Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Grönland: Eisschild brach vor 400.000 Jahren zusammen 

Arktisches Eis verschwand: "Die Region überschritt einen Schwellenwert" Zur Großansicht
REUTERS

Arktisches Eis verschwand: "Die Region überschritt einen Schwellenwert"

Eine ungewöhnlich lang anhaltende Wärmezeit hatte Folgen: Vor 400.000 Jahren war der Süden Grönlands beinahe eisfrei. Wie Forscher berichten, unterschied sich das Klima gar nicht so sehr von dem heutigen.

Während einer Warmphase vor gut 400.000 Jahren war der Süden Grönlands fast komplett eisfrei. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der Analyse von Bohrkernen aus der Eirik-Drift - einem Meeresareal vor der Südspitze Grönlands. Demnach ließ der damals schmelzende südgrönländische Eisschild den Meeresspiegel um vier bis sechs Meter ansteigen, schreiben die Forscher um Alberto Reyes von der University of Wisconsin in Madison im Fachblatt "Nature". Die damaligen klimatischen Bedingungen seien jenen vergleichbar, die für Ende dieses Jahrhunderts vorhergesagt würden.

Vor etwa 400.000 Jahren herrschte auf der Erde eine ungewöhnlich lange Warmzeit, die vermutlich auch astronomische Ursachen hatte. Während dieser Phase - der sogenannten Marine Isotope Stage 11 (MIS 11) - stieg der Meeresspiegel vermutlich um 6 bis 13 Meter. Unklar war, wie stark die grönländischen Gletscher dazu beitrugen. Um dies zu ermitteln, untersuchten die Geowissenschaftler aus den USA, Kanada und Großbritannien nun die Bohrkerne.
Fotostrecke

5  Bilder
Grönland: Es taut

Die Analyse beruht darauf, dass die Gletscher Gesteinsmaterial abschliffen und ins Meer trugen, das sich dann auf dem Grund des untersuchten Areals ablagerten. Ein Fehlen solcher Sedimente deutet darauf hin, dass das Einzugsgebiet zu jener Zeit eisfrei war. Um die Ablagerungen verschiedenen Gebieten Grönlands zuzuordnen, untersuchten die Forscher die Bohrkerne auf das Verhältnis der Isotope von Strontium (Sr), Blei (Pb) und Neodym (Nd).

"Jedes Gebiet hat einen eigenen Fingerabdruck", wird Anders Carlson von der Oregon State University in Corvallis in einer Mitteilung der Uni zitiert. "Wir können nicht nur abschätzen, wie viel Eis es gab, sondern die Isotopsignatur zeigt auch, wo es Eis gab und wo nicht." Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass damals im Süden der Insel nur noch am äußersten Südzipfel Eis verblieb. Der Eisverlust war demnach groß genug, um die Meere um 4,5 bis 6 Meter ansteigen zu lassen, berechnen die Wissenschaftler.

"Das Klima vor 400.000 Jahren unterschied sich nicht so sehr von dem heutigen oder zumindest von dem, was für das Ende dieses Jahrhunderts prognostiziert wird", sagt Carlson. "Die Einflüsse waren zwar anders, aber wichtig ist, dass die Region einen Schwellenwert überschritt, so dass der südliche Teil des Eisschildes verschwand."

