Umzug in der Antarktis Schwing die Kufe!

Logistische Meisterleistung: Eine britische Forschungsstation ist in der Antarktis auf Riesenskiern übers Eis gerutscht - immer schön langsam und vorsichtig. Nach 13 Wochen stand "Halley VI" an ihrem neuen Standort.

British Antarctic Survey/ dpa

Umzüge sind immer ein wenig nervig. Und besonders kompliziert wird es, wenn sperriges Inventar transportiert werden muss. Einen Umzug der besonderen Art gab es jetzt in der Antarktis: Die britische Forschungsstation "Halley VI" musste ein paar Kilometer weiter ziehen - nun ist das logistische Großprojekt abgeschlossen.

Modul für Modul haben britische Forscher "Halley VI" versetzt. Die aus acht blauen und roten Arbeits- und Wohnboxen bestehende Einrichtung befindet sich nun 23 Kilometer weiter östlich vom bisherigen Standort auf dem Brunt-Schelfeis.

"Der Umzug ist eine ungeheure Unternehmung für unser Team gewesen. Jeder, der daran mitgewirkt hat, ist absolut froh über den Erfolg", berichtet Jane Francis von der British Antarctic Survey (BAS).

Nach Angaben der Forschungsgesellschaft hat das Unterfangen 13 Wochen gedauert, bei dem die Container vorsichtig über das Eis gezogen wurden. "Halley VI" sei nun bereit, im kommenden antarktischen Sommer, der im November beginnt, wieder ihren Dienst aufzunehmen, teilte die BAS auf ihrer Website mit. Mitte Januar hatte die Gesellschaft erklärt, dass entgegen der Planung doch kein Team in der Station überwintern werde - ursprünglich sollten in diesem Zeitraum 16 Personen auf der Station leben. Im antarktischen Winter gehen die Temperaturen runter bis auf minus 50 Grad Celsius, im Sommer bewegen sie sich um minus zehn Grad.

Experten hatten gefürchtet, dass das Eis in der Umgebung im Winter brechen könnte, Forscher hatten zuvor zwei Risse im Eis entdeckt. Solche Veränderungen an der Schelfeisplatte sind auch der Grund für den Umzug der von vornherein mobil konstruierten Station. Mit der Umsetzung könne langfristig die wissenschaftliche Datenerfassung gesichert werden, hieß es.

"Halley VI" dient vor allem der Beobachtung des Klimawandels. Die Station liegt im Norden der Antarktis auf dem Brunt-Eisschelf in der Weddell-See. Sie wurde 2012 fertiggestellt. Auf einer der sechs seit 1956 gebauten "Halley"-Stationen wurden auch Messungen durchgeführt, deren Daten 1985 zur Entdeckung des Ozonlochs geführt hatten.

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Bei der Konstruktion der einzelnen Stationen haben die Forscher verschiedene Bauweisen ausprobiert, um sich optimal an die Umgebung anpassen zu können. Dabei gab es immer wieder Rückschläge: So wurden die ersten vier Stationen nach jeweils etwa zehn Jahren unbewohnbar, weil sie unter Schneemassen begraben und zusammengedrückt wurden. "Halley V" wurde dann erstmals auf einer Stahlplattform erbaut. Doch weil die Stützen fest im Eis verankert waren, geriet die Station zu nah an die Abbruchkante und musste 2012 ebenfalls aufgegeben und abgerissen werden.

"Halley VI" wurde deshalb mobil konzipiert: Die acht Module können über hydraulisch-regelbare Stützen gehoben oder gesenkt werden - so kann sie auf die jeweilige Höhe von Eis und Schnee angepasst werden. Zudem sind die Stützen auf Kufen errichtet, sodass die einzelnen Module leicht über das Eis transportiert werden können. Es ist das erste Mal, dass die Station umgezogen ist.

joe/dpa



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