Antarktis und China Gletscher schmelzen immer schneller

Infolge der Erderwärmung gelangen immer größere Wassermengen aus Antarktisgletschern in die Ozeane. US-Forscher prophezeien deshalb einen raschen Anstieg des Meeresspiegels. Auch in China beobachten Wissenschaftler eine beschleunigte Gletscherschmelze.


Eisberg in der Antarktis: Achtfach beschleunigtes Abtauen
CECS / NASA Antarctic Project

Eisberg in der Antarktis: Achtfach beschleunigtes Abtauen

In zwei getrennten Studien kamen Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde Nasa zu dem Schluss, dass der Klimawandel das Meeresspiegelniveau immer schneller steigen lässt. Anhand von Satellitenaufnahmen konnten die Forscher feststellen, wie wichtig Eisschollen in der atlantischen See sind. Wenn die riesigen Schollen infolge steigender Temperaturen zerbrechen, dann rutschen die Gletscher der Antarktis umso schneller ins Meer, schreiben die Klimaexperten im Fachblatt "Geophysical Research Letters".

Ein Forscherteam um Eric Rignot vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena maß bei einem Gletscher ein achtfach beschleunigtes Abtauen, nachdem im Jahr 2002 die so genannte Larsen B Scholle, die vor der Antarktis das Meer bedeckte, auseinander gebrochen war. Gletschereis oder -wasser, das in die Ozeane gelangt, lässt den Meeresspiegel steigen. Schmelzende Eisschollen hingegen ändern den Wasserstand kaum.

"Falls irgend jemand wissen will, ob die Antarktis schnell auf die globale Erderwärmung reagiert, dann lautet die Antwort 'Ja'", kommentierte Theodore Scambus von der University of Colorado die Ergebnisse. "Wir haben gesehen, wie sich 250 Kilometer Küste in gerade mal 15 Jahren dramatisch verändert haben."

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Klima: Das Verschwinden der Gletscher

Auch in China registrierten Wissenschaftler ein beschleunigtes Abtauen des Eises. In den vergangenen vier Jahrzehnten sei die Gletschermasse um sieben Prozent zurückgegangen, berichteten Forscher der chinesischen Akademie Wissenschaften in der Zeitung "China Daily". Der Rückgang der Gletscher habe sich besonders in den vergangenen zehn Jahren beschleunigt, sagte Forscher Yao Tandong.

Das chinesische Team warnte vor den möglicherweise katastrophalen Folgen für das globale Ökosystem. China hat die Hälfte aller Gletscher in Asien und weltweit einen Anteil von 15 Prozent. Bis zum Jahr 2050 könnten 64 Prozent der chinesischen Gletscher weggetaut sein, fürchten die Wissenschaftler. Bei der jetzigen "alarmierenden Geschwindigkeit" wären 2100 alle verschwunden. Langfristig drohe eine weitere Wüstenbildung in China.



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