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Antarktis: Eisschmelze lässt Meeresspiegel weniger stark steigen

Neues vom Westantarktischen Eisschild: Das Abschmelzen der weißen Massen könnte nach einer neuen Prognose etwas weniger dramatische Auswirkungen haben als bisher vermutet - was Bewohner von Bangladesch oder der US-Ostküste kaum trösten dürfte.

Chicago - Der Westantarktische Eisschild ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Wackelkandidat. Noch wissen die Forscher nicht, wann und wie stark die riesige Eismasse abschmelzen könnte, doch die Prognosen verheißen wenig Gutes: Wenn sich die Erde um fünf Grad Celsius erwärmt - ein Wert, der schon bis zum Jahr 2100 erreicht sein könnte -, dann dürfte sich der Eisschild komplett auflösen. Das liegt daran, dass große Teile des Eises auf einem Felsenuntergrund ruhen, der unterhalb des aktuellen Meeresspiegels liegt - und daran, dass sich auch die Antarktis beständig erwärmt.

Pinguine in der Antarktis: Anstieg der Meeresspiegel um 3,20 Meter
AFP

Pinguine in der Antarktis: Anstieg der Meeresspiegel um 3,20 Meter

Erdgeschichtlich ist das nichts Neues. Die Westantarktis war vor fünf Millionen und dann noch einmal vor drei Millionen Jahren - und vielleicht sogar noch häufiger - komplett eisfrei. Damals führte das zu einem Meeresspiegelanstieg von geschätzten fünf Metern. Forscher um Jonathan Bamber von der University of Bristol in Großbritannien stellen nun im Fachmagazin "Science" aktuelle Modellrechnungen vor, wie stark die Pegel diesmal steigen könnten.

Man kann ihre Ergebnisse positiv interpretieren: Die Forscher rechnen mit einem Anstieg der Meeresspiegel um 3,20 Meter. Das liege daran, dass nicht der komplette Eisschild kollabieren und ins Meer rutschen werde. Ältere Studien hatten das aber vorhergesagt und gingen deswegen von einem Plus von fünf bis sieben Metern aus.

Doch das sind nur auf den ersten Blick gute Nachrichten: "17 Millionen Menschen allein in Bangladesch werden zu Flüchtlingen, wenn der Meeresspiegel auch nur um anderthalb Meter ansteigt", sagt Bamber. Und auch im globalen Maßstab ergeben sich Probleme. Die Wissenschaftler geben zu bedenken, dass bereits der Anstieg der Meeresspiegel um nur einen Meter ausreiche, um die Erde aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die zusätzlichen Wassermassen würden das Gravitationsfeld in der südlichen Hemisphäre schwächen und die Erdrotation beeinflussen. Als Folge seien erhebliche regionale Schwankungen der Meeresspiegel zu erwarten.

Im Norden würden die Ozeane stark anschwellen. Besonders die West- und Ostküste der USA seien von einem starken Anstieg bedroht. "Das Meeresspiegel-Profil ist unabhängig davon, wie schnell das und wieviel des West-Antarktis-Schelfeises kollabieren", sagt Jonathan Bamber. Selbst ein Anstieg um nur einen Meter über einen langen Zeitraum werde dazu führen, dass der Meeresspiegel an den nordamerikanischen Küsten um ein Viertel über dem globalen Durchschnitt liege.

chs/AFP/Reuters

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