Arktis Schmelzendes Eis führt zu Billionenkosten

Die Arktis erwärmt sich stärker als jedes andere Gebiet der Erde und verändert sich dramatisch. Ein neuer Bericht zeigt, wie massiv sich das einstmals ewige Eis wandeln wird - und wie teuer uns das zu stehen kommen kann.

Schäden durch Küstenerosion im US-Bundesstaat Alaska (Archivbild)
AFP

Schäden durch Küstenerosion im US-Bundesstaat Alaska (Archivbild)


Das Abschmelzen der Eisflächen in der Arktis könnte nach Einschätzung von Klimaexperten bis Ende dieses Jahrhunderts wirtschaftliche Schäden in Höhe von bis zu 90 Billionen Dollar nach sich ziehen. Vorteile der Erwärmung, die sich etwa aus neuen Schifffahrtsrouten und leichterem Zugang zu Öl- und Gaslagern ergäben, könnten dies nicht ausgleichen, heißt es in einer Studie von 90 Wissenschaftlern.

Der Report "Snow, Water, Ice, Permafrost in the Arctic" fasst bereits existierende wissenschaftliche Literatur zusammen. Er überarbeitet ein sechs Jahre altes Vorgängerdokument und wurde im Auftrag des Arktischen Rats erstellt.

Die Außenminister der acht Mitgliedstaaten des Rates - die USA, Russland, Kanada, Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und Island - wollen sich am 11. Mai in Fairbanks (US-Bundesstaat Alaska) treffen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete im Wahlkampf den Klimawandel als Schwindel. Ob er aus dem Klimavertrag von Paris aussteigen will, ist noch immer nicht klar. Seine Minister für Auswärtiges und Energie haben ihm jedenfalls davon abgeraten.

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Arktis: Eisiger Norden

Die Forscher zeigen in ihrem Bericht die Folgen auf, für die der Klimawandel bereits jetzt in der Arktis sorgt: Der Permafrost unter Straßen und Gebäuden von Sibirien bis Alaska schmelze. Zu den sichtbaren Folgen gehörten unter anderem Erdrutsche am russischen Erdgasfeld Bowanenkowo sowie die Überschwemmung der Straßen zu den Ölfeldern im Norden Alaskas. Indigene Jäger stehen durch zurückgehendes Eis ebenso vor Problemen wie Tierarten wie Eisbär oder Robbe.

Meerwasser heizt sich auf

"Die Arktis erwärmt sich schneller als jede andere Region der Erde", warnen die Wissenschaftler. Mit dem massiven Rückgang von Schnee und Eis, die bislang einen großen Teil des Sonnenlichts reflektierten, werden immer mehr dunklere Erde und Meerwasser freigelegt. Dort wiederum werde die Wärme der Sonnenstrahlen besser aufgenommen. In den vergangenen Wintern habe es immer wieder massive Wärmeeinbrüche in der hohen Arktis gegeben.

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Der Prozess des Eisverlustes gehe schneller vonstatten, als man dies bei der letzten Studie 2011 noch eingeschätzt habe, sagte Forschungsgruppenleiter Lars-Otto Reiersen. Vor allem der Mensch sei für den steigenden Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verantwortlich. Deshalb müssten unbedingt Gegenmaßnahmen umgesetzt werden, wie sie im Pariser Klimaabkommen vereinbart seien. (Natürliche Variabilität spielt auch eine Rolle, wie eine Studie kürzlich zeigen konnte.)

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Die Autoren gehen davon aus, dass der Arktische Ozean in den 2030-er Jahren im Sommer eisfrei sein könnte. Sie weisen allerdings auf Unsicherheiten bei der Abschätzung des Zeitpunktes hin.

Solche Schätzungen sind in der Tat genauso mit Vorsicht zu betrachten wie die Rechnungen zu den möglicherweise drohenden wirtschaftlichen Schäden. Doch klar ist eben auch: Die Arktis verändert sich allein durch die bereits ausgestoßenen Treibhausgase und die in den Weltmeeren gespeicherte Hitze massiv - und das bringt sowohl vor Ort als auch im Rest der Welt Probleme. Durch die Erwärmung des Wassers im Arktischen Ozean dürfte sich etwa auch das Wetter in anderen Teilen der Welt ändern, bis hinunter in die Tropen.

chs/Reuters

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