dpa/nik

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Oberleerer 27.06.2014
Da hilft nur ein: Eine Pipeline bauen, die das Schmelzwasser in den mittleren Westen der USA leitet und dort die vertrockneten Stauseen und den Colorado-River wieder befüllt und die Landwirtschaft reanimiert. Von dem Wasser wird dann kaum ein Tropfen ins Meer gelangen, dafür aber per Verdunstung und Schneefall wieder über Grönland herunterkommen.
2. so so
felisconcolor 27.06.2014
vor 400tsd Jahren gab es also eine Klimaerwärmung (ja war ja schon bekannt) die das Grönlandeis zum Verschwinden gebracht hatte. Und damals gab es noch keine Frau Merkel. Wir wissen also das wir im Grunde nichts wissen über das Klima der Erde. Weder von natürlichen noch künstlichen Beeinflussungsmomenten oder von immer wiederkehrenden Zyklen. Aber wir reissen den Mund auf bis über die Ohren und postulieren das Ende der bekannten Welt. Und unterm Strich stellt der gemeine Bürger fest, das er dadurch nur zum Zahlheinz mutiert. Könnten wir nicht einfach mla für die nächsten 50tsd Jahre das Thema Klima in der Schublade verschwinden lassen? Ich kann die ganzen Auslassungen Pro oder Contra langsam nicht mehr hören. Jede Seite glaubt für sich den heiligen Gral gefunden zu haben. Stellt sich aber immer wieder nur raus, es geht einzig und allein ums Geld verdienen.
3. Kann man so nicht sagen
Stefan_G 27.06.2014
Zitat von felisconcolorvor 400tsd Jahren gab es also eine Klimaerwärmung (ja war ja schon bekannt) die das Grönlandeis zum Verschwinden gebracht hatte. Und damals gab es noch keine Frau Merkel. Wir wissen also das wir im Grunde nichts wissen über das Klima der Erde. Weder von natürlichen noch künstlichen Beeinflussungsmomenten oder von immer wiederkehrenden Zyklen. Aber wir reissen den Mund auf bis über die Ohren und postulieren das Ende der bekannten Welt. Und unterm Strich stellt der gemeine Bürger fest, das er dadurch nur zum Zahlheinz mutiert. Könnten wir nicht einfach mla für die nächsten 50tsd Jahre das Thema Klima in der Schublade verschwinden lassen? Ich kann die ganzen Auslassungen Pro oder Contra langsam nicht mehr hören. Jede Seite glaubt für sich den heiligen Gral gefunden zu haben. Stellt sich aber immer wieder nur raus, es geht einzig und allein ums Geld verdienen.
Wir wissen, dass vor 400.000 Jahren ähnliche Verhältnisse wie heute -wohl ausgelöst durch astronomische Ursachen- zu einem massiven Meeresspiegelanstieg führte. Daraus kann man folgern, dass das bei unserem aktuellen Klima -nicht primär astronomisch hervorgerufen- irgendwann zu dem gleichen Ergebnis führt. Und dass dann auch das Bezahlen von Milliarden und Billionen nicht daran ändern wird und weder dem Zahler noch dem Bezahlten nützt. Was etwas nützen würde, wäre eine Verhaltensänderung der Menschheit. Die besteht aber aus einzelnen Menschen, von denen jeder sagt "ich lebe sowieso nur noch xy Jahre, bis dahin wird es schon nicht so schlimm werden".
4. @felis
quark@mailinator.com 27.06.2014
Man muß die Klimaforscher auch verstehen ... bis vor paar Jahren hat sich für die kein Mensch interessiert ... eine totale Nischenwissenschaft für Eingeweihte, kein Geld, kein Niveau, kein Zugang, kein Renomee ... Nun sind die auf einmal gaaanz wichtig. Ja klar verhindern die, daß der Eindruck aufkommt, sie hätten nichts Endgültiges oder es wäre alles nicht so schlimm. Man muß die Kuh schon am Leben halten, um sie weiter melken zu können ...
5. @felixconcolor
ricson 27.06.2014
Das wir nicht alles über unser Klima wissen ist ja gerade das Problem. Würden Sie wenn sie nicht wissen wie etwas funktioniert mit nem Hammer draufschlagen? Wir pusten Milliarden Tonnen Abgase in unsere Atmosphäre und haben keine Ahnung was das überhaupt mit der Atmosphäre macht. Is ja nicht so das die Atmosphäre irgendwie für uns wichtig wäre. Ich denke über das Thema werden Sie noch mehr hören als Ihnen lieb ist.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: