Fossilfund in der Antarktis Der Dino-Opa, der aus der Kälte kam

An einem Berg der Antarktis haben Forscher Knochen eines Vorfahren der Dinosaurier gefunden. Der Fund erinnert an eine Zeit, als der Südkontinent noch nicht die Tiefkühltruhe der Erde war - sondern teils von Regenwäldern bedeckt.

Adrienne Stroup/ Brandon Peecook/ Field Museum

Einst wimmelte es in der Antarktis nur so von Leben. Vor allem an den Küsten gab es dichte Wälder, in denen Insekten durch die warme und feuchte Luft sirrten und größere Tiere das Unterholz bevölkerten. Allein in der Fossiliensammlung des British Antacrtic Survey finden sich 40.000 Fundstücke, die an diese bewegten Zeiten erinnern.

Und gerade ist die Gruppe der einstigen antarktischen Bewohner wieder etwas größer geworden. Ein bisher unbekanntes Exemplar, einen Vorfahren der Dinosaurier, haben Forscher um Brandon Peecook vom Field Museum of Natural History in Illinois im Fachmagazin "Journal of Vertebrate Paleontology" näher vorgestellt. Das von ihnen entdeckte Tier haben die Wissenschaftler Antarctanax shackletoni genannt.

Der erste Teil des Namens bedeutet "König der Antarktis", der zweite erinnert an den britischen Entdecker Ernest Shackleton, der im Jahr 1922 bei einer Antarktis-Expedition gestorben war, vermutlich an einem Herzinfarkt.

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Antarctanax shackletoni: Dino-Vorfahr aus der Antarktis

Antarctanax shackletoni sei so groß wie ein Iguana. Er habe zu den Archosauria gehört und sei damit unter anderem ein früher Vorfahr der Krokodile und Dinosaurier, so Peecook und Kollegen. Mit Hilfe des - allerdings unvollständigen - Fossils sei es möglich, die Entwicklung dieser Arten besser zu verstehen.

"Je mehr wir über die prähistorische Antarktis wissen, desto wundersamer wird es", sagt Forscher Peecook. "Wir dachten, dass die Tiere dort vergleichbar waren mit denen im südlichen Afrika, weil diese Landmassen damals in der Nähe voneinander lagen. Aber wir finden immer wieder heraus, dass die antarktische Tierwelt verblüffend einzigartig ist."

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Antarktis: Aus der Wärme in die Kälte

Die Forscher fanden das Fossil am Griphite Peak, einem 3260 Meter hohen Berg im Transantarktischen Gebirge. In der dortigen Fremouw-Felsformation hatte es seit den Sechzigern immer wieder einmal Funde von Wirbeltierüberresten gegeben. Diesmal konnten unter anderem Hals- und Rückenwirbel sowie Teile der Extremitäten geborgen werden.

Das Tier habe vor etwa 250 Millionen Jahren gelebt und sich von Fleisch ernährt. Es habe Insekten, frühe Verwandte der Säugetiere sowie Amphibien gejagt. Damals seien die Temperaturen an der Küste der Antarktis selten unter den Gefrierpunkt gefallen, so die Forscher. Allerdings mussten die Lebewesen der Antarktis auch zu dieser Zeit mit der Polarnacht klarkommen, in der für Monate Dunkelheit herrscht. Besonders für die Pflanzen, die Licht zur Photosynthese brauchen, war das eine extreme Herausforderung.

Schnelle Evolution nach dem Massenaussterben

Frühe Fossilfunde aus der Antarktis gibt es schon aus der Zeit von vor 280 Millionen Jahren. Sie stammen damit vor dem großen Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze vor etwa 252 Millionen Jahren. Damals, so sehen es Forscher heute, starben etwa 90 Prozent aller Tierarten im Meer und 70 Proznet der Spezies an Land aus. Das hatte unter anderem mit dem großflächigen Ausstoß von Flutbasalt durch Vulkane in Sibirien und dem damit einhergehenden starken Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre zu tun.

Der Antarctanax lebte nach dieser Katastrophe. Die Zeit war nach Ansicht von Forschern durch schnelle evolutionäre Veränderungen im Tierreich gekennzeichnet. Viele ökologische Nischen waren nach dem Aussterben älterer Arten frei geworden und konnten nun kurzfristig wieder besetzt werden. Zu den Profiteuren gehörten die Archosauria. Vor dem Massenaussterben hätten die Tiere nur am Äquator gelebt, so Forscher Peecook, später dann auch in der Antarktis.

Zur planetaren Tiefkühltruhe wurde das Gebiet übrigens durch eine Verschiebung der Meeresströmungen. Seit etwa fünf Millionen Jahren ist die Antarktis beinahe komplett vereist.

chs



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