Art-of-Science-Wettbewerb Schöner forschen

Schleimige Flüssigkeiten wirken wie Gemälde, Triebwerke wie Lichtkunst, Reagenzgläser wie surrealistische Installationen. So schön kann Wissenschaft sein: Ein Wettbewerb der Uni Princeton zeigt in faszinierenden Bildern, wie ästhetisch Forschung ist - und dass sie von der Kunst noch was lernen kann.

Shelley Chan / Josue Sznitman / Alexander J. Smits / Princeton University Art of Science Competition

Hat Wissenschaft etwas mit Kunst zu tun? Schon die Frage wühlt manche Forscher auf. Kürzlich veröffentlichte der Chemie-Nobelpreisträger Roald Hoffmann ein Werk mit dem programmatischen Titel: "Das Erhabene in Wissenschaft und Kunst". Seine These: Erhabenheit ist ein fester Bestandteil der Forschung.

Diese Annahme wird nun auf eine besonders ästhetische Art bestätigt - durch die Art of Science Competition der Princeton University.

Die Eliteuni im US-Bundesstaat New Jersey hat zum vierten Mal einen Wettbewerb ums künstlerisch wertvollste Bild aus der Hochschulforschung ausgerufen - wobei die Fotos nicht von Profis kommen dürfen, sondern ausschließlich von den Abteilungen der Universität selbst. Das Thema lautete diesmal "Energie", und es ist verblüffend, welchen Blick für Ästhetik manche Wissenschaftler bei ihrer Arbeit offenbar entwickeln (siehe Fotostrecke oben).

Das beste der 115 eingesandten Bilder war nach Meinung der Jury ein Foto mit dem Titel Xenon Plasma Accelerator. Jerry Ross vom Princeton Plasma Physics Laboratory hat ein sogenanntes Hall-Effekt-Triebwerk fotografiert, das positiv geladene Teilchen des Edelgases Xenon mit Hilfe eines elektrischen Feldes beschleunigt.

Platz zwei belegte der Chemiker David Nagib. Sein Foto zeigt Reagenzgläser, die Flüssigkeiten im Inneren enthalten, unter anderem bunte Photokatalysatoren. Mit Hilfe einer speziellen Fluoreszenslichtquelle werden die Moleküle angeregt und dazu gebracht, die gewünschte chemische Reaktion einzugehen. Das Verfahren soll unter anderem helfen, Medikamente kostengünstiger zu entwickeln.

Den dritten Rang belegte ein Bild von Tim Koby aus dem Institut für Physik. Es zeigt, wie Neutronensterne ein supermassives Schwarzes Loch umkreisen und dabei komplexe Muster formen.

"Neues Brennglas für die wissenschaftliche Vorstellungskraft"

45 Bilder haben es insgesamt in die Art-of-Science-Ausstellung geschafft. Seit der Gründung habe der Wettbewerb nicht nur atemberaubende und überraschende Bilder hervorgebracht, sondern "ein neues Brennglas für die wissenschaftliche Vorstellungskraft geschaffen", sagte Adam Finkelstein, Informatikprofessor an der Princeton University. Die diesjährige Ausstellung enthalte die "bisher stärksten und unwiderstehlichsten Bilder".

"Über lange Zeit hat die Wissenschaft der Kunst neue Werkzeuge und neue Inspirationen geliefert", sagte Andrew Zwicker vom Princeton Plasma Physics Laboratory, einer der Organisatoren des Wettbewerbs. Die interessante Frage sei, ob die Suche nach der Schönheit in einem Bild aus der Forschung auch dazu führen könnte, das Bild wissenschaftlich anders zu bewerten. Zwicker: "Es könnte durchaus sein, dass die Ästhetik gelegentlich auch die Wissenschaft mit Informationen versorgen kann."

Die Preisgelder fallen bei Art of Science zwar nicht so üppig aus wie bei anderen Wissenschaftsfotowettbewerben, bei denen dann mitunter auch gemogelt wird. Dafür aber haben sie einen wissenschaftlichen Hintergrund. Sieger Ross bekommt 250 Dollar, Nagib erhält 154,51 und Koby 95,49 Dollar. Die Beträge sind vom sogenannten Goldenen Schnitt abgeleitet, jenem Verhältnis zwischen zwei Größen, das vom Menschen als besonders ästhetisch empfunden wird - "von Muscheln bis hin zu griechischen Tempeln" (Princeton University). Denn Wissenschaft und Kunst hätten ein gemeinsames Ziel: Jene Heureka-Momente, "in denen das, was man wahrnimmt, plötzlich mehr wird als die Summe seiner Teile".

mbe



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fucus-wakame 20.05.2010
1. Guter Artikel
Ein hervorragender Artikel, der einen Einblick in die subjektive Schönheit der Wissenschaft gibt.
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