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Artensterben: Die Tiere mit den geringsten Überlebenschancen

Gefährdete Spezies: 15 Tierarten vom Aussterben bedroht Fotos
Vincent Legendre

Albatrosse, Bürstenhaarmäuse, Kletterratten - Biologen haben 15 Tierarten identifiziert, die nur noch in einem einzigen Lebensraum auf der Welt zu Hause sind. Und auch dort dürften sie bald verschwinden.

Es wird eng auf unserem Planeten. Der Mensch dringt immer weiter in die Natur vor und raubt Tieren wie Pflanzen ihre angestammten Lebensräume. Das Projekt Alliance for Zero Extinction (AZE) erfasst alle bedrohten Arten, die nur noch in einem einzigen Habitat auf der Erde leben. Eine interaktive Karte zeigt die letzten Rückzugsorte von mehr als 800 Arten.

Ein internationales Forscherteam hat die AZE-Liste nun genauer analysiert und die 15 Tierarten mit den geringsten Überlebenschancen identifiziert. Darunter befinden sich in Brasilien lebende Frösche, der im südlichen Indischen Ozean brütende Amsterdam-Albatros und eine Kletterratte aus den Chiapas-Tropenwäldern in Mexiko.

Dass Tierarten aussterben, hat vielerlei Gründe. Der Klimawandel verändert Ökosysteme - Stichwort Versauerung der Ozeane. Häufig zerstört der Mensch Habitate, etwa durch Abholzungen, den Bau von Siedlungen oder Landwirtschaft. Und auch Umweltverschmutzung kann tödliche Folgen haben. Beispielsweise wenn Vögel Plastikmüll für Futter halten und fressen. Sie fühlen sich satt, verhungern jedoch schließlich mit kunststoffgefülltem Magen.

Insgesamt 841 Tierarten hatten die Forscher um Dalia Conde von der University of Southern Denmark in Odense untersucht, die alle nur noch in einem einzigen Lebensraum auf der Erde vorkommen. Die Wissenschaftler entwickelten den sogenannten Conservation Opportunity Index (COI) für jede Art. Die gute Nachricht: Immerhin 39 Prozent der Spezies hätten einen hohen COI und damit gute Überlebenschancen, wie die Forscher im Fachblatt "Current Biology" schreiben. Doch für mehr als 510 der 841 Arten sehe es nicht gut aus.

"Rettung dieser Arten ist essenziell"

Um ihr Aussterben zu verhindern, müssten nach Berechnungen der Forscher 1,3 Milliarden US-Dollar pro Jahr investiert werden. Der Großteil davon würde in Schutzmaßnahmen vor Ort fließen. Parallel dazu, schlagen die Wissenschaftler vor, sollten möglichst viele Arten in Zoos gezüchtet werden, damit stets eine ausreichend große Population vorhanden ist.

"Auch wenn die Kosten hoch erscheinen, die Rettung dieser Arten ist essenziell, wenn wir die Aussterberate bis zum Jahr 2020 senken wollen", sagte Hugh Possingham von der University of Queensland in Australien. Im Vergleich seien allein die jährlichen Militärausgaben der USA mehr als 500-mal größer.

Für folgende 15 Tierarten sind die Überlebenschancen nach Angaben der Forscher am geringsten:

Säugetiere:

  • Mount-Lefo-Bürstenhaarmaus (Lophuromys eisentrauti), Kamerun
  • Chiapan-Kletterratte (Tylomys bullaris), Mexiko
  • Tropische Flachland-Taschenratte (Geomys tropicalis), Mexiko

Vögel:

  • Ash-Lerche (Mirafra ashi), Somalia
  • Tahiti-Monarch (Pomarea nigra), Französisch Polynesien
  • Madeira-Sturmvogel (Pterodroma madeira), Madeira
  • Maskarenen-Sturmvogel (Pseudobulweria aterrima), Réunion
  • Wilkins-Fink (Nesospiza wilkinsi), Tristan da Cunha (Insel im südlichen Atlantik)
  • Amsterdam-Albatros (Diomedea amsterdamensis), Amsterdam Island (Indischer Ozean)

Amphibien:

  • Lykischer Salamander (Lyciasalamandra billae), Türkei
  • Laubfrosch Perereca (Bokermannohyla izecksohni), Brasilien
  • Campo-Grande-Baumfrosch (Hypsiboas dulcimer), Brasilien
  • Santa-Cruz-Zwergfrosch (Physalaemus soaresi), Brasilien
  • Zorro bubble-nest frog (Pseudophilautus zorro), Sri Lanka
  • Froschlurch Allobates juanii, Kolumbien

hda

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