Zerstörung von Lebensräumen Zahl der Wirbeltiere schrumpft dramatisch

Der Mensch macht sich weiter breit auf der Erde - und das hat Folgen für die Tierwelt. Seit Beginn der Siebzigerjahre haben die Wirbeltierbestände im Schnitt um rund 60 Prozent abgenommen.

Ein in Gefangenschaft lebender Irawadi-Delfin in Thailand
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Ein in Gefangenschaft lebender Irawadi-Delfin in Thailand


Die Ergebnisse sind mehr als beunruhigend: Laut einer großen Untersuchung sind die Bestände Tausender Wirbeltierarten auf der Erde in den vergangenen Jahrzehnten um mehr als die Hälfte geschrumpft. Der Rückgang zwischen 1970 und 2014 betrage im Schnitt 60 Prozent, heißt es im Living Planet Report 2018 der Umweltstiftung WWF und der Zoologischen Gesellschaft London.

Auch in den vergangenen zwei Jahren habe der Trend mit weiteren zwei Prozent Rückgang angehalten. Als Beispiele für Tiere, deren Bestände schrumpfen, wurden etwa der Irawadi-Delfin, die Feldlerche, das Rebhuhn und der Stör genannt. Die Angaben beruhen auf Daten von rund 16.700 untersuchten Populationen und rund 4000 Wirbeltierarten weltweit.

Gleichzeitig dokumentiert der Report, der alle zwei Jahre erscheint, einen weiter wachsenden Bedarf der Menschheit an natürlichen Ressourcen. "Unser Lebensstil ist wie Kettenrauchen und Komasaufen auf Kosten des Planeten", erklärte Jörg-Andreas Krüger vom WWF zur zwölften Ausgabe des erstmals vor 20 Jahren erschienenen Reports. Noch sei aber eine Trendwende machbar.

Besonders stark gingen die Bestände von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien in Süd- und Zentralamerika zurück. Dort sank ihr Bestand um 89 Prozent gegenüber 1970.

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Rote Liste: Diese Arten sind vom Aussterben bedroht

Der Hauptgrund für den Verlust von Wildtieren ist die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen - ein Großteil davon verschwindet, um Ackerland zu schaffen. Drei Viertel des gesamten Landes auf der Erde sind der Studie zufolge heute vom Eingriff des Menschen betroffen. Auch die Jagd auf gefährdete Arten für die Nahrungsmittelproduktion spiele eine Rolle. Etwa 300 Säugetierarten sind deshalb vom Aussterben bedroht.

"Deutschland hat am erschütternden Rückgang der biologischen Vielfalt weltweit maßgeblich Anteil. Für unseren Lebensstil fallen in Südamerika, Afrika oder Asien Bäume, verschmutzen Flüsse, schwinden Tierbestände oder sterben Arten aus", so Krüger.

Die Naturschutzorganisation fordert EU-weite Nachhaltigkeitskriterien für importierte Agrar- und Mineralrohstoffe und einen internationalen Waldfonds mit mindestens 100 Millionen Euro Jahresbudget. Aus diesem Fond könnten weltweit Projekte zum Waldschutz und zur Wiederaufforstung in den Ländern unterstützt werden, die auch für unseren Wohlstand ihre Wälder abgeholzt haben.

Auch in Europa und in Deutschland steht die biologische Vielfalt unter Druck - durch monotone Agrarlandschaften ohne Wiesenvögel, Schmetterlinge, Wildbienen und Frösche. Deshalb sollten mindestens 50 Prozent der Agrarsubventionen nur die Landwirte erhalten, die nachweislich auf ihren Feldern Klima- und Umweltschutzziele umsetzen, indem sie zum Beispiel den Einsatz von Pestiziden und synthetischen Düngern senken, auf vielfältige Fruchtfolgen setzen oder artenreiches Grünland erhalten, fordert Krüger.

Für den Report wurden 3268 Einzelquellen zusammengefasst, darunter lange Monitoringprogramme von Forschern und "Citizen Science"-Projekte, bei denen Laien Tiere zählen.

joe/dpa

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