Amazonas: Dürre trocknete halben Dschungel aus

Der Amazonas-Wald ist der weltgrößte Treibhausgasfilter. Deshalb erscheinen die neuen Daten besonders erschreckend: 2010 wurde mehr als die Hälfte des Regenwaldes von einer schweren Dürre heimgesucht. Forscher rätseln über die Folgen: Daten zeigen, dass der Wald jetzt sogar aufblühen könnte.

Amazonas-Vegetation: Manche Regionen (rot) nehmen weniger Kohlenstoff auf Zur Großansicht
CAO / Carnegie Institution for Science

Amazonas-Vegetation: Manche Regionen (rot) nehmen weniger Kohlenstoff auf

Eine extreme Dürre hat vergangenes Jahr den Amazonas-Regenwald heimgesucht. Das belegt die Auswertung von Satellitendaten, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science". Der Amazonas-Dschungel ist 15-mal so groß wie Deutschland; gut die Hälfte des Waldes war von der Dürre von Juli bis Oktober 2010 betroffen. Es war die zweite schwere Dürre binnen sechs Jahren: Bereits 2005 hatte monatelange Trockenheit ein Drittel des Waldes absterben lassen.

Wie viele Bäume gestorben sind, sei unklar, schreiben die Forscher um Simon Lewis von der Universität Leeds in Großbritannien. Nach der Dürre 2005 war der Amazonas-Wald im Folgejahr überraschenderweise aufgeblüht: In den von der Trockenheit betroffenen Gebieten wuchsen die Pflanzen 2006 deutlich stärker als sonst, berichteten Forscher 2007 in "Science".

Viele solcher Dürren hintereinander dürfte der Wald aber schwerlich verkraften, fürchten Experten. Von Trockenheit geschwächte Bäume würden in den Folgejahren sterben, warnt Simon Lewis, Leitautor der neuen Studie. Umso bedenklicher sei, dass die Dürren von 2005 und 2010 auftraten, als der Atlantische Ozean besonders warm war - denn hohe Meerestemperaturen werden für die Zukunft vorhergesagt.

40 Jahre lang wurde es feuchter

Sollten sich Dürren im Amazonas-Wald häufen, könnte "die Zeit vorbei sein", in der der Dschungel die weltweite Zunahme von Kohlendioxid (CO2) in der Luft abmildere, schreiben Lewis und seine Kollegen. Der Amazonas-Regenwald absorbiert ein Fünftel des weltweiten Abgasausstoßes an CO2.

Bereits kurzfristig seien nun enorme Amazonas-Abgase zu befürchten, schreiben Lewis und seine Kollegen: Sollten die Bäume aus dem Dürregebiet von 2010 tatsächlich verrotten, dürften fünf Milliarden Tonnen Kohlendioxid frei werden, sagen die Forscher voraus - die Menge entspricht nahezu dem CO2-Ausstoß aus Abgasen in den USA in einem Jahr.

Wie der Amazonas-Wald auf die erwartete Klimaerwärmung reagieren wird, ist Gegenstand umfassender Forschung. Die Regenmenge in der Region hatte in den vergangenen 40 Jahren zugenommen, konstatierte 2007 der Klimabericht der Vereinten Nationen, der alle paar Jahre das Wissen über das Klima zusammenfasst. Es sei aber unklar, wie sich die Regenfälle in der Region entwickeln würden; Klimasimulationen lieferten widersprüchliche Ergebnisse.

Ein Gutteil der Niederschläge ist auf die Verdunstung im Regenwald selbst zurückzuführen. Umso mehr hängt das Schicksal von einer lokalen Umweltveränderung ab, die der Mensch verantwortet: der Waldrodung in großem Stil. Die Gegenden im Amazonas-Gebiet mit den schwersten Dürren lägen in Gebieten, in denen großflächig gerodet worden sei, schrieben Forscher 2006 in einer Studie. Die Zukunft der "grüne Lunge der Erde" bleibt ungewiss.

