Neue Spinnenart entdeckt Aphonopelma johnnycashi

In den USA gibt es 50 verschiedene Arten von Vogelspinnen, dachten Forscher. Als sie nachzählten, fanden sie viele davon nicht - aber dafür 14 neue Spezies. Eine davon trägt nun einen berühmten Namen.

Aphonopelma johnnycashi: Schwarzes Prachtstück
Dr. Chris A. Hamilton

Aphonopelma johnnycashi: Schwarzes Prachtstück


Sie ist tiefschwarz und wurde in der Nähe des berühmten Folsom-State-Gefängnisses im US-Bundesstaat Kalifornien entdeckt. Wie die Forscher die neue Spinnenart nennen sollten, lag also auf der Hand - natürlich nach dem "Man in black", dem 2003 verstorbenen Countrysänger Johnny Cash, der mit dem "Folsom Prison Blues" einen Hit hatte und 1968 in der Strafanstalt auftrat.

Die Aphonopelma johnnycashi ist eine von 14 Vogelspinnenarten, die Forscher nun im Südwesten der USA entdeckt haben. Das Team um den Biologen Chris Hamilton von der Auburn University (Alabama) durchsuchte dazu über ein Jahrzehnt lang das Gebiet von zwölf US-Bundesstaaten westlich des Mississippi bis hinüber nach Kalifornien. Dabei untersuchten die Forscher fast 3000 Vogelspinnen-Exemplare, taxierten Körperbau, Verhalten, Vorkommen sowie genetische Daten der Tiere. Das Ergebnis, veröffentlicht im Fachjournal "ZooKeys": Während man zuvor glaubte, dass es mehr als 50 Vogelspinnen-Arten in den USA gibt, sind es tatsächlich nur 29 Spezies. 14 davon sind allerdings echte Neuentdeckungen.

"Wir hören oft davon, dass neue Arten in den entferntesten Ecken der Welt entdeckt werden, aber was bemerkenswert ist: Diese Spinnen leben in unserem Hinterhof", sagt Hamilton. Die diversen Vogelspinnen der Gattung Aphonopelma gibt es nur auf dem amerikanischen Kontinent, die meisten davon in den USA. Während manche so klein sind, dass sie auf einer Zwei-Euro-Münze Platz finden, haben andere eine Beinspannweite von 15 Zentimetern.

Vergleich der größten und kleinsten US-Spinne: Weibliche Exemplare von Aphonopelma anax (l) und Aphonopelma paloma (r)
Dr. Brent Hendrixson/ Dr. Chris

Vergleich der größten und kleinsten US-Spinne: Weibliche Exemplare von Aphonopelma anax (l) und Aphonopelma paloma (r)

"Teddybären mit acht Beinen"

"Zwei der neuen Arten sind beschränkt auf einzelne Bergzüge im Südosten von Arizona, einem Hotspot in Sachen Biodiversität in den USA", betont Co-Autor Brent Hendrixson. "Diese empfindlichen Lebensräume sind durch wachsende Verstädterung, Freizeitverhalten und Klimawandel bedroht." Auch bestehe die Gefahr, dass der Bestand der seltenen Tiere durch Tierhändler leiden könnte.

Die in den USA lebenden Vogelspinnen-Arten stellten für Menschen keine Gefahr dar, sagt Hamilton. Sie würden nicht schnell beißen und glichen eher "Teddybären mit acht Beinen".

Erst vor kurzem hatten Forscher festgestellt, dass die strahlend blaue Farbe mancher Vogelspinnenarten anders als gedacht keine Rolle bei der Brautwerbung der Achtbeiner spielt - die Tiere können blaue Wellenlängen kaum erkennen.

joe/dpa



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insgesamt 25 Beiträge
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alohas 05.02.2016
1. Zum Kuscheln nur bedingt geeignet
Würde „Johnny Cash“ in meiner Wohnung aufkreuzen, würde es mich doch erschauern lassen, Harmlosigkeit hin oder her. Ich will ja nicht spitzfindig sein, aber Aphonopelma paloma ist ganz bestimmt nicht die kleinste Spinne der USA, dort gibt es sicher noch wesentlich kleinere. Wenn, dann ist es wohl eher die kleinste Art dieser Gattung.
holger_s. 05.02.2016
2.
dass Aphonopelma-Arten nicht schnell beißen und eher "Teddybären mit acht Beinen" glichen, kann ich so nicht bestätigen - ich befasse mich seit rund 20 Jahren intensiv mit der Zucht und Pflege von Spinnen mit derzeit rund 200 Individuen im Bestand, und vor allem Aphonopelma seemanni würde ich aus eigener Erfahrung als leicht reizbar bezeichnen.
getrud,dieleiter! 05.02.2016
3. Danke für die Information.
Zitat von holger_s.dass Aphonopelma-Arten nicht schnell beißen und eher "Teddybären mit acht Beinen" glichen, kann ich so nicht bestätigen - ich befasse mich seit rund 20 Jahren intensiv mit der Zucht und Pflege von Spinnen mit derzeit rund 200 Individuen im Bestand, und vor allem Aphonopelma seemanni würde ich aus eigener Erfahrung als leicht reizbar bezeichnen.
Wie gefährlich ist denn das Gift dieser Spinnenarten?
holger_s. 05.02.2016
4.
Zitat von getrud,dieleiter!Wie gefährlich ist denn das Gift dieser Spinnenarten?
im Prinzip überhaupt nicht gefährlich, die Toxine sämtlicher nord- und südamerikanischer Vogelspinnen sind von der Wirkung her mit einem Wespenstich vergleichbar. bei sehr großen Vogelspinnenarten z.B. der Gattungen Lasiodora oder Theraphosa ist vor allem die Größe der Chelizeren das eigentlich Unangenehme im Falle eines Bisses - die Zähne einer adulten Theraphosa stirmi sind gut 3 cm lang.
martine-primus 05.02.2016
5. Phobikerin
würde ich jetzt nicht von mir behaupten, eher finde ich sie eklig.... Ich habe auf der grünen Woche in Berlin von den Ausstellern der Vogelspinne immer wieder gelesen, dass einige Arten leicht reizbar sind, andere wieder nicht. Mir persönlich reichen die Kellerspinnen oder Hauswinkelspinnen oder wie sie auch immer genannt werden hier in Berlin völlig aus. Die sind so uah .... Naja, ich möchte sie nicht im Haus haben! In der Garage gibt es diverse, die Netze sind ja richtig dicht gewebt. Und sie sind waaaahnsinnig schnell. Und fett. Aber wenn sie ruhig sitzen, manchmal mit "angewinkelten" Beinen, dann finde ich sie irgendwie wieder niedlich. Aber sobald sie rennen.... trete ich auch einen Schritt zurück. Ein Glück, dass die nix von mir wollen ;-)
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