Ameisen auf Eroberungstour Invasion mit links

Dringen Ameisen in fremde Nester ein, wenden sie sich im Zweifelsfall immer nach links. Das sichert die Orientierung auf fremdem Terrain und deutet auf eine Besonderheit im Hirn der Tiere hin.

Ameise vor dem Labyrinth: Asymmetrie im Hirn
Edmund Hunt

Ameise vor dem Labyrinth: Asymmetrie im Hirn


Ameisen haben beim Erkunden unbekannten Terrains einen Linksdrall: Britische Forscher haben in Versuchen ermittelt, dass sich die in Europa vorkommende Art Temnothorax albipennis tendenziell nach links hält, wenn sie fremde Nester erkundet. Die Seitenpräferenz biete den Tieren gleich mehrere Vorteile, schreibt das Team um Edmund Hunt von der Universität Bristol im Fachblatt "Biology Letters".

Die Wissenschaftler hatten die Ameisen zunächst beim Erkunden eines fremden Nests beobachtet. Schon hier zeigte sich eine deutliche Linkstendenz. Also setzten die Forscher jeweils etwa zehn Späherinnen aus insgesamt 18 Kolonien in einem Labyrinth aus. Auch beim Krabbeln in dem unbekannten Gehäuse hielten sich die Tiere tendenziell nahe der Wände. Mussten sie sich für eine Richtung entscheiden, so wandten sie sich auch hier meist nach links.

Eine endgültige Erklärung für das Verhalten haben die Forscher bislang nicht, aber eine Vermutung: Wenn sich ein einzelnes Tier beim Betreten eines Labyrinths stets in eine Richtung orientiere, habe es eine höhere Chance, entweder wieder zum Eingang zurückzugelangen oder aber einen anderen Ausgang zu finden, ohne sich zu verirren, berichten die Forscher. Wenn viele Artgenossen diese Tendenz teilten, so würden sie sich unterwegs begegnen. Damit sinke das Risiko des einzelnen Tiers, einem Fressfeind zum Opfer zu fallen.

Da Ameisennester Labyrinthen ähneln, könnte die Strategie den Tieren tatsächlich helfen, wieder aus fremden Behausungen herauszufinden.

Asymmetrie im Hirn

Die Forscher vermuten zudem, dass die beiden Augen der Ameisen unterschiedliche Aufgaben haben könnten. Das Linke dient demnach dazu, Feinde zu erspähen und das Rechte der Orientierung. Hierbei könnte auch der Aufbau des Ameisengehirns eine wichtige Rolle spielen.

Die Forscher verweisen darauf, dass sämtliche Wirbeltier-Klassen eine Spezialisierung der beiden Hirnseiten haben. Aber auch manche Wirbellose, darunter auch Insekten, zeigen Asymmetrien in ihrem Verhalten, die auf Asymmetrien des Nervensystems hindeuten. Diese Spezialisierung ermögliche es, zwei Aufgaben gleichzeitig auszuführen, heißt es.

So könnten etwa Echsen oder Fische mit einem Auge - samt der gegenüberliegenden Hirnhälfte - Beute ausmachen und mit den Gegenparts auf der anderen Seite auf Fressfeinde achten. Vermutlich seien Seitenvorlieben bei jenen Arten häufiger, die in Gruppen leben, glauben die Forscher.

jme/dpa



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