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Angepasste Vögel: Amseln sind in der Stadt länger wach

Sie singen früher und gehen später schlafen: Amseln verhalten sich in Städten deutlich anders als auf dem Land, wie Studien ergeben haben. Die Waldvögel haben sich demnach erstaunlich gut an das Zusammenleben mit dem Menschen angepasst.

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DPA

Stadtbewohner Amsel: Der frühe Vogel schnappt den Wurm - für das späte Abendessen

Amseln in beleuchteten Stadtgebieten essen abends später als ihre Artgenossen im dunklen Wald. Das haben Forscher aus Leipzig herausgefunden, die 200 der Vögel beobachtet hatten. Insbesondere Männchen sind stärker nachts aktiv, berichtet das Team im"Journal of Ornithology".

Die Biologen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und der Universität der Stadt hatten 200 Amseln (Turdus merula) mit Ringen markiert und beobachtet. "An den kurzen Tagen im März beendeten die Amseln im Wald ihre Nahrungssuche fast eine Stunde eher als ihre Artgenossen in der beleuchteten Innenstadt", erklärt UFZ-Forscherin Anja Ruß. Die Zeitdifferenz sei vor allem von der natürlichen Tageslänge abhängig. "Im Sommer waren es am Ende nur noch wenige Minuten Unterschied zwischen Stadt und Wald."

Ein Unterschied zeigte sich auch zwischen den Geschlechtern. Während im Gehölz die abendliche Aktivität bei Männchen und Weibchen gleich war, verließen in der Stadt meist die männlichen Amseln zuletzt die Futterstellen. Dies liege an der höheren Lichtsensibilität der Männchen, vermuten die Forscher. Die Amselhähne seien etwas größer als die Weibchen und somit auch ihre Augen. "Das wenige Mehr an Licht, dass durch die Straßenbeleuchtung kommt, nutzen die Männchen besser als die Weibchen", meint Reinhard Klenke vom UFZ. Ob die Vögel, die länger am Tag fressen, auch schwerer werden oder eine bessere körperliche Verfassung haben, geht aus der Studie nicht eindeutig hervor.

In der Stadt früher paarungsbereit

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Forscher herausgefunden, dass Amseln in der Stadt aufgrund von Lichtquellen und Lärm bis zu fünf Stunden früher mit ihrem Gesang starten als ihre Artgenossen in ruhigeren und weniger stark beleuchteten Außenbereichen von Leipzig. Nach einer früheren Studie des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee hat vor allem künstliches Licht in der Stadt auf fünf der sechs untersuchten Vogelarten einen Einfluss auf den Beginn des Singens. Der morgendliche Stadtlärm sei dafür weniger bedeutend.

Eine weitere Studie desselben Instituts kam zu dem Ergebnis, dass Stadtamseln im Durchschnitt 30 Minuten vor den Landamseln aufwachen und den Tag neun Minuten später beenden. Ähnliches hatten die Forscher auch bei Blaumeisen beobachtet. Zudem sind zumindest männliche Amseln in Städten früher im Jahr paarungsbereit: Ihr Testosteronspiegel steigt, und ihre Hoden reifen früher im Jahr.

Amseln, die ursprünglich Waldvögel waren, haben sich seit dem 19. Jahrhundert gut an die Bedingungen der Stadt angepasst. Es gibt aber auch eindeutige Nachteile für Vögel durch künstliches Licht. Häufig werden insbesondere Zugvögel von Lichtquellen angezogen und sterben dann beim Zusammenprall mit Leuchttürmen oder lichtdurchfluteten Hochhausfassaden.

Hässliches Entlein, schöner Schwan

nik/dpa

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