Fund im Magen Ameisenart in Gift-Frosch entdeckt

Bei der Suche nach unbekannten Insektenarten gehen Forscher ungewöhnliche Wege: Sie analysieren den Mageninhalt von Fröschen. Die Amphibien überstehen die Prozedur praktisch unbeschadet.

Zookeys/ Christian Rabeling

Im Magen eines giftigen Frosches haben Forscher eine neue Ameisenart aufgespürt. Sie habe den wissenschaftlichen Namen Lenomyrmex hoelldobleri erhalten - zu Ehren des deutschen Verhaltensforschers Bert Hölldobler, der in diesem Jahr 80 wurde, berichtet das Team im Fachmagazin "Zookeys".

Die Forscher um Christian Rabeling von der University of Rochester im US-Bundesstaat New York hatten den Mageninhalt eines Wald-Baumsteigers (Oophaga sylvatica) aus dem Nordwesten Ecuadors untersucht. Diese zu den Pfeilgiftfröschen zählende Art lebt in den Regenwäldern des nördlichen Südamerikas, vor allem in Kolumbien und Ecuador.

Aus der Ameisen-Gruppe Lenomyrmex sind erst wenige Funde verschiedener Arten erfasst. Alle sieben bekannten Lenomyrmex-Arten leben in Regenwäldern zwischen 500 und 1800 Metern über dem Meeresspiegel. Ihre langen, schmalen Mundwerkzeuge - die Mandibeln - weisen nach Ansicht der Forscher auf eine räuberische, auf bestimmte Beutetiere spezialisierte Lebensweise hin.

Analyse nach der Magenspülung

Meist werden neue Ameisenarten in Amerika bei Analysen des Laubteppichs in Regenwaldgebieten aufgespürt. Die Wissenschaftler um Rabeling schlagen vor, die Untersuchung des Mageninhaltes räuberisch lebender Frösche verstärkt für die Suche nach neuen Insektenarten zu nutzen. Die Tiere müssten dafür nicht getötet werden, erklären sie. Es gebe eine Methode, bei der die Mägen der Amphibien mit Wasser gespült werden, um herauszufinden, wovon sie sich ernähren.

Die Spezialisierung der Frösche auf bestimmte Ameisen und Milben als Nahrung sei zudem sehr interessant, weil die Tiere wahrscheinlich ihre Gifte aus der aufgenommenen Nahrung herstellten, erläutert Rabeling. Würden Pfeilgiftfrösche zum Beispiel in Europa in Terrarien gehalten und mit Fruchtfliegen gefüttert, verlören sie ihre Giftigkeit. "Es scheint also einen direkten Zusammenhang zwischen aufgenommener Nahrung und dem Gift zu bestehen."

BBC-Dokumentation

Von Annett Stein, dpa

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