Tiermast Agrarministerium verschärft Antibiotika-Regeln

Reserve-Antibiotika sind oft die letzte Hoffnung im Kampf gegen Krankheiten. In der Tiermast gelten nun strengere Regeln für den Einsatz dieser Medikamente.

Hähnchen (Archivbild)
DPA

Hähnchen (Archivbild)


Für den umstrittenen Antibiotika-Einsatz in der Tiermast gelten strengere Regeln. Seit Donnerstag ist es verboten, bei Rindern, Schweinen, Puten und Hühnern bestimmte Wirkstoffe umzuwidmen - sie also für andere Krankheiten oder Tiere anzuwenden, als in der Zulassung bestimmt.

Konkret geht es um bestimmte Reserve-Antibiotika, die auch bei Menschen für schwere Krankheiten verwendet werden, wenn normale Antibiotika nicht mehr wirken. In der Tiermast sollen sie nun abseits der zulassungsgemäßen Anwendung nur noch eingesetzt werden, "soweit im Einzelfall die notwendige arzneiliche Versorgung der Tiere ernstlich gefährdet ist".

Die Verordnung von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU), die am Donnerstag in Kraft getreten ist, bezieht sich auf die Wirkstoffgruppen Cephalosporine der dritten oder vierten Generation sowie Fluorchinolone. Sie sieht daneben weitere Verschärfungen vor.

So soll gewährleistet werden, dass zu einer ordnungsgemäßen Behandlung mit antibakteriellen Mitteln ein direkter "physischer Kontakt" des Tierarztes mit den Tieren gehört. Nur eine "Kommunikation" zwischen Arzt und Tierhalter reicht nicht aus.

Probleme auch in Humanmedizin

Der Einsatz von Medikamenten im Stall wird seit langem kritisiert. Er soll sinken, um zu verhindern, dass Wirkstoffe nicht mehr anschlagen, weil Keime Resistenzen gegen die Wirkstoffe entwickeln. Umweltschützer und die Grünen fordern weitergehende Maßnahmen wie ein völliges Verbot von Reserve-Antibiotika in der Tierhaltung.

Seit 2011 muss die in der Tierhaltung eingesetzte Antibiotikamenge erfasst werden. Damals wurden gut 1700 Tonnen registriert. Im Jahr 2016 waren es noch 742 Tonnen.

Neben dem breiten Antibiotikaeinsatz in der Tiermast, steht immer wieder auch die Humanmedizin in der Kritik. Auch hier werden Antibiotika mitunter voreilig an Patienten abgebeben, die gar nicht an bakteriellen Infektionen leiden. Die Gefahr der Resistenzbildung besteht zudem, wenn Patienten Antibiotikatherapien vorzeitig abbrechen.

jme/dpa



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