Insektenverhalten Warum in Ihrem Bierglas ein Käfer schwimmt

Im Frühsommer landen manchmal kleine, schwarze Käfer in Bier- oder Weingläsern. Ein Zufall? Nein, sagen Forscher. Die Tiere halten das Bierglas für einen Baum.

Kleiner Holzbohrer (Xyleborinus saxeseni) läuft über ein Stück Holz
DPA/ Gernot Kunz

Kleiner Holzbohrer (Xyleborinus saxeseni) läuft über ein Stück Holz


Die beruhigende Nachricht zuerst: Ambrosiakäfer sind nicht versoffen. Trotzdem könnten die Tiere hier und da in ihrem Feierabendgetränk schwimmen - und freiwillig dort hineingeflogen sein.

Dass die Tiere das tun, liegt daran, dass sie eigentlich auf der Suche nach alten, absterbenden Bäumen sind. Dorthinein bohren sie kleine Höhlen und legen diese mit Pilzrasen aus, der den Larven als Futter dient.

Sie wählen bevorzugt Stämme aus, die Alkohol produzieren, berichten Wissenschaftler aus Bayern, Thüringen und den USA im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences". Denn dann gedeiht der Pilz besonders gut.

"Die Käfer riechen den Alkohol mit ihren Antennen und fliegen die absterbenden Bäume gezielt an", erklärt Peter Biedermann vom Biozentrum der Universität Würzburg. "Die Tiere halten das Bierglas eigentlich für einen Baum."

Alkoholkonzentration von zwei Prozent ist optimal

Der Ambrosiapilz, den Schwarze Nutzholzborkenkäfer (Xylosandrus germanus) in ihren bis zu drei Zentimeter langen Wohnröhren züchten, ist demnach unempfindlich gegen das Zellgift, andere Pilzarten und Mikroorganismen hingegen nicht. Die Konsequenz: weniger Konkurrenz für den Pilz sowie weniger Schädlinge im Pilzgarten - und damit mehr Nahrung für die Larven der zwei bis drei Millimeter langen Käfer.

Der Schwarze Nutzholzborkenkäfer, der zu den Ambrosiakäfern gehört, stammt ursprünglich aus Ostasien. Er wurde in den Dreißigerjahren in dieUSA eingeschleppt und später auch in Europa nachgewiesen. Inzwischen hat sich die Art unter anderem in Deutschland schon weit ausgebreitet. Der Käfer befällt Nadel- und Laubbäume. Für Waldbesucher ist das recht leicht zu erkennen: Aus den Bohrlöchern in den Stämmen ragen im Frühsommer zentimeterlange Würstchen aus hellem Bohrmehl.

Vor allem im Mai und Juni bohren die Weibchen einen Gang in das Holz des ausgewählten Baumes. Die Pilzsporen für den Wandbewuchs bringen sie mit. Daraus wachsen die üppigen Ambrosiapilzgärten, die den Forschern zufolge bei einer Alkoholkonzentration von zwei Prozent am besten gedeihen. Ob die Käfer dann beim Fressen im Dauerrausch sind, kann Biedermann nicht beurteilen. "Das wäre noch interessant zu klären. Aber ich denke nicht. Ich denke, der Käfer hat gelernt, damit umzugehen."

joe/dpa



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