Überraschende Erholung Frösche wehren sich gegen Todes-Pilz

Ein eingeschleppter Pilz rafft seit Jahren etliche Frösche und andere Amphibien in Amerika und Australien dahin. Doch immer mehr Tiere können sich gegen den tödlichen Feind wehren.

DPA/ Cori Richards-Zawacki

Nach einer Pilzepidemie haben sich einige fast ausgestorbene Frösche und andere Amphibien in Panama wieder erholt. Besonders interessant ist das, weil sich der Erreger nach Ansicht von Forschern nicht verändert hat - und genauso infektiös ist wie zuvor. Das heißt: Die Tiere können sich offenbar besser gegen eine Erkrankung wehren. So jedenfalls sehen es die Forscher um Jamie Voyles von der University of Nevada in Reno (USA).

Vor über zehn Jahren war bei bestimmten Amphibienarten weltweit eine schwere Epidemie ausgebrochen: Der sogenannte Chytridpilz infiziert die Haut von Fröschen, Kröten und Molchen, woraufhin diese innerhalb kurzer Zeit sterben - auch weil der Eindringling das Immunsystem der Tiere ausschaltet.

Ausgebreitet hatte sich der hochansteckende Pilz über den Export von Afrikanischen Krallenfröschen, die sich besonders gut für medizinische Studienzwecke eignen. Die Erkrankung hat seither vor allem in Amerika und Australien ganze Arten ausgerottet. Aber auch Arten wie Salamander in Europa sind bedroht.

Besonders gut dokumentiert ist dieser Zusammenbruch an Untersuchungsorten in Panama. Im Fachmagazin "Science" berichten die Forscher um Voyles nun aber von erfreulichen Entdeckungen genau dort: Neun von zwölf analysierten Amphibienarten, die bereits als nahezu ausgerottet galten, haben sich nämlich erholt.

Zwei Froscharten (Atelopus varius und Colostethus panamensis) bilden nun bereits ähnlich große Populationen wie vor dem Auftreten der Epidemie. Der Pilz, der bei einigen Arten fast 100 Prozent der Tiere befallen hatte, ist nun weit weniger verbreitet.

Pilz hat sich nicht verändert

Auf der Suche nach den Gründen für die Erholung verglichen die Wissenschaftler zunächst Erregerstämme aus der Hochzeit der Epidemie von 2004 mit Erregerstämmen aus den Jahren 2012 und 2013, als sich erste Arten bereits erholten. Dabei ergaben sich keine Unterschiede: Der Pilz wächst gleich schnell, ist genauso infektiös - und hat sich auch in seinem Erbgut nicht entscheidend verändert.

Daraufhin testeten die Forscher indirekt, inwieweit die überlebenden Amphibien sich schützen konnten: Sie untersuchten, wie gut Hautsekrete wirken, welche die Tiere absondern, um den Erreger zu bekämpfen. Vor und während der Epidemie waren Tieren solche Sekrete entnommen worden. Der Vergleich zeigte, dass die Hautsekrete während der Epidemie wohl bereits effektiver gegen den Pilz wirkten als davor. Bei einigen Arten zeigte sich der Unterschied allerdings deutlicher als bei anderen.

Froschpopulationen verglichen

Die Forscher verglichen außerdem die Sekrete zweier Populationen einer Stummelfußfroschart. Eine Population war bereits vor der Epidemie zu Forschungszwecken der Natur entnommen worden. Sie vermehrt sich seitdem in Gefangenschaft und ist nie mit dem Erreger in Kontakt gekommen. Die andere Population war in freier Wildbahn nach der Epidemie wiederaufgetaucht.

Die Sekrete der vor Jahren gefangenen Tiere zeigten nahezu keinen Effekt gegen den Pilz. Die Effektivitätsrate lag bei unter 20 Prozent. Bei den wilden Fröschen lag die Effektivitätsrate bei fast 80 Prozent. Dies Ergebnis lege eine Resistenzbildung nahe, so die Forscher.

Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass eine gewisse Resistenzbildung möglich ist. So konnten Tiere, die im Labor nur kurzzeitig mit dem Pilz in Kontakt kamen, diesen später meiden und auch eine bessere Immunabwehr aufbauen. Auch hatten Studien bereits ergeben, dass Arten mit bestimmten Genveränderungen des Immunsystems den Pilz abwehren können. Ein anderer Ansatz war die gezielte Behandlung von Biotopen, um die Ausbreitung des Pilzes zurückzudrängen.

Die Forscher erhoffen sich durch weitere Untersuchungen auch grundsätzliche Erkenntnisse über den Verlauf von Epidemien. Da Infektionskrankheiten Pflanzen, Tiere und Menschen bedrohen, müsse geklärt werden, wie Epidemien enden könnten, so die Forscher.

chs/dpa

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