Artenschutz: Für den Wildlachs wird es eng
Zu Zehntausenden in engen Käfigen gemästet, sollen Zuchtlachse die wachsende Weltbevölkerung ernähren. Ihren wilden Verwandten werden die Lebensräume immer mehr vom Menschen eingeengt. Umweltschützer kämpfen für ein Revival des rar gewordenen Wanderfischs.
Es war das Jahr 1880, kurz bevor sich der Herbst wie eine rötlich-goldene Decke über die Westküste der USA legte. Die Schwarzbären begannen gerade, sich den Speck für die Winterruhe anzufressen, und die Tage wurden wieder kürzer, da fing es in der Fabrik von William Hume an zu stinken.
Der Fischer war 1849 vom Osten der USA an die Westküste gezogen und hatte sich später in Eagle Cliff niedergelassen, einem winzigen Ort im Bundesstaat Washington. Er wollte nicht nach Gold suchen wie viele andere, die es damals in den Westen trieb. Er hatte es auf Silber abgesehen, auf lebendes Silber. Hume fing und verkaufte Lachse. Damit wollte er reich werden.
Denn er hatte eine neue Erfindung aus Europa mitgebracht: die Konservendose. Und die Blechbüchse machte aus einem Fisch, den man nur zu bestimmten Jahreszeiten fischen konnte, eine Mahlzeit fürs ganze Jahr.
Lachse gab es damals an der Westküste der USA im Überfluss. Über Jahrtausende hinweg hatte es der Fisch immer wieder verstanden, sich anzupassen, er hatte Eiszeiten, gewaltige Seebeben und Verschiebungen der Küstenlinie überstanden. Die Europäer nannten ihn den "König der Fische". Die Ureinwohner Amerikas verehrten ihn geradezu, gaben ihm den Namen "Blitz, der einem anderen folgt". Kaum ein anderes Tier hatte sich in der Region derartig stark ausgebreitet wie die pazifischen Lachsarten.
Der härteste Kampf: gegen die Profitgier des Menschen
Es gab so viele, dass Humes Dosenfabrik im Spätsommer 1880 mit dem Konservieren nicht mehr nachkam. Die Lachse, manche 20, 30 Kilogramm schwer und so dick wie ein kleiner Baumstamm, fingen an zu gammeln, es stank. Die Fabrikarbeiter griffen daraufhin nach ein paar Schaufeln und schmissen die toten Fische einfach wieder in den Fluss. Der Lachs mag Eiszeiten überstanden haben. Aber sein neuer Kampf war ungleich härter: der Lachs gegen die Profitgier des Menschen. Fisch gegen Geld.
Hume war damals etwa 50 Jahre alt, und seine Konservenfabrik ein großer Erfolg. Allein in jener Saison packten seine Arbeiter Lachse im Wert von über drei Millionen Dollar in die Blechbüchsen. Die Industriearbeiter in den Fabriken in den USA und England verspeisten den Fisch aus Dosen, der Lachs war billig, nahrhaft, lecker, er wurde sogar zur Standardverpflegung der britischen Armee. Denn kaum ein Fisch war so leicht und in so großen Mengen zu fangen: Allein knapp 18 Millionen Kilogramm Königslachse gingen damals im Columbia River, an dem Humes Fabrik stand, in die Netze.
Vermutlich lebten die ersten Vorfahren des Lachses schon in der Zeit der Dinosaurier in den Flüssen. Als vor etwa 25 Millionen Jahren die Ozeane begannen, sich abzukühlen, wurden diese sehr viel nährstoffreicher. Das, so zumindest eine Theorie, war der Grund, warum die Fische schließlich auf Wanderschaft gingen. Die Jungtiere schwammen dorthin, wo sie mehr Nahrung fanden und schneller wachsen konnten: ins Meer.
Scharfer Geruchssinn hilft bei der Orientierung
Um sowohl im Süßwasser als auch im Salzwasser leben zu können, hat der Lachs im Lauf der Evolution besondere Strategien entwickelt. So kann der Fisch über Kiemen und Harn kleine Salzteilchen abgeben, wenn er im Meer schwimmt. Im Fluss hingegen scheidet er nur stark verdünnten Harn aus, um möglichst viel Salz im Körper zu behalten.
Wenn sie sich nach einigen Jahren im Ozean ordentliche Reserven angefressen haben, beginnen die Tiere eine oft mehrere tausend Kilometer lange Reise zurück zu dem Fluss, in dem sie einst geboren wurden. Sie sind dann keine kleinen Fischchen mehr, sondern bis zu einem Meter lange Brocken, Räuber mit imposanten Zähnen. Mit Kraft schlängeln sie sich stromaufwärts. Die Königslachse (Oncorhynchus tshawytscha), die Hume seinerzeit fing, können bis zu 3,60 Meter hohe Wasserfälle hinaufspringen. Und die Fettreserven reichen, um mehrere Monate ohne Nahrung auszukommen. Am Ende der Reise buddeln die Weibchen ein Loch in die Erde, dort hinein kommen die Eier.
Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wie der Fisch seinen Geburtsort wiederfindet. Im Ozean orientieren sich Lachse offenbar am Magnetfeld der Erde und am Sonnenstand. Im Fluss nutzen sie ihren scharfen Geruchssinn, um die richtige Richtung wiederzufinden. Eines hingegen ist sicher: Während es einige Atlantische Lachse zurück ins Meer schaffen, bedeutet der Flussaufstieg für die pazifischen Lachse der sichere Tod. Die Weibchen bewachen ihre Eier noch eine Weile, die Männchen suchen weitere Partnerinnen, aber dann rafft sie die Erschöpfung und der Nahrungsmangel dahin.
- 1. Teil: Für den Wildlachs wird es eng
- 2. Teil: Kampf um die Auferstehung des Atlantischen Lachses
- 3. Teil: Zuchtlachs bedroht die wilde Verwandtschaft
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