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Resistenzen: Deutschland setzt weiter massiv Antibiotika in Tiermast ein

Geflügelmast im brandenburgischen Storkow: An zehn von 39 Tagen bekommen die Tiere Antibiotika - oft auch präventiv Zur Großansicht
DPA

Geflügelmast im brandenburgischen Storkow: An zehn von 39 Tagen bekommen die Tiere Antibiotika - oft auch präventiv

Der Antibiotika-Einsatz in der Tiermast sinkt in Deutschland nur langsam: 2012 wurden mehr als 1600 Tonnen der Medikamente verabreicht. Unter ihnen befinden sich auch Arzneien, mit denen schwere Erkrankungen bei Menschen behandelt werden.

Berlin - Der Griff zum Antibiotikum gehört für viele deutsche Landwirte weiterhin zum Standardprogramm bei der Behandlung von Tieren. Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Montag in Berlin mitteilte, wurden im vergangenen Jahr in der Tierhaltung 1619 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Das sei im Vergleich zu 2011 zwar ein Rückgang um 87 Tonnen oder fünf Prozent. Dennoch gehöre Deutschland im europäischen Vergleich noch immer zu den Spitzenreitern, sagte Ministerialdirektor Bernhard Kühnle vom Bundeslandwirtschaftsministerium am Rande einer Konferenz des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Der breite Antibiotika-Einsatz müsse deutlich eingeschränkt werden. Neue Regelungen ab 2014 sollen dabei helfen.

Bei der Wirkstoffklasse der Fluorchinolone, deren Einsatz in Ställen kritisch gesehen wird, wurde 2012 eine Zunahme um zwei auf zehn Tonnen registriert. Hintergrund ist, dass diese Stoffe auch bei Menschen als Reserve-Antibiotika für schwere Fälle verwendet werden.

Ein Großteil der Antibiotika wurde den amtlichen Angaben zufolge weiterhin von Tierärzten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verabreicht. Allein in den Postleitzahlenbereich 49, der Kreise beider Nachbarländer vereint, gingen mehr als 500 Tonnen. Dort gibt es viele große Tiermastanlagen.

Vorbild Niederlande schaffte Halbierung

Nach einer BfR-Studie werden Masthähnchen am häufigsten mit Antibiotika behandelt. In ihrem 39 Tage dauernden Leben bekommen sie an durchschnittlich zehn Tagen Antibiotika. Milchkühe bekamen die Medikamente innerhalb eines Jahres an 3,5 Tagen und Kälber an 1,2 Tagen. Bei Tieren in Gruppenhaltung werden laut BfR meist sowohl kranke als auch gesunde Tiere behandelt, um die Ausbreitung von Krankheiten auf die gesunden Artgenossen zu verhindern.

Der massenhafte Antibiotika-Einsatz in der Tiermast wird seit längerem kritisiert. "Wo Antibiotika eingesetzt werden, nehmen Resistenzen zu", sagte BfR-Präsident Andreas Hensel. Die unempfindlichen Bakterien könnten auch auf den Menschen übergehen. Allerdings seien bislang nur Einzelfälle bekannt geworden, in denen Menschen erkrankt seien, die beruflich mit Tieren oder vom Tier stammenden Lebensmitteln zu tun hätten. Verbraucher könnten sich schützen, in dem sie bei der Verarbeitung von tierischen Lebensmitteln auf die Hygiene achten und Fleisch gut garen.

Im April tritt eine Novelle des Arzneimittelgesetzes in Kraft. Diese regelt unter anderem, dass jede Antibiotika-Anwendung von Landwirten in einer bundesweiten Datenbank erfasst wird. Bauern, die besonders häufig zu den Medikamenten greifen, sollen mit Auflagen dazu angehalten werden, den Einsatz zu minimieren, kündigte Kühnle an.

Mit einem hohen Einsatz von Antibiotika hatten auch die Niederlande lange zu kämpfen, wie Hetty van Beers-Schreurs von der Niederländischen Tiermedizin-Behörde berichtete. Intensive Gespräche von Tierärzten mit Landwirten hätten gute Erfolge gezeigt: Der Verbrauch sei in fünf Jahren um die Hälfte reduziert worden - ohne Sanktionen. In den Niederlanden setze man stattdessen auf Belohnungen: Vorbildliche Landwirte sollen künftig eine Prämie erhalten, sagte van Beers-Schreurs.

nik/dpa

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insgesamt 68 Beiträge
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1. unfähige Politiker
Stabhalter 11.11.2013
Zitat von sysopDPADer Antibiotika-Einsatz in der Tiermast sinkt in Deutschland nur langsam: 2012 wurden mehr als 1600 Tonnen der Medikamente verabreicht. Unter ihnen befinden sich auch Arzneien, mit denen schwere Erkrankungen bei Menschen behandelt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/antibiotika-in-der-tiermast-deutschland-unter-spitzenreitern-a-933009.html
sorgen immer wieder für Aktionen,die himmelschreiend sind.Ist es denn so schwer darüber ein Gesetzt zu machen,dass dies Schweinerei aufhört,denn wenn ich Antibiotika brauche, hole ich die in der Apotheke und nicht beim Schlachter.Aber um darauf zu kommen bräuchte es Hirn und das ist bei den Politnasen ausgedorrt.
2. Tier KZ
raumbefeuchter 11.11.2013
Die Tier KZ Betreiber wittern bestimmt schon Morgenluft. Sollte das TTIP in Kraft treten wird Europa mit Nahrung übelster Qualität überschwemmt.
3. So einfach...
Byrne 11.11.2013
Zitat von Stabhaltersorgen immer wieder für Aktionen,die himmelschreiend sind.Ist es denn so schwer darüber ein Gesetzt zu machen,dass dies Schweinerei aufhört,denn wenn ich Antibiotika brauche, hole ich die in der Apotheke und nicht beim Schlachter.Aber um darauf zu kommen bräuchte es Hirn und das ist bei den Politnasen ausgedorrt.
Ja was soll denn in dem schlauen Gesetz stehen, dass Sie uns da empfehlen?
4. So nicht!
W. v. Ockham 11.11.2013
Zitat von ByrneJa was soll denn in dem schlauen Gesetz stehen, dass Sie uns da empfehlen?
Na, zum Beispiel, dass sowas nicht mehr möglich sein wird: Tierärzte dürfen Medikamente direkt an den Landwirt verkaufen und müssen nicht - wie ihre Kollegen in der Humanmedizin - ein Rezept verschreiben. Man spricht dabei vom sogenannten Dispensierrecht der Tierärzte. Der Tierarzt verdient also an Medikamenten Geld. Im Normalfall macht dieser Erlös etwa ein Drittel des Umsatzes aus, bei manchen Praxen sollen es aber bis zu 80 Prozent sein. (Antibiotika im Stall: Die Rolle der Tierärzte | Landwirtschaft und Forst | Unser Land | Bayerisches Fernsehen | Fernsehen | BR.de (http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/unser-land/landwirtschaft-und-forst/antibiotika-tieraerzte100.html)) Also alles zwangsläufig, niemand braucht sich zu wundern ...
5. Es hilft nur---
myxim 11.11.2013
... der Verbot des Einsatzes von Antibiotika, die auch an Menschen verabreicht werden.
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