Antarktis Forscher entdecken kältesten Ort der Welt

Hier zu atmen, wäre lebensgefährlich: In der Antarktis ist ein neuer Kälterekord für die Erde gemessen worden. Viel eisiger kann es laut den Forschern auch nicht werden.

Gletscherzunge in der Antarktis (Symbolbild)
Joel Bensing/ DPA

Gletscherzunge in der Antarktis (Symbolbild)


Der kälteste Ort der Welt ist noch kälter, als Wissenschaftler bisher dachten. In kleinen Tälern im Herzen der Antarktis haben Satelliten Temperaturen von bis zu minus 98 Grad Celsius gemessen, berichten US-Forscher. Damit ist es dort etwa 50 Grad kälter als in Sibirien.

Die Forscher um Ted Scambos vom National Snow and Ice Data Center in Boulder, USA, sind seit Längerem auf der Jagd nach dem Kälterekord und analysierten Temperaturmessungen von Satelliten aus den vergangenen Jahrzehnten. Die bisher tiefste Temperatur, die die Satelliten gemessen hatten, lag bei minus 93,2 Grad Celsius.

Eine weitere Auswertung der Daten aus den Jahren 2004 bis 2016 zeigte nun, dass die Oberflächentemperatur an etwa hundert Stellen sogar auf bis zu minus 98 Grad Celsius gefallen ist, wie die Forscher in den "Geophysical Research Letters" berichten.

"Machen Sie ein Foto und hauen Sie ab"

Der neue Kälterekord wurde in kleinen Tälern der Hochebene im Osten der Antarktis gemessen. Am kältesten wurde es demnach in der Polarnacht am 23. Juli 2004 mit einer Temperatur von minus 98,6 Grad Celsius. "Der Rekord ist wohl das Kälteste, was an der Erdoberfläche auftreten kann", sagte Scambos.

Menschen könnten bei solchen Temperaturen kaum überleben. Allein das Atmen wäre lebensgefährlich. Schon ab minus 15 Grad Celsius kann der Körper die eingeatmete Luft nicht ausreichend erwärmen, bis sie die Lunge erreicht. Die Folge sind Schmerzen beim Einatmen. Bei minus 98 Grad Celsius würden sich die Bronchien, Schleimhäute und die Lungengefäße nach kurzer Zeit zusammenziehen und verkrampfen. Atmen wäre nicht mehr möglich.

Ab Temperaturen von Minus 50 bis Minus 60 Grad Celsius erleiden Menschen außerdem innerhalb von Sekunden Erfrierungen an Nase, Hände und Ohren. Innerhalb einer halben Stunde wäre der ganze Körper durchgefroren.

Deshalb untersuchen die Forscher das Kältetal der Antarktis aus sicherer Distanz mithilfe von Satelliten. "Machen Sie ein Foto, und dann hauen Sie verdammt noch mal ab", witzelte Scambos bereits im Jahr 2013.

Kältepaket in der Senke

Wie war diese Temperatur überhaupt möglich? Die Forscher meinen, die Kälte mit einer klaren Polarnacht und der besonderen Landschaft erklären zu können: Ohne Wolken entweicht die verbleibende Wärme vom Höhenrücken ins All.

Hinzu kommt, dass kalte Luft schwerer ist als warme, weil die Luftteilchen sich langsamer bewegen und deshalb mehr Teilchen pro Volumen enthalten. Von der Schwerkraft gezogen, rutschte das Kältepaket in die Senke, wo es liegen blieb.

Während der kalten Polarnacht verlor es weiter an Wärme - bis schließlich die Rekordkälte erreicht war. Eine weitere Rolle spielt laut den Forschern auch extrem trockene Luft. "Dadurch kann die Wärme der Schneeoberfläche leichter ins All abstrahlen", sagte Scambos.

Die Rekordkälte wurde vom Satelliten Terra allerdings direkt auf dem Eis gemessen. Wetterstationen messen dagegen Temperaturen der Luft. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erkennt den neuen Kälterekord deshalb nicht offiziell an. Laut WMO liegt dieser bei minus 89,2 Grad Celsius und wurde am 21. Juli 1983 in der Antarktis gemessen.

Video: Eissafari mit dem Kreuzfahrtschiff - Luxusliner zur Antarktis

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