Satellitenbild der Woche Es gibt Popcorn!

Wenn die Trockenzeit im Amazonas beginnt, lässt sich am Himmel ein interessantes Phänomen beobachten. Schwitzende Pflanzen sorgen für ein faszinierendes Muster.

Amazonasmündung in Brasilien
Copernicus Sentinel Data/ ESA

Amazonasmündung in Brasilien


Ja, es heißt Regenwald. Das heißt aber nicht, dass es am Amazonas, dem größten Regenwald der Welt, tatsächlich die ganze Zeit regnet. Zwischen Juni und August gibt es dort eine Trockenzeit. Es ist die Zeit, in der die Bäume besonders wachsen sollten, weil sie mehr Sonne für die Photosynthese in ihren Zellen bekommen. (Allerdings gibt es unter Forschern Diskussionen darüber, ob und wie stark der Amazonas in Trockenzeiten tatsächlich ergrünt.)

In der Trockenzeit reißen die sonst oft dicken Wolken über dem Gebiet auf - und aus dem All zeigt sich ein Phänomen, das auf diesem Bild des europäischen Satelliten "Sentinel-2A" zu erkennen ist. Die Aufnahme des Nordens von Brasilien ist am 22. August entstanden, wurde aber erst jetzt veröffentlicht. Über der Mündung des Amazonas in den Atlantik sind darauf sogenannte Popcorn-Wolken zu sehen.

Diese entstehen aus dem Wasser, das die Bäume und anderen Pflanzen des Amazonas an einem sonnigen Tag in die Umgebungsluft abgeben. Transpiration heißt dieser Prozess, der vor allem über die Spaltöffnungen der Blätter abläuft. In der Hitze des Tages steigt der Wasserdampf nach oben. In höheren, kühleren Atmosphärenschichten kondensiert er dann zu den charakteristischen Wölkchen.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Der Amazonas hat für die Biodiversität eine herausragende Bedeutung, aber auch als Kohlenstoffspeicher ist der Wald wichtig. Allerdings haben Forscher Angst, dass das Waldgebiet - womöglich infolge des Klimawandels - bereits jetzt deutlich weniger CO2 aufnimmt als noch vor einigen Jahrzehnten. In der Trockenzeit könnte der Wald in manchen Jahren sogar zur Kohlendioxidquelle werden.

Millionen von Hektar im Regenwald sind in Gefahr, der Abholzung zum Opfer zu fallen. Vor allem der großflächige Anbau von Soja sorgt dafür, dass sich die Ackerflächen immer weiter ausbreiten. Das Soja wird auch in Europa eingesetzt, vor allem als Tierfutter für die Produktion von Fleisch, Eiern und Milch. Im obereren linken Bereich des Satellitenbilds sind größere braune Flächen zu sehen. Dort wurde der Wald bereits abgeholzt.

Brasilianische Politiker hatten am Freitag erklärt, rund 60 Millionen Hektar Regenwald stünden inzwischen unter besonderem Schutz. Das entspricht etwa 15 Prozent des brasilianischen Amazonasgebiets und mehr als anderthalb mal der Fläche Deutschlands. Das Ziel des Amazonas-Schutzprogramms Arpa sei somit erreicht worden, so Umweltminister José Sarney Filho. In den geschützten Zonen werde 2,3-mal weniger Urwald abgeholzt als in nicht geschützten Gebieten.

chs

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