Artenschutzkonferenz: Handel mit Eisbären-Trophäen bleibt erlaubt

Eisbären: Jäger und Gejagter Fotos
AP

Wer das nötige Kleingeld hat, kann in Kanada Eisbären jagen - und das wohl auch in Zukunft. Die Cites-Artenschutzkonferenz in Bangkok hat ein Handelsverbot für Felle und Trophäen des weißen Arktisriesen abgelehnt. Schuld war die Uneinigkeit der Europäer.

Bangkok - Majestätisch sieht es aus, das größte Landraubtier der Erde. So mancher gutbetuchter Jäger will deswegen gern eine Eisbär-Trophäe in seiner Sammlung haben. Das wird auch in Zukunft möglich sein: Felle und andere Körperteile von Eisbären dürfen weiter international gehandelt werden. Ein US-Vorstoß für ein generelles Handelsverbot fand bei den Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) keine Mehrheit.

Bei der Cites-Konferenz in Bangkok scheiterte der Antrag, weil nur 38 Länder dafür stimmten und 42 dagegen. Entscheidend waren deshalb die 46 Enthaltungen, die unter anderem von den Ländern der Europäischen Union kamen. Deutschland hatte sich für eine Unterstützung des amerikanischen Vorschlags eingesetzt. Doch gelang es den Diplomaten nicht, die nötige Einstimmigkeit der Europäer zu erreichen. Nicht die EU ist Mitglied des Vertrages, sondern die einzelnen Staaten - und die haben sich intern geeinigt, immer mit einer Stimme zu sprechen. Oder gar nicht.

Vor allem Dänemark, das außenpolitisch auch Grönland vertritt, hatte Einwände. Der daraufhin als Alternative eingebrachte EU-Vorschlag, wenigstens die Überwachung der Eisbärpopulationen zu verbessern, erhielt ebenfalls nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Umweltschützer hatten ohnehin beklagt, dass das kaum Verbesserungen bringen würde.

Kanada erlaubt kommerzielle Jagd

"Die Welt hat es nicht geschafft, sich für den Schutz der Eisbärpopulationen einzusetzen", klagte Jeff Flocken von der Tierschutzorganisation IFAW. Sandra Altherr von der Organisation Pro Wildlife erklärte: "Die Hauptgefahr für den Eisbären ist natürlich der Klimawandel, aber die zusätzliche Bedrohung durch den internationalen Fellhandel hätte man heute ausschalten müssen." Schon auf der letzten Artenschutzkonferenz in Doha 2010 war ein besserer Schutz für die Eisbären gescheitert. Damals hatte neben Kanada auch die EU dagegen gestimmt.

Eisbären gibt es in Kanada, den USA, Russland, Norwegen und Grönland. Ihre Zahl wird auf rund 25.000 taxiert. Jedes Jahr werden nach Schätzungen 800 Eisbären erlegt, viele davon zur Versorgung der in den Regionen ansässigen Bevölkerungen. Doch Kanada hat auch die Jagd und den Handel zu rein kommerziellen Zwecken erlaubt.

Nach Angaben von Umweltschützern wurden dort im vergangen Jahr mehr 600 Eisbären legal gejagt. Beliebt bei den Jägern seien vor allem groß gewachsene männliche Tiere - und die fehlten dann für die Fortpflanzung. Zwei Drittel der geschossenen Eisbären seien auf den internationalen Handelsmarkt gelangt. Dazu kämen illegal geschossene Tiere auch aus anderen Staaten.

chs/dpa

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