausgrabungen zufolge jedoch Hunderttausende Jahre lang parallel zueinander. Die Funde im Konso-Becken stützen nach Ansicht der Wissenschaftler die Vermutung, dass die Acheuléen-Kultur zeitlich mit dem Erscheinen des Homo erectus vor etwa 1,8 Millionen Jahren zusammenfällt.

Insgesamt umfassen die Funde im Konso-Becken die Zeit vor 1,75 bis vor 1 Million Jahren. In dieser Spanne nahm die Zahl der einseitig bearbeiteten Werkzeuge immer mehr ab, so die Forscher. Auch wurde die Bearbeitung der Faustkeile zunehmend verfeinert. Dies begründen die Wissenschaftler mit der zunehmenden Symmetrie der Werkzeuge und der höheren Zahl von Kerben, die bei der Bearbeitung entstanden.

jme/dpa



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