Arktischer Sommer: Helligkeit treibt Vögel zur Dauerbalz

Zieht zur Fortpflanzung in die Arktis: Graubruststrandläufer-Männchen Zur Großansicht
DPA/ Max-Planck-Institut für Ornithologie

Zieht zur Fortpflanzung in die Arktis: Graubruststrandläufer-Männchen

Wenn Zugvögel in der Arktis brüten, müssen sie ohne einen deutlichen Tag-Nacht-Rhythmus auskommen. Wie die Vögel mit der andauernden Helligkeit umgehen, unterscheidet sich je nach Art deutlich. Einige verzichten ganz auf Schlaf - um auf Brautschau zu gehen.

Viele Vorgänge im Körper unterliegen einem regelmäßigen Rhythmus. Diese "Innere Uhr" wird vor allem durch den Wechsel von Tag und Nacht, also durch die sich ändernden Lichtbedingungen gestellt. Als wichtiger Zeitgeber gilt das Licht. So werden wir Menschen wie auch viele Tierarten zum Beispiel mit Einbruch der Dunkelheit eher müde und nach dem Aufgehen der Sonne wach.

Was aber, wenn keine Dunkelheit hereinbricht, wie etwa in der Arktis zur Zeit der Sommersonnenwende? Forscher aus Deutschland und den USA haben das jetzt an Vögeln untersucht. Das Ergebnis: Wie die Tiere reagieren, hängt vor allem von ihrem Geschlecht, der Art ihrer Fortpflanzung und der jeweiligen Brutphase ab, berichten die Wissenschaftler in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Das Team um Silke Steiger vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen nahmen sich vier Vogelarten vor: Graubruststrandläufer, Thorshühnchen und Sandstrandläufer aus der Familie der Schnepfen sowie Spornammern. Alle kommen zwischen Ende Mai und Mitte Juni zum Brüten in die Arktis und verbringen die ganze Brutsaison in durchgehender Helligkeit.

Schlaflos für die Fortpflanzung

Die Forscher statteten insgesamt 142 Vögel mit Minisendern aus, um die Aktivität der Tiere aufzuzeichnen. Dabei zeigte sich, dass bei Graubruststrandläufern und Thorshühnchen nur ein Elternteil die Eier ausbrütet. Der andere sucht währenddessen nach weiteren Partnern - und das rund um die Uhr. Die Forscher sprechen von einer "Fortpflanzungsschlaflosigkeit". Sie vermuten, dass die Vögel in der andauernden Helligkeit ihren Paarungserfolg erhöhen, indem sie durchgehend nach neuen Partnern suchen.

Das brütende Geschlecht dieser beiden Vogelarten hielt hingegen einen 24-stündigen Rhythmus aufrecht, genau wie Männchen und Weibchen der monogam lebenden Spornammern. Diese Vögel waren also während des Tages aktiver als während der Nacht. Als Zeitgeber fungierten vermutlich die sich ändernde Lichtintensität sowie die Temperatur, die während der Nacht sank, schreiben die Wissenschaftler.

Bei der vierten untersuchten Vogelart, dem Sandstrandläufer, kümmerten sich beide Eltern um die Eier. Männchen und Weibchen des Sandstrandläufers wechselten während des Brütens ebenfalls zwischen Ruhe- und Aktivitätsphasen, allerdings hatten sie keinen 24-stündigen Rhythmus mehr. Das circadiane System, also die innere Uhr, sei vermutlich anpassungsfähiger als bislang angenommen, schreiben die Forscher.

che/dpa

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1. Die scheinbar ewige Helligkeit des Internets
Orphelin 19.06.2013
"ein Elternteil die Eier ausbrütet. Der andere sucht währenddessen nach weiteren Partnern - und das rund um die Uhr" sorgt dafür, dass wir Menschen auch diese Verhaltensweise von den Tieren übernehmen konnten :-)
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