Ameisen Die Kleinsten als rettende Basis für Flöße

Für den Fall einer Überschwemmung haben Ameisen eine kluge Strategie: Sie verhaken sich ineinander und bilden so eine schwimmende Plattform. Ausgerechnet die Brut dient dabei als tragende Basis.

Bereit zum Losschwimmen: Eine kleine Gruppe Arbeiterameisen nimmt ihren Platz auf dem lebenden Floß ein
Dumas Galvez

Bereit zum Losschwimmen: Eine kleine Gruppe Arbeiterameisen nimmt ihren Platz auf dem lebenden Floß ein


Wenn Land unter droht, reagieren Ameisen blitzschnell. Sie bauen sich zu lebenden Flößen zusammen, um sich für eine nahende Überschwemmung zu wappnen. Dabei hat jedes Mitglied der Kolonie seinen festen Platz: Die Brut kommt nach unten, die Königin in die schützende Mitte. Was fies klingt, macht durchaus Sinn. Denn die Larven und Puppen haben einen größeren Auftrieb als die anderen Mitglieder der Ameisenpopulation, erklären Schweizer Forscher jetzt im Fachmagazin "Plos One".

Die Kleinen bilden eine schwimmende Plattform, auf der der Rest der Kolonie sich versammeln kann. Auch wenn sie dabei nicht trocken bleibt, ist die Überlebensrate bei einer solchen Floßevakuation auch bei der Brut erstaunlich hoch.

Wissenschaftler haben ein solches Rettungsmanöver nun genauer bei Waldameisen beobachtet. Die Art Formica selysi ist in Flussauen der Alpen und der Pyrenäen weit verbreitet. Während eines Hochwassers liegen die Nester der Insekten teils tagelang unter Wasser. Zwar ist schon länger bekannt, dass sich Ameisen einiger Arten bei Überschwemmungen zu einem Floß zusammenschließen. Die Tiere verhaken sich dabei mit ihren Hinterbeinen und den Mundwerkzeugen ineinander. Ob bei diesem Floßbau einige Tiere bewusst auf ungünstigen Positionen geopfert werden oder ob bestimmte Koloniemitglieder bestimmte Aufgaben haben, war bisher jedoch kaum untersucht.

Arbeiter müssen einsatzfähig bleiben

Das Team um Jessica Purcell von der Universität Lausanne stellte für seine Studie eine solche Überschwemmung nach. Die Forscher beobachteten, dass die Arbeiterameisen die Larven und Puppen zunächst an der Basis des Floßes platzierten. Darauf versammelten sie sich dann in etwa drei übereinanderliegenden Schichten. Die Königin bekam stets den Platz in der Mitte, sodass sie von unten und oben bedeckt und vor Wasser geschützt war. Weitere Experimente zeigten, dass die Brut einen höheren Auftrieb besitzt als die anderen Mitglieder der Kolonie. Außerdem überstanden sie auch lange Zeit unter Wasser unbeschadet.

Doch was tun Ameisen, in deren Kolonie es gerade keine Brut gibt? Im Laborversuch bildeten die Arbeiter in so einem Fall selbst die Grundlage des Floßes, berichten die Forscher. Auch sie überlebten selbst stundenlanges Untertauchen ohne Schaden zu nehmen. Allerdings benötigten sie etwa eine Stunde, um sich zu erholen, nachdem sie wieder Land erreicht hatten. Aus diesem Grund sei es aus Sicht der Kolonie sinnvoller, die Brut als Plattform einzusetzen. Dadurch werde sichergestellt, dass die Arbeiter schnell wieder einsatzfähig sind, wenn das Floß auf dem Trockenen ankommt. Der Nachwuchs werde geschützt und die Kolonie zusammengehalten.

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Ameisen in Süddeutschland: Die krabbelnde Plage

dal/dpa



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