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Arktis: Forscher befürchten neuen Eisschmelze-Rekord

Die Temperaturen im Juli haben in der Arktis zu einer dramatischen Eisschmelze geführt. Zwar hat sich der Trend wieder etwas verlangsamt, doch Wissenschaftler befürchten, dass der Tiefststand von 2007 in diesem Jahr noch unterboten werden könnte.

Das arktische Eis ist auf dem Rückzug: Wie das U.S. National Snow and Ice Data Center (NSIDC) berichtet, hat der Eispanzer im hohen Norden im Juli täglich 106.000 Quadratkilometer verloren - das entspricht einem Eisflächenverlust von der dreifachen Ausdehnung Belgiens pro Tag.

Wie die NSIDC-Wissenschaftler berichten, liegt die Schmelzrate damit gleichauf mit der im Juli 2007. Vor zwei Jahren war die arktische Eisdecke im September auf den Rekord-Niedrigstand von 4,3 Millionen Quadratkilometer geschrumpft.

Schon seit Jahren beobachten Arktisforscher, dass die Fläche des von Eis bedeckten Meeres schrumpft. Grund ist der vom Menschen verursachte Klimawandel, der sich in der Arktis besonders stark abzeichnet: Während die globale Durchschnittstemperatur im letzten Jahrhundert um 0,6 Grad Celsius angestiegen ist, vollzieht sich die Erwärmung im hohen Norden mindestens doppelt so schnell.

Nach Messungen des Satelliten "Icesat" aus den Jahren 2004 bis 2008 ist das Eisvolumen allein in diesem Zeitraum um 57 Prozent zurückgegangen. In 30 Jahren, so die Befürchtung der Wissenschaftler, könnten die Sommer in der Arktis komplett eisfrei sein. Es droht eine gefährliche Rückkopplung: Je mehr sich das weiße Eis zurückzieht, umso mehr Wärmestrahlung der Sonne absorbiert der dunkle Ozean, was die Erwärmung der Region weiter beschleunigt.

Auch die Zusammensetzung des arktischen Eises hat sich in den letzten Jahren zunehmend verändert: Während das dicke, mehrjährige Eis stetig schwinde, habe der Anteil der dünnen Eisschichten, die sich im Winter aufbauen und im Sommer wieder schmelzen, zugenommen.

Auch in diesem Jahr seien die Temperaturen Besorgnis erregend, so Meier: Im Juli seien sie denen des Sommers 2007 vergleichbar gewesen. Ein Hochdruckgebiet sorge für klaren Himmel und starke Schmelze in der Beaufortsee vor dem Norden Alaskas. Bereits im Juni hatten Wissenschaftler aufgrund von Simulationen einen Negativrekord in diesem Jahr befürchtet. "Der Eisverlust hat sich im Juli beschleunigt", so Meier. Nun habe er sich zwar wieder verlangsamt. Ein Negativrekord in diesem Jahr sei damit "weniger wahrscheinlich, aber noch immer möglich."

Die steigenden Temperaturen lassen jedoch nicht nur das Eis schwinden. Möglich ist auch eine starke Verschmutzung des arktischen Ozeans, berichten norwegische Wissenschaftler um Ola Johannessen im Fachmagazin "Journal of Environmental Radioactivity". Der Grund: Durch die steigenden Temperaturen könnte die Transpolardrift, die sich von Sibirien bis Grönland erstreckt, zum Erliegen kommen. Das arktische Meer würde dadurch weniger durchmischt, und Umweltgifte wie Pestizide, Ölrückstände und radioaktive Substanzen könnten sich verstärkt anreichern.

lub/AP

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Immer dünner : Das Eis des Nordpolarmeers


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