Antibiotika im Stall Amt räumt Fehler bei Masthähnchen-Studie ein

Das Ergebnis war schockierend - und falsch: Mehr als 96 Prozent aller Hähnchen im Land bekommen Antibiotika, warnte kürzlich das NRW-Verbraucherministerium. Doch die Studie war fehlerhaft. Niemand bestreitet aber, dass Masttiere zu viele Medikamente bekommen.

Küken in einer Hähnchenmästerei: Antibiotika-Gabe keine Ausnahme, sondern die Regel
dapd

Küken in einer Hähnchenmästerei: Antibiotika-Gabe keine Ausnahme, sondern die Regel


Recklinghausen - 96,4 Prozent: Mit dieser dramatischen Zahl untermauerte das Verbraucherschutzministerium von Nordrhein-Westfalen, dass in der Hähnchenmast viel zu viele Antibiotika eingesetzt werden. Doch die im November 2011 präsentierte Zahl muss wohl korrigiert werden, teilt nun das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz von NRW mit.

Eine Überprüfung habe ergeben, dass "ein methodischer Zuordnungsfehler von Mastdurchgängen dazu führte, dass eine geringfügig zu hohe Zahl von Masthühnern angesetzt wurde, die mit Antibiotika behandelt wurden". Einen neuen Prozentsatz nannte die Behörde nicht.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hatte Zweifel an der "missverständlichen Zahl" 96,4 Prozent und an der Methodik geäußert. NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) hatte das Landesumweltamt nach dieser Kritik zu einer Überprüfung der Studie aufgefordert.

Ergebnisse grundsätzlich bestätigt

Eine Neuauswertung des Datenmaterials ergab der Landesbehörde zufolge ansonsten aber keine Anhaltspunkte dafür, dass die ermittelten Ergebnisse und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen in Frage zu stellen wären. Die Grundaussagen der Studie, die angegebenen Trends und der festgestellte massive Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast seien erneut bestätigt worden.

Das Landesamt habe dem Ministerium dennoch vorgeschlagen, seine Studie einer externen Detailprüfung durch einen unabhängigen Dritten zu unterziehen. Das Ministerium sei dem Vorschlag gefolgt.

NRW ist mit fast 57 Millionen Masthähnchen pro Jahr einer der wichtigsten Hähnchenproduzenten in Deutschland. Die bundesweit erste Studie zum Medikamenten-Einsatz in der Hähnchenmast hatte eine übermäßige Antibiotika-Verabreichung belegt. Außerdem kam sie zum Schluss, dass das Problem in größeren Betrieben deutlich stärker auftritt als in kleineren.

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat Anfang 2011 einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem der Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung auf ein Minimum beschränkt werden soll. Die Geflügelwirtschaft hat sich bereits selbst verpflichtet, das Verabreichen der Medikamente zu reduzieren - die Betriebe wollen in den kommenden fünf Jahren 30 Prozent weniger Antibiotika einsetzen.

wbr/dpa/dapd

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