Antarktis Erwärmung verursachte Schelfeis-Bruch

720 Milliarden Tonnen Eis lösten sich ab, als 2002 das antarktische Larsen-B-Schelfeis auseinanderbrach. An der globalen Erwärmung gelegen habe das aber nicht, hieß es. Italienische Forscher kommen nun zu einem anderen Ergebnis.

Was vom Schelfeis übrig blieb (Archiv): Weshalb der Abbruch erfolgte, ist unter Wissenschaftlern umstritten
REUTERS/ Mariano Caravaca

Was vom Schelfeis übrig blieb (Archiv): Weshalb der Abbruch erfolgte, ist unter Wissenschaftlern umstritten


Das Abbrechen großer Teile des Larsen-B-Schelfeises im Jahr 2002 geht auf die Erwärmung der Oberfläche des Eispanzers zurück. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam nach der Untersuchung der Schichten unter dem antarktischen Schelfeis. Instabilitäten an dieser Aufsetzlinie seien nicht der Grund für den Kollaps gewesen, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Science".

Das Larsen-B-Schelfeis nahe der Südspitze Amerikas war zwischen Februar und März 2002 in sehr kurzer Zeit auseinandergebrochen. Etwa 3250 Quadratkilometer lösten sich von der Eisfläche - rund 720 Milliarden Tonnen Eis. Nach dem Abbruch beschleunigte sich auch die Fließgeschwindigkeit einiger Gletscher rapide, die zuvor in das Schelfeis gemündet waren.

Einige Forscher hatten angenommen, dass das Abbrechen des Eises nicht direkt auf die globale Erwärmung zurückzuführen sei. Das Schelf sei schon lange geschwächt gewesen und habe den Kontakt zu den darunter liegenden stabilisierenden Schichten verloren, so ihre Vermutung.

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Antarktis: Schelfeis droht Gefahr von unten

Diagnose per Ausschlussverfahren

Diese Ansicht widerlegen nun die Wissenschaftler um Michele Rebesco vom Nationalen Institut für Ozeanographie in Sgonico, Italien. Sie untersuchten die Region genauer, die bisher von Eis und Schnee bedeckt war und erst seit dem Abbruch des Schelfeises zugänglich ist. Dabei konzentrierten sie sich vor allem auf die sogenannte Aufsetzlinie. Das ist die Linie, bis zu der das Eis auf dem Meeresboden aufliegt.

Die Analysen zeigten, dass es in der zugrunde liegenden Schicht seit etwa 12.000 Jahren zu keinen gravierenden Änderungen gekommen ist. Wenn diese Möglichkeit auszuschließen ist, müsse die Erwärmung an der Oberfläche für den Kollaps verantwortlich sein, schreiben die Forscher.

Das hatten viele Experten bereits direkt nach dem Kollaps des Eisschelfs vermutet. Durch die Erwärmung sammele sich zunehmend Schmelzwasser auf dem Eis. Es dringe in Risse und Spalten ein und erweitere diese beständig - bis die Eisschicht irgendwann zerbreche.

Ein besseres Verständnis dieser Prozesse sei auch notwendig, um besser abschätzen zu können, wie sich das Abschmelzen des antarktischen Eises auf den Anstieg des Meeresspiegels auswirkt. Der Verlust des Schelfeises erhöht den Meeresspiegel nicht, da das Eis ja schon im Wasser treibt. Anders ist das aber, wenn Gletscher wegen des Verlusts an Schelfeis schneller ins Meer fließen.

nik/dpa



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fpwinter 12.09.2014
1. Wir befinden uns halt erdgeschichtlich
in einer Phase der Aufwärmung nach einer Zwischeneiszeit. Deswegen schmelzen halt seit 150 Jahren die Gletscher. Wenn nicht wieder eine dazwischen kommt, haben wir in 180.000 Jahren wieder eine Heißzeit. So what?
chwe 12.09.2014
2. Und die vorherigen Warmzeiten ?
"dass es in der zugrundeliegenden Schicht seit etwa 12.000 Jahren zu keinen gravierenden Änderungen gekommen ist..." und was ist mit der mittelalterlichen Warmzeit oder in der Antike als Hannibal ueber die eisfreien Alpen kam ? Diese viel laengeren und waermeren Perioden hatten also keine "gravierenden Aenderungen" zur Folge aber die die paar Jahre seit der Erwaermung in den 80ern schon ? Voellig unabhaengig davon wie stark der CO2 Einfluss tatsaechlich ist macht das irgendwie keinen Sinn.
pace335 12.09.2014
3. Ich lach mich kaputt,
wie hier die Algemeinheit durch irgendwelche "Forscher" veralbert werden.
knuty 12.09.2014
4.
Zitat von chwe"dass es in der zugrundeliegenden Schicht seit etwa 12.000 Jahren zu keinen gravierenden Änderungen gekommen ist..." und was ist mit der mittelalterlichen Warmzeit oder in der Antike als Hannibal ueber die eisfreien Alpen kam ? Diese viel laengeren und waermeren Perioden hatten also keine "gravierenden Aenderungen" zur Folge aber die die paar Jahre seit der Erwaermung in den 80ern schon ? Voellig unabhaengig davon wie stark der CO2 Einfluss tatsaechlich ist macht das irgendwie keinen Sinn.
Das "Römische Optimum" als auch das "Mittelalterliche Optimum" und auch die "Kleine Eiszeit" gab es nur im europäischem, bzw. nordatlantischem Raum und nicht weltweit.
Stefan_G 12.09.2014
5. zu #2
"und was ist mit der mittelalterlichen Warmzeit oder in der Antike als Hannibal ueber die eisfreien Alpen kam ? Diese viel laengeren und waermeren Perioden hatten also keine "gravierenden Aenderungen" zur Folge aber die die paar Jahre seit der Erwaermung in den 80ern schon ?" Einfache Antwort: Es war sowohl im Mittelalter als auch in der Antike weniger warm als heute. Beispielsweise bekamen die Römischen Kaiser Eis und Schnee aus dem Apennin zur Herstellung von Speiseis gebracht (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Speiseeis) Das wäre nicht denkbar gewesen wenn es noch heißer als heutzutage gewesen wäre. Besipielsweise wurden im Mittelalter in Mitteleuropa im Frühjahr oft Brücken durch Eisgang weggerissen. Abgesehen davon dass Brücken heute stabiler sind: es gibt im Frühjahr auch nahezu keinen Eisgang mehr auf Flüssen.
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