Arktis Altes Eis schmilzt dramatisch

Neue Satellitendaten der US-Raumfahrtbehörde Nasa enthüllen eine dramatische Entwicklung: Auch die alten und widerstandsfähigen Eisschichten der Arktis schmelzen und werden durch dünnes, salziges Eis ersetzt. Dieses Eis ist viel anfälliger für die sommerliche Schmelze.


Das alte und dicke Eis der Arktis schmilzt. Und zwar dramatisch. Das zeigen neue Daten des Nasa-Satelliten ICESat, die Wissenschaftler sehr beunruhigen. Während der Anteil des mehrjährigen alten Eises Mitte der achtziger Jahre noch bis zu 60 Prozent des Gesamteises der Arktis ausmachte, ist er in diesem Jahr auf unter 30 Prozent abgesunken. Das Eis, das mehr als sechs Jahre alt ist, macht sogar nun nur noch 6 Prozent aus, berichten die Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde Nasa - in den Achtzigern betrug sein Anteil noch 20 Prozent.

Die Fläche des arktischen Eises ist jahreszeitlichen Veränderungen unterworfen: Im September erreicht sie ihr sommerliches Minimum, im März ihr winterliches Maximum. Ein Teil des Eises jedoch bleibt über mehrere Jahre erhalten, manches sogar mehr als sechs Jahre.

Zwar ist die Gesamtfläche des Eises in der Arktis etwas größer als letztes Jahr, berichten die Nasa-Forscher. Doch sie maskiert einen dramatischen Wandel: das dicke, mehrjährig bestehende Eis schmilzt und wird durch dünnes Eis ersetzt. Dieses Eis ist dünner und enthält mehr Salz - was es weniger widerstandsfähig gegenüber den sommerlichen Temperaturen macht.

Die Wissenschaftler warnen davor, sich von dem Winter täuschen zu lassen, der überdurchschnittlich kalt war. Er ändere nichts an dem Langzeittrend: Die Temperaturen in der Arktis steigen aufgrund des anthropogenen Treibhauseffekts doppelt so schnell wie im globalen Mittel.

Immer wieder kursieren Zahlen darüber, wann die Arktis komplett eisfrei sein könnte: Mal ist vom Jahr 2030 die Rede, mal vom Jahr 2080. Der US-Klimaforscher Jay Zwally, der bei der Nasa Satellitendaten auswertet, machte erst vor kurzem eine deutlich drastischere Prognose auf. "Bei diesem Schmelztempo könnte der Arktische Ozean am Ende des Sommers 2012 so gut wie eisfrei sein, viel schneller als in früheren Voraussagen."

Den Grund für das Schwinden des alten Eises vermuten die Wissenschaftler in den diesjährigen starken Strömungen, die verstärkt alte Eisschollen in den Atlantik transportieren. Die Strömungen waren eine Folge des La-Nina-Phänomens im Pazifik - dem anderen Wetterextrem neben El Nino.

Die Nasa-Wissenschaftler befürchten nun, dass bei dem hohen Anteil an dünnem, salzigen Eis in diesem Sommer eine besonders große Schmelze in der Arktis einsetzen wird.

Im Sommer 2007 hatte die starke Sommerschmelze in der Arktis sogar schon zu einem beunruhigenden Rekord geführt: Erstmals war die Nordwest-Passage - die Verbindung von Atlantik und Pazifik nördlich des amerikanischen Kontinents - frei und schiffbar.

lub

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