Arktischer Sommer Meereis erneut stark geschmolzen

Die gute Nachricht: In der Arktis ist das Meereis in diesem Jahr nicht so stark geschrumpft wie 2012. Die schlechte: Es handelt sich wohl nur um eine vorübergehende Erholung - der negative Trend hält an.

Zunehmend eisfrei: Wie Spitzbergen leidet die gesamte Arktis unter klimabedingter Schwindsucht (Archiv)
Corbis

Zunehmend eisfrei: Wie Spitzbergen leidet die gesamte Arktis unter klimabedingter Schwindsucht (Archiv)


Das arktische Meereis ist in diesem Sommer auf eine Fläche von rund 5,1 Millionen Quadratkilometer zurückgeschmolzen. Das sei eine deutlich größere Eisbedeckung als im September 2012, als mit 3,4 Millionen Quadratkilometern ein Rekordtief erreicht wurde, teilten das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und die Universität Hamburg am Donnerstag mit.

Der Wert bedeute aber wohl keine Trendwende. Nach Jahren mit sehr geringer Eisbedeckung setze stets eine Phase der Erholung ein, sagte der Meereisphysiker Lars Kaleschke vom KlimaCampus der Uni Hamburg. "Es gibt Rückkoppelungseffekte." Der langfristige Trend zur Abnahme der Meereisbedeckung in der Arktis sei ungebrochen.

Mitte des vergangenen Jahrhunderts bedeckte das arktische Meereis noch die Wasseroberfläche von rund acht Millionen Quadratkilometern. Die sommerliche Meereisbedeckung von 5,1 Millionen Quadratkilometer in diesem Jahr liegt am unteren Rand der von Computermodellen für diese Zeit simulierten Schmelze aufgrund der Erderwärmung.

In diesem Sommer wich die Grenze des kompakten Packeises nach Beobachtung der Wissenschaftler nördlich von Russland teilweise bis hinter den 88. Breitengrad zurück. Das sei seit dem Beginn der Satellitenmessungen bisher nie zu beobachten gewesen. Nur rund 220 Kilometer vom Nordpol entfernt habe sich offenes Wasser gezeigt. Die arktische Eisdecke habe sich grundlegend gewandelt. "Dort wo einst dickes mehrjähriges Packeis vorherrschte, findet sich nun vorwiegend saisonales Eis", sagte Kaleschke.

In den neunziger Jahren noch acht Millionen Quadratkilometer

Für das unterschiedlich starke sommerliche Abschmelzen ist nach Angaben der Wissenschaftler ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren verantwortlich. Unter anderem seien es die Eisbedingungen im Frühjahr, der Verlauf der Schmelzsaison sowie die atmosphärischen Bedingungen im Sommer. Großen Einfluss habe auch die vorherrschende Windrichtung.

Kaleschke und sein Kollege vom AWI, Marcel Nicolaus, rechnen auch in den nächsten Jahren mit großen Schwankungen der sommerlichen Meereisbedeckung. Im Winter nimmt das Eis auf dem Meer rund um den Nordpol nach Kaleschkes Angaben eine Fläche von 14 bis 16 Millionen Quadratkilometern ein, das entspricht etwa der doppelten Fläche Australiens.

Im vergangenen Jahr waren die Eisschollen auf dem Ozean über dem Nordpol sogarauf die kleinste Fläche seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1973 geschrumpft. Ihre Ausdehnung entsprach mit 3,4 Millionen Quadratkilometern nur noch der Fläche Indiens. Klimaforscher folgern aus den Messdaten, dass sich der Rückgang in den vergangenen 40 Jahren beschleunigt habe. Sie fürchten, das sommerliche Meereis der Arktis könnte in wenigen Jahren komplett schwinden.

