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Arktis-Ansprüche: Auch Kanada nimmt den hohen Norden ins Visier

Die Nordwest-Passage soll bald eine wichtige Seeroute sein, außerdem locken Rohstoffe in der Arktis. Grund genug für alle Anrainer, ihre Ansprüche zu betonen. Nach Russlands PR-Tauchgang am Nordpol legt nun Kanada nach - auch gegen Dänemark. Umstritten ist ein kleiner Felsen am Ende der Welt.

Die Russen tauchen, die Kanadier reisen: Im Streit um die rohstoffreiche Arktis hat Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper den Nutzungsanspruch seines Landes mit einem dreitägigen Besuch der Nordpolarregion bekräftigt. "Unsere Regierung verfolgt eine energische Arktis-Politik", sagte ein Sprecher Harpers. Obwohl der Besuch des kanadischen Regierungschefs seit Monaten geplant war, hat er aktuelle Bedeutung erlangt, nachdem Russland vergangene Woche symbolisch den Nordpol für sich in Anspruch genommen hatte.

Die fünf Arktis-Anrainer - Dänemark, Kanada, Norwegen, Russland und die USA - ringen um Nutzungsrechte. Einer US-Studie zufolge liegt hier mehr als ein Viertel der noch unentdeckten Erdöl- und Gas-Vorkommen der Erde. Und zumindest Kanada beabsichtigt, zur Verteidigung seiner Ansprüche Milliarden auszugeben.

Patrouille der Passage

Ministerpräsident Harper plant, einen ersten Arktis-Hafen bauen zu lassen, allen Anzeichen nach an der Nordseite von Baffin Island. Der Hafen würde zwar Wasserschwankungen durch Ebbe und Flut von bis zu fünf Metern ausgesetzt sein, wäre aber von Juli bis Ende September eisfrei, berichtete die kanadische Zeitung "Toronto Star". An der Südseite der Insel hält Kanada derzeit eine Übung mit 600 Soldaten und Polizisten ab. Auch die Kanadier wissen eben, die Klaviatur der Symbolik zu spielen.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Nordwest-Passage: Im Juli kündigte Harper an, sechs bis acht Patrouillenschiffe bauen zu lassen, die den Seeweg nördlich um den amerikanischen Kontinent sichern sollen. Der US-Botschafter in Kanada, David Wilkins, kritisierte diesen Vorstoß und nannte die Nordwest-Passage "neutrale Gewässer". Da die Passage durch die globale Erwärmung künftig leichter zu befahren sein könnte, wird ihr eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung beigemessen.

Streit um eine winzige Insel Namens Hans

Auch Dänemark gehört zu den Streithähnen. Zankapfel ist ein nur gut einen Quadratkilometer großer Felsbrocken: die Hans-Insel. Sie liegt zwischen der kanadischen Ellesmere Island und Nordgrönland. Seit mehr als 20 Jahren streiten die Nato-Alliierten Kanada und Dänemark bereits um diese kleine, unbewohnte Insel.

1984 hatte der damalige dänische Grönland-Minister Tom Hoeyem dort eine dänische Flagge aufgestellt. Zuletzt kochte der Konflikt vor zwei Jahren hoch, als der ehemalige kanadische Verteidigungsminister Bill Graham auf der Hans-Insel die Flagge mit dem Ahornblatt hisste.

Russland hatte in der vergangenen Woche Besitzrechte für Teile der Arktis angemeldet und will noch in diesem Jahr eine zweite Expedition an den Nordpol entsenden. Dabei sieht sich Kanada spätestens seit einer Rede seines damaligen Außenminister Joe Clark im Jahr 1985 als "rechtmäßiger Wächter des Nordens".

hkr/dpa/AP

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Umstrittene Arktis: Nordwestpassage und Felsbrocken

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