Artenschutz Rettungsplan soll Aussterben der Tiger verhindern

Gerade einmal 3200 Tiger leben auf der Erde noch in freier Wildbahn, schätzen Umweltschützer. Und in gut zehn Jahren könnte das majestätische Raubtier ganz ausgestorben sein. Eine internationale Konferenz soll sich nun auf einen Rettungsplan einigen.

AFP

St. Petersburg - Dass Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin gern den Naturfreund gibt, ist bekannt. Auch der Tiger hat es ihm angetan. Putin half bereits mit, eine der Großkatzen mit einem Sender zu versehen - nachdem er ihr vorher spektakulär einen Betäubungsschuss versetzt hatte. Nun soll eine Konferenz unter Putins Führung eine Perspektive für die stark gefährdeten Tiger dieser Welt finden.

Wie gefährdet die gewandten Räuber sind, haben Umweltschützer zu Beginn des Treffens noch einmal klar gemacht. Der Generaldirektor der Umweltstiftung WWF, James Leape, erinnerte daran, dass 2010 in der chinesischen Tradition als Jahr des Tigers gilt. Doch schon bis zum nächsten Jahr des Tigers, das 2022 begangen wird, könnte die Tierart verschwunden sein, warnte Leape.

Nach Schätzungen des WWF leben noch rund 3200 Tiger in Freiheit - vor hundert Jahren sollen es noch etwa 100.000 gewesen sein. Doch dem Menschen ist der mächtige Jäger nicht gewachsen. Die natürlichen Lebensräume der Tiger fallen Holzfällern zum Opfer, und Wilderer jagen die imposanten Katzen wegen der angeblichen Heilkräfte einiger ihrer Körperteile.

Obwohl schon in den siebziger Jahren Reservate gegründet wurden, ist die Zahl der Tiere kontinuierlich gesunken. Ihr Lebensraum erstreckt sich heute über eine Fläche, die nur noch sieben Prozent ihres ursprünglichen Lebensraums entspricht. Die Populationen sind verteilt und zerstückelt.

Bei dem Treffen soll deswegen ein Rettungsprogramm für die bedrohten Großkatzen verabschiedet werden. Die Staaten müssten alles daran setzen, Wilderei und Schmuggel als Hauptprobleme auszumerzen, forderte Leape. Doch das ist alles andere als einfach - so liegt auch bei Gipfel-Gastgeber Russland einiges im Argen beim Tigerschutz: Wildhüter führen im fernen Osten des Landes einen oft aussichtslosen Kampf gegen Schmuggler und korrupte Behörden.

Der Gipfel ist nach WWF-Angaben das erste Treffen, auf dem Regierungschefs über das Schicksal einer einzigen Tierart beraten. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton und Chinas Regierungschef Wen Jiabao wollen an der Konferenz teilnehmen. "Es geht auch darum, die Menschen, die mit den Tigern in den Regionen zusammenzuleben, für den Artenschutz zu gewinnen. Tiger sind unglaublich charismatisch und werbeträchtig", sagte Leape.

Ein neuer WWF-Report zeigt jedoch auch, wie drängend das Problem des illegalen Handels mit Produkten aus Tigern und anderen Großkatzenarten ist. Vor allem die Grenzregion zwischen Myanmar, China und Thailand ist demnach ein Drehkreuz der unerlaubten Verkäufe. Filmaufnahmen der Umweltschützer zeigen, wie auf Schwarzmärkten Teile von Tigern offen angeboten werden - offenbar auch, weil die Anbieter keine Angst vor den Behörden haben müssen.

Der Konferenz in St. Petersburg liegt ein detailliertes Programm zum Schutz der größten Raubkatzen der Erde zur Abstimmung vor. Es hat das Ziel, die Zahl der Tiger weltweit zu verdoppeln. Die Verabschiedung des mindestens 350 Millionen US-Dollar (rund 255 Millionen Euro) teuren Tiger-Rettungsprogramms steht für Dienstag auf der Tagesordnung. Dafür müssen allerdings auch Sponsoren gefunden werden.

chs/dpa/dapd

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Seite 1
manda chuva 29.11.2010
1. null interesse hier im lande
Zitat von sysopGerade einmal 3200 Tiger leben auf der Erde noch in freier Wildbahn, schätzen Umweltschützer. Und in gut zehn Jahren könnte das majestätische Raubtier ganz ausgestorben sein. Eine internationale Konferenz soll sich nun auf einen Rettungsplan einigen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,730363,00.html
hoffentlich schauen sie bei zukuenftiger auswahl ihrer diskussionsthemen nicht auf die anzahl der zuschriften zu aehnlichen themen. so nach dem motto: was der kunde will....
manda chuva 03.12.2010
2. tiger und co.
habe schon das ganze leben lang ein faible fuer grosse raubkatzen gehabt ;) als wunderbaren einstieg moechte ich auf folgenden link verweisen (gute und grosse photos): http://de.wikipedia.org/wiki/Tiger in bangalore sah mich ein angeketteter - vielleicht nur wenige wochen alter tiger, der mich sofort angreifen wollte und brutal durch die kette gestoppt wurde. wie das wohl erst bei einem ausgewachsenen tier ist? null chance denke ich mal und es wird SEHR schnell gehen. faszinierend ist auch das tagelange hungern, bis die jagd nach lebensnotwendigen futter endlich erfolg bringt. da hat man es im zoo selbstverstaendlich besser: die taeglich gesicherte hormon- und antibiotikagesaettigte fleischration. ich empfehle rilke - der panther.
manda chuva 04.12.2010
3. hilflose natur
solange der artenschutz durch laber-konferenzen mit abschliessenden fristensetzungen und bla-bla-absichtserklaerungen ad absurdum gefuehrt wird, geschieht auch nichts. effektiver sind ausgebildete wildhueter mit polizeilichen und standrichterlichen - jetzt mal nicht gleich das schlimmste reininterpretieren - kompetenzen. wenn aber sogar diese naturschuetzer - wie z.b. im rechtsfreien amazonasgebiet - von wilderen mit dem leben bedroht und umgebracht werden oder dieselben durch "strafzoelle" ihr - vergleichsweise doch recht ueppiges - gehalt aufbessern, ist alles verloren. gewoehnen wir uns an den gedanken, dass wir in zukunft solche exoten nur noch in geklonter natur betrachten duerfen - selbstverstaendlich nur gegen teure kohle. bleibt zu hoffen, dass damit auch diese krankhafte kaefighaltung - was sich nebenbei nur eine sadistische spezies ausdenken kann - verschwindet: der natuerliche lebensraum eines tigers erstreckt sich ueber 50 quadratkilometer. welch gegensatz.... ich las heute, dass der tiger in der lage sein soll, anderen artgenossen seinen revieranspruch durch fuer uns unhörbare infraschalltoene mitzuteilen...ist das nicht wundervoll? http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/953050/Sumatra-Tiger-bekommt-neues-Zuhause#/beitrag/video/953050/Sumatra-Tiger-bekommt-neues-Zuhause
manda chuva 04.12.2010
4. firmenreputation: ausrichtung und umsatz
ich habe ausfindig gemacht, dass sich BOTICARIO in brasilien - selbstverstaendlich aus marketinggruenden - sehr stark verschiedene umweltprojekte foerdert. das ist, denke ich, ist eine gesunde alternative zu den angesprochenen konferenzen. zumal die maechtig-gewaltig vorhandene kohle schnell sachen bewegen kann. hier fehlt nur verstaerktes oeffentlichmachen und das wecken des nachahmungstriebes anderer firmen. vielleicht holt ja ESSO endlich mal den tiger AUS dem tank.
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