Rekordfahrt auf Nördlichem Seeweg Tanker durchquert Arktis - ohne Eisbrecher-Eskorte

Durch die Arktis hat ein russischer Tanker in nur 19 Tagen Erdgas von Norwegen nach Südkorea transportiert. Dabei stellte er einen neuen Rekord auf. Und fuhr ohne Eisbrecher-Eskorte.

Tanker "Christophe de Margerie" im Eis (Archivfoto)
REUTERS

Tanker "Christophe de Margerie" im Eis (Archivfoto)


Es ist ein Unterschied von etwa zehntausend Kilometern. Seit einiger Zeit diskutieren Reeder, ob es sich lohnt, große Frachtschiffe durch die Arktis statt durch den Suezkanal zu schicken. Nun hat der russischer Tanker "Christophe de Margerie" getestet, ob die Abkürzung tatsächlich praktikabel ist.

Das Schiff fuhr ohne die Begleitung einer Eisbrecher-Eskorte durch die Arktis. Für die Strecke von Hammerfest in Norwegen nach Boryeong in Südkorea brauchte es 19 Tage. Damit sei es etwa 30 Prozent schneller gewesen als über die übliche südliche Route durch den Suezkanal, berichtet der "Guardian". Den Nördlichen Seeweg allein passierte das Schiff sogar in sechseinhalb Tagen - neuer Rekord.

"Christophe de Margerie" gilt als größtes eisbrechendes Schiff der Erde. Es wurde für den Weg durch die Arktis gebaut. Mit verstärktem Rumpf und seiner speziellen Bugform kann sich der Tanker den Weg durch bis zu 1,2 Meter dickes Eis bahnen. Das russische Staatsunternehmen Sowkomflot will ihn möglicherweise das ganze Jahr über die Arktisroute schicken - auch im Winter.

SPIEGEL ONLINE

Zuvor hatte der russische Eisbrecher "Waigatsch" Ende Dezember 2015 einen Rekord auf der Strecke aufgestellt: Er legte den kompletten Nördlichen Seeweg in siebeneinhalb Tagen zurück. Möglich gemacht hätten das große offene Wasserflächen und stellenweise dünnes Eis, berichtete der Kapitän damals. Ebenfalls im Dezember 2015 befuhr der in Schweden registrierte Eisbrecher "Tor Viking" die Passage ohne Eskorte.

Teurer Service aus Russland

Bislang nutzt die Schifffahrt die kürzere Route eher selten, weil man sie aufgrund der Eismengen nur etwa vier Monate im Jahr befahren kann. In dieser Zeit müssen die Reeder spezielle Schiffe mit dickerem Rumpf - wie den Tanker "Christophe de Margerie" - einsetzen. Für den Rest des Jahres sind diese allerdings unbrauchbar, weil sie mehr Treibstoff benötigen. Muss das Schiff die längere Route über den Suezkanal nehmen wird es zu teuer. 2016 hatten Experten errechnet, dass der Weg bestenfalls ab 2035 wirtschaftlich sein könnte.

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Gebühren, die Russland für die Eskorte der Schiffe durch die Arktis mit Atomeisbrechern verlangt. Diese sind etwa doppelt so hoch wie auf der Suezkanal-Route und können jederzeit geändert werden. Mit Tankern wie "Christophe de Margerie", von denen 15 weitere gebaut werden sollen, ließen sich diese Kosten einsparen - allerdings gehört das Schiff ohnehin einem russischen Staatsunternehmen.

Bislang war auf der Arktisroute im Jahr 2013 am meisten los - und selbst da fuhren nur 15 Schiffe von Europa nach Asien. Die russische Regierung geht allerdings davon aus, dass sich der Warenverkehr bis 2020 verzwanzigfachen wird. Die Route könne sogar die Menge Gas verringern, die über Pipelines nach Europa gebracht wird. Ob das tatsächlich in nur zweieinhalb Jahren der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Es sei eine sichere Wette, in Schiffe zu investieren, die durch die Arktis fahren können, sagte Meereskundler Simon Boxall von der University of Southampton dem "Guardian". Selbst wenn die Menschen morgen alle Treibhausgasemission einstellen würden, sei es sehr unwahrscheinlich, dass das Eis in der Arktis wieder zunimmt. Umweltschützer kritisieren die Schifffahrt in der Arktis. Sie fürchten, dass der Verkehr Wasser und Luft stark belasten könnte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand im Anlauftext, der Tanker sei nach Nordkorea gefahren. Tatsächlich fuhr er nach Südkorea.

jme



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.