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Antarktiseis: "In der Hand des Menschen"

Fjorde, Seen, Gebirge - die Antarktis ohne Eis: Diese Karte haben Forscher der TU Dresden und des Alfred-Wegener-Instituts jüngst veröffentlicht. Sie zeigt, wie der Südkontinent ohne Eisbedeckung aussehen würde - weite Teile lägen unter Wasser. Zur Großansicht
TU Dresden/ AWI/ Lars Radig

Fjorde, Seen, Gebirge - die Antarktis ohne Eis: Diese Karte haben Forscher der TU Dresden und des Alfred-Wegener-Instituts jüngst veröffentlicht. Sie zeigt, wie der Südkontinent ohne Eisbedeckung aussehen würde - weite Teile lägen unter Wasser.

Wie stark taut der Eispanzer der Antarktis? Forscher haben zwei Szenarien berechnet: Die Menschheit hat es demnach in der Hand, das Schmelzen zu bremsen.

Eine der größten Gefahren der Zukunft birgt der Eispanzer der Antarktis: Wie stark die erwartete Klimaerwärmung die Gletscher des Südkontinents schrumpfen lassen wird, entscheidet darüber, wie hoch die Meere steigen werden. Berechnungen zeigen nun, wann eine Katastrophe droht.

Ungemach droht vor allem aus dem Ozean: Wärmt sich das Wasser vor der Antarktis, schmelzen Gletscher, die wegen ihrer gigantischen Masse vor der Küste auf dem Meeresgrund liegen. Das sogenannte Schelfeis blockiert bislang den Eisabfluss von der Antarktis - wie Korken auf einer Flasche. Schwinden jedoch die Eisriegel, dürfte sich die Gletscherdrift ins Meer erheblich beschleunigen.

Forscher um Luke Trusel von der Woods Hole Oceanographic Institution in den USA haben am Computer nun zwei Szenarien simuliert: Im ersten testeten sie, wie das Antarktiseis reagieren könnte, würde die Menschheit ungebremst Treibhausgase aus Fabriken, Autos und Kraftwerken in die Luft pusten. Im zweiten berechneten sie den Gletscherschwund für den Fall, dass es gelänge, den CO2-Ausstoß deutlich einzuschränken.

Das Ergebnis:

  • In beiden Szenarien verdoppelt sich die Schmelzwassermenge aus der Antarktis bis zur Mitte des Jahrhunderts. Die Antarktis würde dann gut einen halben Millimeter pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg beitragen.
  • In der zweiten Jahrhunderthälfte aber erhöhte sich die Schmelzwassermenge der Antarktis im wärmeren Szenario auf gut anderthalb Millimeter Meeresspiegelanstieg pro Jahr - die Menge entspricht der Hälfte des derzeitigen globalen Meeresspiegelanstiegs.
  • Im Fall des gemäßigten Treibhausgasausstoßes indes würde sich der jährliche Beitrag an Schmelzwasser aus der Antarktis nicht weiter erhöhen.

Die Verlässlichkeit solcher Berechnungen gilt zwar als zweifelhaft, wie der Uno-Klimarat IPCC in seinem aktuellen Sachstandsreport einräumt. Er schreibt: "In die Berechnungen des Meeresspiegelanstiegs mittels der Eismodelle haben wir nur mittelmäßiges Vertrauen." Die Kenntnisse über das Verhalten der Gletscher seien ungenügend.

Gleichwohl ließen sich mit den Modellen grobe Trends berechnen, meinen Klimaforscher. Ihre Ergebnisse zeigten, dass die künftige Entwicklung des antarktischen Eisschilds in der Hand des Menschen liege, schreiben Luke Trusel und seine Kollegen nun im Fachmagazin "Nature Geoscience": Der CO2-Ausstoß entscheide, ob sich die Schmelze auf dem Südkontinent drastisch verstärke.

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1. Was denn nun, ihr lieben Wetterfrösche ?
32deins 13.10.2015
Das Eis in der Antarktis nimmt doch eher zu und nicht ab. Hat man die Antarktis vor lauter Untergangseuphorie jetzt schon mit der Arktis verwechselt? Wohl zuviel grünes Gras geraucht? ^^
2. 1,5 mm pro Jahr !
cum infamia 13.10.2015
Soll ich mich bei 1,5mm pro Jahr Meeresanstieg fürchten? Das sind in 100 Jahren 10 cm. Den Rest erledigen meine Nachkommen. Viel Freude !
3. Landeis
dritter_versuch 13.10.2015
Zitat von 32deinsDas Eis in der Antarktis nimmt doch eher zu und nicht ab. Hat man die Antarktis vor lauter Untergangseuphorie jetzt schon mit der Arktis verwechselt? Wohl zuviel grünes Gras geraucht? ^^
Hier ist nur das Landeis gemeint, was abnimmt. http://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-aber-am-suedpol-nimmt-die-eismasse-zu Zunehmen tut das Meereis.
4. Verlässlichkeit solcher Berechnungen: zweifelhaft
kayakclc 13.10.2015
sagt mitlerweile auch Uno-Klimarat IPCC selbst. Eine nette Meldung, solange man damit sich an den schönen Bildern erfreut und nicht damit Politik machen will. Ich hatte schon ein Bootsanlegesteg im Garten geplant. bei dem Anstieg von 1.5mm/Jahr muss ich leider noch 58.000 Jahre warten, wenn die Vorhersage überhaupt stimmt. Bis dahin haben wir sowieso wieder eine Eiszeit und meine Nachkommen sind wahrscheinlich mit dem Auswandern nach Afrika beschäftigt. Im Ernst, also entweder ist der Artikel falsch oder es komt nur zu 15cm Meeresanstieg in 100 Jahren. Das sollten bei einem Wellengang von 1-2m auch die meisten Südseeinseln überlegen. Also jetzt ist nicht mehr von 1-2m Panikmeeresanstieg die reden.. anscheinend bracht man da ein anderes Computermodell der Konkurenz.
5. Mal was gehört - und dann nicht richtig verstanden.
KaWeGoe 13.10.2015
Zitat von 32deinsDas Eis in der Antarktis nimmt doch eher zu und nicht ab. Hat man die Antarktis vor lauter Untergangseuphorie jetzt schon mit der Arktis verwechselt? Wohl zuviel grünes Gras geraucht? ^^
Es ist richtig, dass der Eispanzer in der Antarktis nicht so schnell abnimmt, wie es die Klimamodelle vorraussagen. Warum das so ist, war in den letzten Jahren Gegenstand etlicher wissenschaftlicher Arbeiten. Mittlerweile kann man es erklären - und es ist auch in dem Artikel erwähnt. Das Schelfeis setzt vor der Küste auf dem Meeresboden auf. Darum gleiten die Gletscher nicht so schnell ins Meer. (Korkeneffekt). Wer lesen kann - ist klar im Vorteil !
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