In antiker Zeit war Alexandria berühmt für seine Bibliothek mit rund 700.000 Schriftrollen. Ihr Schicksal ist jedoch bis heute ungeklärt, angeblich fiel sie einem Feuer bei Cäsars Eroberung der Stadt zum Opfer. Ein polnisch-ägyptisches Archäologenteam glaubt nun, Überreste der antiken Bibliothek von Alexandria an der ägyptischen Mittelmeerküste entdeckt zu haben. Dies berichtete der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Sahi Hawas, nach Angaben von "BBC Online" heute bei einer Fachkonferenz der University of California.
Sollte es sich bei den gefundenen Ruinen von 13 Hörsälen tatsächlich um Teile der sagenumwobenen Schriftensammlung handeln, dann wäre dies eine archäologische Sensation. Die Forscher hatten die möglichen Überreste in der Bruchion-Region, dem ehemaligen Palastviertel im Nordosten der antiken Stadt Alexandria entdeckt, erklärte Hawas. Die 13 Säle boten Platz für zusammen 5.000 Menschen. Ihr auffälligstes Merkmal sei ein erhöhtes Podium, auf dem die Vortragenden gestanden haben müssen.
"Zum ersten Mal überhaupt wurde ein solch großer Komplex von Vorlesungssälen auf einer antiken Ausgrabungsstätte im Mittelmeerraum entdeckt", sagte Hawas. "Es ist möglicherweise die älteste Universität der Welt." Archäologen in Kairo bestätigten die Nachricht, wollten jedoch unter Hinweis auf eine geplante offizielle Bekanntgabe der Grabungserfolge keine Einzelheiten nennen. Wileke Wendrich, Professor an der University of California, nannte den Fund im Gespräch mit BBC Online "unglaublich beeindruckend".
Von der zerstörten Alexandrinischen Bibliothek, die von Ptolemaios I. (305-283 vor Christus) gegründet worden war und die damals die wichtigste Schriftensammlung der Welt beherbergte, sind bislang keine archäologischen Spuren bekannt. Vor zwei Jahren wurde in Alexandria eine neue Bibliothek eröffnet, die an die Tradition der zerstörten Schriftensammlung anknüpfen soll.
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