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Arktis: Eis-Volumen seit 2004 dramatisch geschrumpft

In nur vier Jahren ist das Volumen des arktischen Eises um 57 Prozent gesunken. Dies ergaben Messungen mit einem Nasa-Satelliten. Forschern macht besonders der drastische Rückgang eigentlich langlebigen, älteren Eises Sorgen, das im Sommer nicht taut.

Die Folgen des einsetzenden Klimawandels treffen die Arktis ganz besonders. Dies belegt nun auch eine Nasa-Studie über die Dicke des Eises, das große Teile des Nordpolarmeeres bedeckt. Wissenschaftler haben Messungen des Satelliten "Icesat" der Jahre 2004 bis 2008 ausgewertet und dabei festgestellt, dass das Eisvolumen in diesem Zeitraum um 57 Prozent zurückgegangen ist.

Schon seit Jahren beobachten Arktisforscher, dass die Fläche des von Eis bedeckten Meeres schrumpft. Schon in 30 Jahren könnten die Sommer komplett eisfrei sein. Die Wissenschaftler befürchten eine gefährliche Rückkopplung: Je mehr sich das weiße Eis zurückzieht, umso mehr Wärmestrahlung der Sonne absorbiert der dunkle Ozean, was die Erwärmung der Region weiter beschleunigt.

Dank "Icesat" konnten die Nasa-Forscher nicht nur die vom Eis bedeckte Fläche, sondern auch seine Dicke ermitteln, was präzise Aussagen zur Entwicklung der gesamten Eismenge erlaubt. Seit 2004 ist die Eisschicht jährlich um knapp 18 Zentimeter dünner geworden - in vier Jahren kamen so 67 Zentimeter zusammen.

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Um die Eisdicke zu bestimmen, analysierte der Satellit, wie hoch die Eisschicht aus dem Wasser herausragte. "Wenn wir wissen, wie viel ganz oben schwimmt, können wir daraus die Gesamthöhe des Eises berechnen", sagte Ron Kwok vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena. Etwa neun Zehntel des Eises befänden sich unter Wasser.

Besondere Sorgen bereitet den Forschern der Rückgang des sogenannten alten Eises, das dicker ist als jenes, das sich in den kalten Polarwintern bildet und auch während der Sommer nicht schmilzt. Die Menge des Eises, das zumindest einen Sommer überstanden hat, ist von 2004 bis 2008 um 42 Prozent gesunken.

Das Verhältnis jungen, unbeständigen Eises zu altem, widerstandsfähigerem hat sich in diesem Zeitraum umgedreht. 2003 gehörten nach Angaben der Nasa-Forscher 62 Prozent des gesamten arktischen Eises zum alten Eis, 2008 lag der Anteil bei nur noch 32 Prozent. "Wir verlieren vom alten Eis deutlich mehr - und das ist entscheidend", sagte Kwok.

Im Vorjahr war die Eisfläche der Arktis mit 4,5 Millionen Quadratkilometern auf den zweitniedrigsten je gemessenen Wert zusammengeschmolzen. 2007 waren es 4,1 Millionen Quadratkilometer - das Minimum seit Beginn der Satellitendatenaufzeichnung im Jahr 1979. 2009 droht womöglich ein neuer Minusrekord.

Über das schrumpfende Eis freuen sich zumindest Reedereien. Im Sommer 2008 waren zum ersten Mal sowohl die Nordost- als auch die Nordwestpassage gleichzeitig für Schiffe befahrbar. Weniger Eis erhöht auch die Chancen, die gewaltigen Öl- und Gasreserven der Arktis anzapfen zu können.

hda/Reuters/AP

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