che/boj/dpa



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insgesamt 146 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 19.09.2013
1. Und wenn das Meereis...
Zitat von sysopNSICDC/ Julienne StroeveDie gute Nachricht: In der Arktis ist das Meereis in diesem Jahr nicht so stark geschrumpft wie 2012. Die schlechte: Es handelt sich wohl um nur um eine vorübergehende Erholung - der negative Trend hält an. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/arktischer-sommer-meereis-erneut-stark-geschmolzen-a-923265.html
...ganz weggeschmolzen ist, steigt die übrige Wassertemperatur noch schneller. Mal sehen wie sich das System dann entwickelt. Viele sehen dann Katastrophenszenarien, andere nicht. Gefühlsneutrale Vorhersagen sind halt nicht so einfach.
alex300 19.09.2013
2. OMG! Hilfe, es ist Sommer und das Eis schmilzt!!!
Zitat von sysopNSICDC/ Julienne StroeveDie gute Nachricht: In der Arktis ist das Meereis in diesem Jahr nicht so stark geschrumpft wie 2012. Die schlechte: Es handelt sich wohl um nur um eine vorübergehende Erholung - der negative Trend hält an. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/arktischer-sommer-meereis-erneut-stark-geschmolzen-a-923265.html
Allerdings, gibt es jetzt 60% MEHR Eis als noch vor einem Jahr. Ob das die Wende ist? Auf der anderer Seite, in der Antarktis - oh Wunder! - ist gerade Winter und das Eis erreicht historische Rekordmarke. Wäre nur logisch auch darüber zu schreiben, oder?
johnnybach 19.09.2013
3. Nanu?
Zitat von sysopNSICDC/ Julienne StroeveDie gute Nachricht: In der Arktis ist das Meereis in diesem Jahr nicht so stark geschrumpft wie 2012. Die schlechte: Es handelt sich wohl um nur um eine vorübergehende Erholung - der negative Trend hält an. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/arktischer-sommer-meereis-erneut-stark-geschmolzen-a-923265.html
Was heißt denn das jetzt wieder? Dass die starke Sommereisschmelze der letzten Jahre evtl. ein ganz natürliches Phänomen war? Klingt doch so, als hätte es solche Zyklen schon öfter gegeben ...
MtSchiara 19.09.2013
4. eisfreier Nordpol
---Zitat von Spiegel-Artikel--- Klimaforscher folgern aus den Messdaten, dass sich der Rückgang in den vergangenen 40 Jahren beschleunigt habe. Sie fürchten, das sommerliche Meereis der Arktis könnte in wenigen Jahren komplett schwinden. ---Zitatende--- Komplett verschwinden? Das Meereis wird gegen die kanadische Küste gedrückt und der Norpol könnte am Sommerende kurzfristig eisfrei sein, bevor er wieder zufriert. Das Packeis am Nordpol hat sowieso nur eine Lebensdauer von zwei Jahren. Es entsteht im Winter durch Überfrieren des Meeres und wandert im Sommer Richtung Amerika, wo es nach zwei Jahren wieder auftaut. Wir leben im Moment in einer Warmphase, vergleichbar mit der mittelalterlichen Warmphase vor 1000 Jahren, der römischen Warmphase vor 2000 Jahren oder der ägyptischen Warmphase vor 3000 Jahren. Die damaligen Warmphasen haben circa so 200 Jahre gedauert, Zeit genug also für die Klimaforscher, vor Nervösität an den Nägeln zu kauen und zu fürchten, der Nordpol können am Ende des Sommers auch schon mal gelegentlich eisfrei liegen.
gandhiforever 19.09.2013
5. Da kommen sie wieder,
Zitat von sysopNSICDC/ Julienne StroeveDie gute Nachricht: In der Arktis ist das Meereis in diesem Jahr nicht so stark geschrumpft wie 2012. Die schlechte: Es handelt sich wohl um nur um eine vorübergehende Erholung - der negative Trend hält an. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/arktischer-sommer-meereis-erneut-stark-geschmolzen-a-923265.html
die Helden, die unter Hinweis auf vergangene Klimaschwankungen die Schrumpfung des Eises in der Arktis als einen Vorgang hinstellen wollen, auf den die Menschen keinen Einfluss haben.
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