boj

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Treibhausgas - welches Treibhausgas denn?
Berd 04.02.2011
Zitat von sysopDer Amazonaswald ist der weltgrößte Treibhausgas-Filter. Deshalb sind die neuen Daten besonders erschreckend: 2010*wurde mehr als die Hälfte des Regenwaldes von einer schweren Dürre heimgesucht. Forscher rätseln über den Auslöser der Katastrophe - sie fanden überraschende Zusammenhänge. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,743662,00.html
Der Amazonaswald ist also der weltgrößte Treibhausgas-Filter. Welches Treibhausgas meint der Autor denn? Wasserdampf, Methan oder vielleicht HFC-23 (immerhin über 11.000 mal "klimaschädigender" als CO2). Nein, natürlich CO2, ohne welches überlebenswichtig ist für die Pflanzenwelt und damit auch für uns. An dieser Aussage sieht man wieder einmal, wie sehr sich die sog. "Klimafoschung" aber auch unsere "Qualitätsmedien" in der CO2-Ecke verrannt haben. Gruß berd P. S. Es gibt reichlich gute Gründe, den Amazonas zu schützen, dazu bedarf es gar nicht der Mär vom anthropogenen Klimawandel.
2. Solange hier E10
zompel 04.02.2011
als Okö verkauft wird, kann die Rodung nicht schlimm sein. Wenn Agrarflächen für "Benzin" genutzt werden, muss die Fläche für Nahrungsmittel ja irgendwo herkommen. In diesen Ländern sind wir die Ökoterroristen! nicht die dortige Bevölkerung
3. Warten wir auf Schweden
hansulrich47 04.02.2011
Zitat von zompelals Okö verkauft wird, kann die Rodung nicht schlimm sein. Wenn Agrarflächen für "Benzin" genutzt werden, muss die Fläche für Nahrungsmittel ja irgendwo herkommen. In diesen Ländern sind wir die Ökoterroristen! nicht die dortige Bevölkerung
In neun Jahren soll ganz Schweden nur noch Ethanol in die Autos mit "Benzin"motor füllen. Der Rohstoff soll aus dem schwedischen Wald gewonnen werden. Das plant das schwedische Ethanol-Programm. Im Prinzip reicht der Wald dafür aus, es gibt ja nur 8 Millionen Schweden und viel Wald. Der muß aber dann gedüngt werden, amit er schneller wächst. Wo der Dünger herkommt und was das für den Wald bedeutet ist vollständig unklar. Sicher ist nur, der Schnaps kommt dann von der Tanke, nicht mehr aus dem staatlichen Monopolladen .... Es gibt keinen Unfug, den wir nicht machen, um die Welt zu retten!!!!!
4. Inkorrekt
Gani 04.02.2011
Mal das ganze "ich weiss eh besser als alle anderen, dass es keinen Klimawandel gibt"-Gedöns hier ausser acht gelassen - die Weltmeere sind a) die grössten Sauerstoff Produzenten und b) binden und wandeln sie auch mehr Co2 um als alle Pflanzen auf den Landmassen zusammen.
5. okay jungs - auseinander :
frank_lloyd_right 04.02.2011
wir wissen alle, dass es keinen klimawandel gibt, weil das ja auch gar nicht praktisch waere - die sache ist geklaert und es lohnt sich erst wieder, darueber zu reden, wenn diese minizwischeneiszeit vorueber ist - solange haben die schoenreder oberwasser, danach vielleicht hochwasser. aber bis das passiert, labern wir uns doch alle nur allerhand geschnetzeltes ans bein. interessant ist allein, wie sehr es offenbar in die menschliche hirnwahrnehmung eingedrungen ist, die frueher noch "regenwald" genannte zone schlicht im garagendeutsch als "treibhausgasfilter" zu bezeichnen. eine funktionale gruenanlge, wie so ein beknackter "stadtpark" in einer sehr grauen stadt...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Regenwald
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare
  • Zur Startseite
Wie funktionieren natürliche Kohlenstoffsenken?
Wälder
Wenn Bäume wachsen, dann nehmen sie über die Photosynthese Kohlendioxid auf. Je natürlicher die Wälder dabei sprießen, desto mehr CO2 kann gebunden werden. Den Kohlenstoff speichern die Pflanzen zum Beispiel in ihrem Holz oder in den Wurzeln. Wenn die Bäume absterben und verrotten - oder wenn sie verbrennen -, dann wird das CO2 wieder frei. Die Wälder sind also nur ein CO2-Zwischenlager. Wenn sich aber die Waldgebiete auf ehemals landwirtschaftliche Flächen ausdehnen - wie zumindest an einigen Stellen der Nordhalbkugel - dann ergibt sich eine positive Klimawirkung.
Böden
Auch Böden binden große Mengen Treibhausgase. Der Permafrost in den arktischen Regionen schließt zum Beispiel seit der Eiszeit große Mengen Kohlenstoff aus nicht vollständig verrotteten Pflanzen ein. Auch in Mooren lagern große Mengen Kohlenstoff. Wenn der Permafrost taut oder die Moore trocken fallen, dann können Kohlenstoffquellen entstehen.
Ozeane
Die Weltmeere sind die wichtigste Kohlenstoffsenke des Planeten. Aus der Atmosphäre gelangt das CO2 in das Meerwasser. Dort löst es sich, weil seine Konzentration im Wasser niedriger ist als in der Luft. Durch Meeresströmungen gelangt ein Teil des CO2-reicheren Wassers in die Tiefsee, wo es Hunderte von Jahren verbleiben kann. Auch organische Sedimente am Ozeanboden können große Mengen Kohlenstoff speichern. Die zunehmende Aufnahme von CO2 macht das Ozeanwasser allerdings auch immer saurer, was zum Problem für Schalentiere und Korallen werden kann - denn deren kalkhaltige Schalen werden durch die entstandene Kohlensäure im Wasser aufgelöst.

Multimedia-Special
Fotostrecke
Regenwald-Abholzung: Amazonas-Becken in Gefahr